Trump und Murdoch - zwei, die sich verstehen | Europa | DW | 13.07.2018
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Nach dem Trump-Interview

Trump und Murdoch - zwei, die sich verstehen

Neben "Fox News" zählt nun auch "The Sun" zu Donald Trumps bevorzugten Medien. Der Sender und die Zeitung gehören Rupert Murdoch. Die beiden Männer verbindet eine besondere Beziehung.

USA New York Donald Trump und Rupert Burdoch (Getty Images/AFP/B. Smialowski)

Freundschaftliche Umarmung zwischen Donald Trump und Rupert Murdoch 2017 in New York (Archiv)

"Wenn man den Hof eines Kaisers betritt, dann gehört es sich, ein Geschenk mitzubringen", schreibt die britische Boulevardzeitung "The Sun". Deshalb hatten die Reporter ein englisches Fußballtrikot dabei, als sie die US-Botschaft in Brüssel betraten. Und so setzte der "Kaiser" für den Fotografen der Sun ein breites Grinsen auf und hielt das Trikot hoch, so dass die Rückseite zu lesen war: "TRUMP", darunter die Rückennummer "1". "Wow, ich liebe Geschenke", zitiert die Zeitung den beschenkten US-Präsidenten.

Es war also eine freundschaftliche Atmosphäre, in der Donald Trump sein bislang einziges exklusives Interview während seiner Europareise gab. Freundschaft verbindet, jedenfalls haben das beide öffentlich beteuert, den US-Präsidenten auch mit dem Besitzer der Sun, Rupert Murdoch. Der 86-jährige Medienunternehmer ruft regelmäßig im Weißen Haus an, laut New York Times oft sogar,ohne dass Trumps Stabschef etwas davon mitbekommt.

Murdochs Sender ist Trumps Sender

Vor allem aber ist Trump bekannt dafür, täglich stundenlang Murdochs Fernsehsender "Fox News" zu schauen. Immer wieder tauchen Themen, über die Fox berichtet, wenig später in der Agenda des Präsidenten auf. Der Fox-Moderator Sean Hannity gilt der F.A.Z. als "Trumps Telefonseelsorger" - und die Financial Times schreibt, die Sendung "Fox & Friends" nehme dieselbe Rolle ein wie Geheimdienst-Briefings bei seinen Vorgängern. Manchmal lässt Trump sich sogar per Telefon direkt in die Sendung durchstellen. Der Sender ist für Trump ein direkter Kommunikationskanal an seine Basis geworden, auf der anderen Seite ist der Einfluss von "Fox News" auf den Präsidenten immens. Donald Trump und Rupert Murdoch sind zwei Männer, die ohne jeden Zweifel von ihrer Freundschaft profitieren.

Donald Trump und Rupert Murdoch (picture-alliance/ZUMA Wire/Globe Photos/S. Moskowitz)

Donald Trump mit Anna und Rupert Murdoch (Archiv)

Unter New Yorker Millionären

Beide wurden sie in wohlbetuchte Unternehmerfamilien hineingeboren, beide ergriffen die Profession des Vaters und machten Geschäfte mit Medien beziehungsweise Immobilien. Und beide nahmen die Dienste des Anwalts Roy Cohn in Anspruch, nachdem der Australier Rupert Murdoch sich 1976 in Trumps Heimatstadt New York niederließ. Sie verkehrten in ähnlichen Kreisen, und beide waren eng mit der Boulevardzeitung New York Post verbunden: Murdoch als Besitzer, Trump als Schlagzeilen-Material. Die Zeitung versorgte die New Yorker zuverlässig mit Informationen über Trumps Liebesleben. Als Murdoch das Blatt verkaufte und die Post unter ihrem neuen Eigentümer Trump schärfer anpackte, flehte dieser 1988: "Rupert, komm zurück!" Fünf Jahre später folgte Murdoch Trumps Bitte.

