Touristenboom am Gardasee | DW Reise | DW | 16.07.2018
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Reise

Touristenboom am Gardasee

Der Gardasee in Italien ist bei Urlaubern beliebt wie seit Jahren nicht mehr. Allen voran bei den Deutschen. Ein Trend, den nicht alle willkommen heißen.

07.10.2015 Dokumentation Dokus der KW 42 und KW 43 Gardasee

Der Gardasee ist der größte See Italiens

Es ist heiß, Menschenmassen drängeln sich durch die engen Gassen und die Cafés sind voll: Alltag zur Hauptsaison im historischen Zentrum von Sirmione. Der Ort auf der Halbinsel des südlichen Gardasees hat sich in den letzten Jahren zu einem Hotspot entwickelt. "Seit drei Jahren verzeichnen wir einen sehr starken Touristenzuwachs", sagte Sabrina Medaglia vom Tourismusbüro Sirmione. Die Touristen stürmen den Ort demnach oft in Scharen. Nicht alle sind darüber erfreut.

Gardasee - Sirmione (picture-alliance/dpa/Provinz Brescia)

Sirmione auf der Halbinsel im südlichen Gardasee

Neue Gäste aus China und Russland 

Die Zahlen der touristischen Jahresbilanz der Provinz Brescia sprechen für sich: Rund 1,36 Millionen Übernachtungen verbuchte Sirmione im Jahr 2017. Das waren fast sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Damit ist die Gemeinde, die nur rund 8000 Einwohner zählt, der beliebteste Urlaubsort in der Provinz und einer der meistbesuchten Orte am Gardasee. "Wir sind froh, wenn Touristen kommen, vor allem ist es gut für jene, die im Touristenbereich arbeiten", sagte Medaglia.

Gardasee - Sirmione (picture-alliance/dpa/R. Gamper)

Touristen in der Innenstadt von Sirmione

Ein Grund für den Boom seien auch Touristengruppen, die es zuvor in Sirmione nicht gegeben habe: "Chinesische und russische Touristen haben hier in den vergangenen Jahren sehr stark zugenommen", sagte sie. Aber Deutsche Touristen führen immer noch die Urlauber-Liste in Sirmione an. In Bayern wird der See in Norditalien sogar schon "Lago di Monaco" genannt - wegen der vielen Besucher aus dem etwa viereinhalb Autostunden entfernten München. Schließlich liegt der See von Süddeutschland nicht allzuweit weg, und hinter den Alpen ist das Klima schon mediterran.

Italien Torbole Surfer am Surfstrand am Gardasee (picture-alliance/dpa/A. M. Mosler)

Torbole am Nordufer des Gardasees ist bei Windsurfern sehr beliebt

Umweltschützer sind alarmiert 

Während sich vor allem die Tourismusbranche über die vielen Besucher freut, blicken Umweltschützer eher mit Unbehagen auf die Entwicklung. "Die Touristen verursachen viel Verkehr, der zunehmend Luft und Wasser verschmutzt. Private Investoren interessiert das natürlich nicht", sagte Salvatore La Magra, Vorsitzender der Umweltgruppe G.A.R.D.A.. Daher ist es für ihn vor allem wichtig, dass sich die Gemeinden vor Ort darum kümmern und Maßnahmen treffen, die den Gardasee und seine Umgebung schützen. "In einigen europäischen Touristenorte wie etwa Barcelona herrscht bereits ein regelrechter Hass gegen Besucher. Damit dies nicht auch in Sirmione geschieht, müssen die Verantwortlichen rechtzeitig handeln", so La Magra. Sirmione hat zum Beispiel Fahrverbote erlassen.

Piazza Vittorio Emanuele (picture-alliance/Bildagentur Huber)

Lazise am südöstlichen Ufer des Gardasees

Verkehrsberuhigung durch Verbote

Autos dürfen schon länger nicht in den Ort. Aber ab 1. August dürften auch Fahrräder nicht in das historische Zentrum, so der Gemeinderat für Entwicklung und Wirtschaft, Alessandro Mattinzoli. Das Auto- und Fahrradverbot betreffe auch die Bürger Sirmiones, die außerhalb der Altstadt wohnten. Ausgenommen von der Regel seien lediglich Bewohner des Zentrums sowie Hotelgäste der Altstadt und Menschen, die dort arbeiteten.  "Die meisten Besucher sind zu Fuß im Zentrum unterwegs. Wenn da noch zahlreiche Autos und Fahrräder rumfahren, herrscht das totale Chaos, besonders zur Hochsaison", sagte Mattinzoli.

Malcesine, Gardasee, Ufer, Promenade (picture-alliance/dpa/A. Forkel)

Malcesine am Ostufer des Gardasees

Wer gegen das Gesetz verstößt, muss mit einer Geldstrafe von bis zu 80 Euro rechnen. Ob mit oder ohne Fahrrad: An der Zahl der Touristen in Sirmione wird das Verbot wohl nichts ändern. Und mit dem Fahrrad sind Touristen gern an der Küste unterwegs. In der Gemeinde Limone soll ein neuer spektakulärer Fahrradweg, der am Berghang befestigt ist, Touristen anlocken.

Limone sul Garda Gardasee Italien (picture-alliance/dpa/R. Goldmann)

Früheres Fischerdorf Limone sul Garda am Westufer des Gardasees

Was die Massen anzieht, ist für einige Einheimische zu einem Problem geworden: die etwas abgeschottete Lage von Sirmione macht das Wohnen in der Altstadt immer unattraktiver. "Die Jugend von hier geht fort, denn es ist alles sehr limitiert. Es gibt keinen Parkplatz, und man darf mit dem Auto nur bis zu einer bestimmten Zeit ins Zentrum reinfahren. Es gibt auch keinen Supermarkt", sagte Alba aus Sirmione. Alles sei sehr auf die Touristen ausgerichtet, so seien etwa die kleineren Läden mit italienischen Spezialitäten alle zu teuer.

Gabriele Hafner (dpa)

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