Trauerfeier für Opfer des Brückeneinsturzes in Genua | Aktuell Europa | DW | 18.08.2018
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Nach dem Brückeneinsturz

Trauerfeier für Opfer des Brückeneinsturzes in Genua

Mit einer staatlichen Zeremonie haben Tausende Menschen der Katastrophenopfer in der norditalienischen Stadt gedacht. Im ganzen Land gilt Staatstrauer. Indessen wurden auch die letzten Vermissten tot geborgen.

Italien Trauerfeier für Opfer der Brücken-Katastrophe in Genua (picture-alliance/dpa/S. Arveda)

Sargträger mit einem der 18 Särge während der Trauerfeier

In einer Messehalle trafen sich Hinterbliebene, Politiker und Einwohner Genuas zur Trauerfeier für die Opfer des Unglücks. Dort waren 18 Särge aufgebahrt, darunter ein kleiner weißer mit der Leiche des jüngsten Opfers, des achtjährigen Samuele. Italiens Präsident Sergio Mattarella hielt schweigend vor den Särgen inne, bevor er einzeln mit den Familien der Opfer sprach. Auch andere ranghohe Vertreter des Staates waren anwesend. 

Als die an den Rettungsarbeiten beteiligten Feuerwehrleute kurz vor Beginn der Trauerfeier in die Messehalle kamen, brandete Applaus auf. Der Erzbischof der Stadt, Kardinal Angelo Bagnasco, rief während der Zeremonie zu Solidarität und menschlicher Nähe auf. Nach dem "Riss im Herzen der Stadt" und den tiefen Verletzungen "spüren wir, wie notwendig die zwischenmenschlichen Bindungen sind".

Italien Genua | Einsturz Autobahnbrücke Morandi l Trauerfeier (Reuters/S. Rellandini)

Tausende Menschen nahmen teil

Die Angehörigen mehrerer Opfer dagegen blieben der zentrale Zeremonie fern. Einige zogen private Trauerfeiern in ihren jeweiligen Heimatstädten vor, andere boykottierten die Veranstaltung in Genua aus Protest. "Es ist der Staat, der dies verursacht hat, die sollen sich hier nicht sehen lassen. Das Schaulaufen der Politiker war eine Schande", zitiert die Turiner Zeitung "La Stampa" etwa die Mutter eines Opfers. 

Schweigeminute und Flaggen auf Halbmast

In anderen Städten Italiens wird ebenfalls getrauert: An Flughäfen gab es um 11.30 Uhr eine Schweigeminute. In der Hauptstadt Rom gehen zwischen 22.00 und 23.00 Uhr am Kolosseum ebenso wie am Trevibrunnen und im Rathaus auf dem Kapitol die Lichter aus, die diese historischen Bauwerke gewöhnlich nachts anleuchten.  

Die EU-Kommission lässt als Zeichen der Solidarität mit Italien vor ihren Gebäuden halbmast flaggen. Auch im Fürstentum Monaco wird halbmast geflaggt. Dessen Herrscherfamilie Grimaldi hat ihre Wurzeln in Genua. In der italienischen Fußballliga werden zum Saisonauftakt die Spiele der beiden Erstligisten aus Sampdoria und CFC Genua verschoben. In den übrigen Liga-Begegnungen soll es eine Schweigeminute vor Spielbeginn geben, und die Spieler sollen Trauerflor tragen.

Mehr als 40 Tote

Rettungskräfte fanden indessen in den Trümmern der eingestürzten Autobahnbrücke die Leichen der letzten Vermissten. Die sterblichen Überreste eines Arbeiters aus Genua seien entdeckt worden, teilte ein Sprecher mit. Zuvor hatten die Helfer in der Nacht zum Samstag bereits weitere Leichen in einem Auto entdeckt, das unter einem Betonblock begraben lag.

Italienischen Medien zufolge handelt es sich bei den Autoinsassen um ein Ehepaar und seine neunjährige Tochter. Mit den Funden der letzten als vermisst Gemeldeten stieg die Zahl der Toten auf 42. Offiziell bestätigt ist die Zahl jedoch noch nicht. In Krankenhäusern liegen nach Angaben der Präfektur zudem noch einige Verletzte in kritischem Zustand.

Italien Einsturz Autobahnbrücke Morandi in Genua (Reuters/S. Rellandini)

Ein Teil der Morandi-Brücke stürzte während eines Unwetters in die Tiefe

Die italienische Regierung macht den Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia dafür verantwortlich, dass am Dienstag die vierspurige Morandi-Brücke im Westen von Genua auf einer Länge von etwa 200 Metern einstürzte und zahlreiche Fahrzeuge mitriss. Sie wirft dem Privatunternehmen mangelhafte Wartungsarbeiten vor.

Regierungschef Guiseppe Conte teilte am Freitag mit, ein Verfahren zum Entzug der Konzession für Autostrade sei eingeleitet. Der Autobahnbetreiber weist die Vorwürfe zurück. Die Brücke sei vorschriftsmäßig vierteljährlich überprüft worden. Außerdem seien zusätzliche Tests mittels hochspezialisierter Geräte erfolgt.

ie/sti (dpa, afp)

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