Er war auch mit seinem Rat zur Stelle, als der junge Immobilieninvestor Jared Kushner 2006 selbst in die Medienbranche einsteigen und den New York Observer kaufen wollte. Kushner, der in der gleichen Zeit seine heutige Ehefrau Ivanka Trump kennengelernt hatte, traf sich auch privat mit Murdoch und seiner damaligen Frau Wendi Deng. Die beiden Töchter von Murdoch und Deng streuten an der Hochzeit von Kushner und Trump Blumen.

USA NEW York Ivanka Trump und Wendi Deng Murdoch (Getty Images/M. Heiman)

Ivanka Trump gemeinsam mit Wendi Deng Murdoch bei einem Tennisspiel (Archiv)

Diese Freundschaft zahlt sich aus

Im Enthüllungsbuch "Fire and Fury" des Journalisten Michael Wolff nennt Murdoch Trump noch einen "verdammten Idioten" - an irgendeinem Punkt des Wahlkampfs dürfte der Medienmogul jedoch die Siegeschance des Kandidaten Trump erkannt haben. Nach Vermittlungsversuchen von Jared Kushner begann "Fox News" zunehmend, den Wahlkämpfer Trump zu unterstützen. Im März 2016 twitterte Murdoch: "Wenn Trump unvermeidbar wird, wäre die Partei verrückt, sich nicht hinter ihm zu vereinen."

Rupert Murdoch hatte traditionell einen recht großen Einfluss auf mehrere britische Premierminister, nach der jüngsten Wahl 2017 wollte Theresa May nicht dementieren, dass Murdoch sie gebeten habe, den von ihr selbst gefeuerten Minister Michael Gove zurück ins Kabinett zu holen. Im Weißen Haus waren Murdoch solch enge Verbindungen bisher nur zu Ronald Reagan gelungen: Auf Murdochs Betreiben hin strich die Reagan-Regierung unter anderem die Fairness-Doktrin, die bis dahin politische Ausgewogenheit in der TV-Berichterstattung sichergestellt hatte. So gesehen ebnete Reagan die Bahn für den konservativen Meinungsjournalismus, den "Fox News" heute produziert. Und Rupert Murdoch intensivierte rechtzeitig seine Beziehungen zu Trump, um die Symbiose perfekt zu machen.

Wie sehr sich Trumps Sympathien auszahlen können, merkte Murdoch im Dezember, als er einen Großteil seines Unterhaltungskonzerns "21st Century Fox" an Disney verkaufte: Nachdem Trump sich versichert hatte, dass "Fox News" davon nicht betroffen sei, blieb der Deal unbehelligt von einer Überprüfung des Justizministeriums. Die Fusion von AT&T und Time Warner hingegen, zu denen auch der Trump-kritische Sender CNN gehört, wird gerade vom Justizministerium ein weiteres Mal ausgebremst.

Großbritannien Donald Trump und Theresa May in Chequers (Reuters/K. Lamarque)

Donald Trump und Theresa May auf dem Landsitz der britischen Premierministerin

Trump, Murdoch und der Brexit

Und so ist es ein bemerkenswerter Zufall, dass wenige Tage, nachdem die britische Premierministerin Theresa May einen weicheren Brexit andeutet als zuletzt und daraufhin zwei ihrer wichtigsten Minister verliert, Trump ausgerechnet die Sun nutzt, um den Druck weiter zu erhöhen. Die Sun unterstützt zwar Mays konservative Partei, hatte aber vor der Abstimmung im Juni 2016 Position für einen harten Brexit gezogen. 

Im aktuellen Sun-Interview sagte Trump: "Der Deal, auf den sie hinarbeitet, ist ein ganz anderer als der Deal, für den die Menschen gestimmt haben." Trump sagte auch, er habe bereits am Tag vor der Abstimmung damit gerechnet, dass der Brexit kommen würde. Er selbst verbrachte den historischen Tag in seinem Golf-Resort im schottischen Turnberry. Zwei Tage nach dem Votum wurde Trump dort in einem Golf-Caddy fotografiert - hintenauf saß Rupert Murdoch.

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