Trump bricht Friedensverhandlungen mit Taliban ab | Aktuell Welt | DW | 08.09.2019
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Afghanistan

Trump bricht Friedensverhandlungen mit Taliban ab

Als Reaktion auf den jüngsten Taliban-Anschlag in Kabul hat US-Präsident Trump die Gespräche mit den Islamisten über ein Friedensabkommen für beendet erklärt. Bei dem Anschlag war auch ein US-Soldat getötet worden.

US-Präsident Trump am Weißen Haus

US-Präsident Trump am Weißen Haus

Eigentlich wartete die Welt auf die Verkündung eines Friedensabkommens zwischen den USA und den Taliban. Stattdessen hat US-Präsident Donald Trump weitere Verhandlungen plötzlich abgesagt. Trump schrieb auf Twitter, er habe ursprünglich für diesen Sonntag in Camp David geheime Treffen mit den Taliban und - getrennt davon - mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani geplant. Wegen eines tödlichen Anschlags in der afghanischen Hauptstadt Kabul, bei dem auch ein US-Soldat ums Leben kam, habe er die Treffen aber abgesagt - und ebenso die weiteren Friedensgespräche mit den Taliban.

Ob dies das endgültige Aus für die Verhandlungen beider Seiten ist oder die Gespräche nur ausgesetzt sind, blieb zunächst unklar. Die USA und die Taliban sprechen seit Juli 2018 über eine politische Lösung des bald 18 Jahre dauernden Konflikts in Afghanistan.

Sicherheitskräfte am Donnerstag am Tatort in Kabul

Sicherheitskräfte am Donnerstag am Tatort in Kabul

Der US-Chefunterhändler Zalmay Khalilzad hatte am Montag gesagt, man habe sich "grundsätzlich" auf ein Abkommen geeinigt. Die "grundsätzliche" Einigung sei aber erst endgültig, wenn sich Trump damit einverstanden erkläre. Sollte Trump zustimmen, könne das Abkommen in den kommenden Tagen verkündet werden.

Bei den Gesprächen ging es vor allem um Truppenabzüge und Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein sicherer Hafen für Terroristen wird. In der Folge sollten innerafghanische Friedensgespräche geführt werden. Bisher hatten sich die Taliban geweigert, mit der Regierung in Kabul zu sprechen, die sie als "Marionette" des Westens betrachten. Auch ein Waffenstillstand war Thema.

US-Soldaten in der Provinz Wardak

US-Soldaten in der Provinz Wardak

Trump schrieb auf Twitter, führende Taliban-Vertreter und Ghani hätten eigentlich am Samstagabend in den USA ankommen sollen, um sich am Sonntag in Camp David mit ihm zu treffen. Fast niemand habe davon gewusst. Leider hätten die Taliban aber, "um ihre Verhandlungsposition zu stärken" einen Anschlag in Kabul begangen, bei dem ein US-Soldat und elf weitere Menschen getötet worden seien. Er habe das Treffen daher sofort gestrichen - und auch die Friedensverhandlungen abgesagt. "Wenn sie keinen Waffenstillstand vereinbaren können während dieser sehr wichtigen Friedensgespräche, dann haben sie wahrscheinlich ohnehin nicht die Macht, ein bedeutsames Abkommen auszuhandeln."

Vertreter der Taliban im Mai in Moskau

Vertreter der Taliban im Mai in Moskau

Die radikalislamischen Taliban hatten ihre Angriffswelle in Afghanistan in den vergangenen Tagen fortgesetzt: Bei zwei Autobombenanschlägen in der Hauptstadt Kabul und in der östlichen Provinz Logar waren nach Behördenangaben am Donnerstag mindestens 16 Menschen getötet worden, darunter zwei NATO-Soldaten. Einer der Soldaten war Amerikaner. Mit den beiden Anschlägen hatten die Taliban innerhalb von fünf Tagen fünf großangelegte Angriffe durchgeführt.

stu/nob (dpa, afp)

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