Türkei kämpft mit Inflationsrate von fast 13 Prozent | Aktuell Europa | DW | 04.12.2017
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Lebenshaltung

Türkei kämpft mit Inflationsrate von fast 13 Prozent

Die Türkei bekommt die Teuerung nicht in den Griff. Der Wert ist der höchste seit 14 Jahren. Präsident Erdogan lehnt Kapitalverkehrskontrollen aber weiterhin ab. In seinem Land gelte die freie Marktwirtschaft.

Wie das türkische Statistikamt mitteilte, legte die jährliche Preissteigerungsrate im November verglichen mit dem Vorjahresmonat auf genau 12,98 Prozent zu. Sie überstieg damit erstmals die Teuerungsrate während der weltweiten Wirtschaftskrise 2008, die in Spitzenzeiten bei 12,06 Prozent gelegen hatte.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan stellte klar, dass er dennoch keine Kapitalverkehrskontrollen plane. Mit diesem Instrument versuchen Länder, den Abfluss von Geld ins Ausland zu stoppen. Erdogan sagte in Ankara, er müsse eigene Aussagen "korrigieren", die eine Interpretation in diese Richtung ermöglicht hatten.

Hier herrscht freie Marktwirtschaft

Am Sonntag hatte der Präsident seine Regierung aufgerufen, Schritte gegen Geschäftsleute zu unternehmen, die in der Türkei erzielte Gewinne ins Ausland schleusten und so "Verrat am Vaterland" begingen. Jetzt hingegen setzte Erdogan den Akzent anders und erklärte: "Die Türkei ist ein Land, in dem freie Marktwirtschaft herrscht." Jeder habe das Recht, sein Geld ins Ausland zu bringen. Das gelte seit 1989 so und werde "zweifellos weiterhin gelten." Erdogan appellierte zugleich nochmals an Geschäftsleute, Vertrauen in die türkische Wirtschaft zu haben. 

Türkei Markt in Ankara (picture-alliance/dpa/B. Weißbrod)

Auch das Essen in der Türkei wird teurer - die Inflationsrate liegt hier bei knapp 16 Prozent

Im Jahresvergleich verteuerten sich in der Türkei vor allem Kosten für Transporte (18,56 Prozent) und Lebensmittel (15,78 Prozent). Vize-Ministerpräsident Mehmet Simsek teilte auf Twitter mit, die Regierung rechne im Dezember mit einer niedrigeren Inflationsrate. Die Entwicklung der vergangenen Monate legt das aber nicht nahe. Die Inflationsrate in der Türkei steigt seit Juli kontinuierlich, zugleich verliert die Türkische Lira an Wert.

Nach Einschätzung der meisten Ökonomen müsste die Zentralbank in einer solchen Situation durch Zinserhöhungen gegensteuern. Erdogan spricht sich jedoch dagegen aus, um das Wirtschaftswachstum nicht zu bremsen, das im zweiten Quartal bei 5,1 Prozent lag. Begünstigt wird das Wachstum auch durch Exporte, die wegen des Lira-Verfalls stark zugelegt haben. In der türkischen Wirtschaft sorgen die Inflation und der Wertverlust der Lira, aber auch die zögerliche Haltung der Zentralbank für Verunsicherung.

haz/cr (dpa, afp)