Syrer in Deutschland: Sorge, Angst und Hilfe | Deutschland | DW | 08.09.2013
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Deutschland

Syrer in Deutschland: Sorge, Angst und Hilfe

Die Situation in ihrer Heimat bewegt auch die Syrer in Deutschland. Viele haben noch Verwandte vor Ort und versuchen, in Kontakt zu bleiben: nicht immer einfach. Deutsche Medien kritisieren sie als zu verharmlosend.

So richtig als Syrerin fühlt sich Raida Chebib erst seit Beginn des Bürgerkriegs vor zwei Jahren. Das sagt die Frau, die in Bonn geboren wurde, im Gespräch mit der Deutschen Welle. Raida Chebib stammt aus einer syrischen Familie, der Vater kam in den 1960er Jahren als Medizinstudent nach Deutschland, die Mutter zog kurze Zeit später nach. Für sie selbst war Syrien immer ein fernes Land. Es gab zwar Kontakt zur Verwandtschaft, selbst vor Ort war sie nur sehr selten.

Heute verfolgt sie die Situation in Syrien ganz genau und tauscht sich über Facebook mit Leuten vor Ort aus. Den Medien in Deutschland vertraut sie nicht: "Die deutschen Nachrichten sind für mich der Inbegriff von Verharmlosung, von Schematisierung und von Fehldarstellung", sagt sie. Berichte und Fotos von Augenzeugen würden in den hiesigen Medien durch Formulierungen wie "mutmaßlich", "vielleicht" und "man weiß nicht, wer dahinter steckt" abgeschwächt.

Vergewaltigungen und Folter

Ihre engeren Verwandten haben Syrien größtenteils verlassen, die Tante und die Cousine leben nun in Saudi-Arabien. Aber dadurch, dass diese noch regen Kontakt zu ihren ehemaligen Nachbarn in Damaskus hielten, bekämen sie immer verlässliche Informationen über die Situation vor Ort - und die sei schlimm. Immer wieder komme es zu Luftangriffen, Vergewaltigungen und Folter durch Assads Armee.

Die Tatenlosigkeit der Weltgemeinschaft ist für Raida Chebib völlig inakzeptabel. Aus ihrer Sicht sollte man versuchen, ein streng kontrolliertes Waffenembargo gegen Syrien durchzusetzen, an das sich auch Russland zu halten habe. Ein militärisches Eingreifen dagegen würde die Situation wohl nur weiter eskalieren lassen.

Zerstörte Häuser in einem Vorort von Damaskus (Foto: Ward Al-Keswani/AFP/Getty Images)

Bangen um die Verwandtschaft: Trümmerfeld in einem Vorort von Damaskus

Angst vor dem Geheimdienst

Ahmad hingegen hält einen Militärschlag - als Antwort auf den Einsatz von Chemiewaffen - für richtig. "Wenn da keine Reaktion der Weltgemeinschaft kommt, macht Assad damit weiter, da bin ich mir sicher." Ahmad ist in Syrien geboren und aufgewachsen und kam vor fünf Jahren für seine Doktorarbeit nach Deutschland. Seinen vollständigen Namen möchte er nicht nennen. Er fürchtet um seine Verwandtschaft in der Heimat. Bereits drei Mal sei der syrische Geheimdienst bei seinen Eltern aufgetaucht.

Auch Ahmed informiert sich hauptsächlich im Internet über die Situation in Syrien. Bis zu sechs Stunden am Tag habe er anfangs bei Facebook und Youtube verbracht und alle Informationen aufgesaugt, die er kriegen konnte. Für ihn sind das die authentischsten Quellen, um an ungefilterte Informationen kommen.

Eine Rückkehr nach Syrien schließt er unter den momentanen Umständen aus. Als Hochqualifizierter kann er auch über seine Promotion hinaus in Deutschland bleiben. Seit 2012 gibt es hier die sogenannte "Blaue Karte", die Fachkräften aus Drittstaaten den Weg in die Europäische Union ebnet.

Überlastete Telefonleitungen

Demonstrant hält Maske von Syriens Präsident Assad hoch (Foto: picture-alliance/dpa)

Demonstration gegen Assad bei der Hannover Messe

Ayichah Hawari kam im Alter von drei Jahren nach Deutschland. Ihre Eltern wurden in Syrien politisch verfolgt, ihr Vater konnte seine Tätigkeit als Professor an der Universität in Damaskus nicht mehr ausüben.

Hawari arbeitet heute als Zahnärztin. Sie selbst konnte wegen der politischen Situation in Syrien nie mehr dorthin reisen, obwohl noch ein großer Teil der Familie in Damaskus lebt.

"Der Kontakt dorthin ist nicht immer so einfach." Immer, wenn in den Medien neue Meldungen aus Syrien auftauchten, seien die Telefonleitungen überlastet. "Manchmal versucht man dann mehrere Stunden lang anzurufen und kommt nicht durch." Auch die Internetverbindungen seien manchmal unterbrochen.

Hilfe durch Spenden

Hawari versucht von Deutschland aus, Hilfe für die Menschen in ihrer Heimat zu leisten. Sie organisiert Benefizveranstaltungen mit. Bei der letzten Veranstaltung kamen 27.000 Euro zusammen. Das Geld sollen Waisen und Witwen in Syrien bekommen.

Langfristig möchte Hawari mit ihrem Mann nach Syrien zurückkehren, obwohl sie das Land eigentlich nur aus Erzählungen kennt. "Ich glaube aber, dass das noch ziemlich lange dauern wird." Selbst falls Machthaber Assad gestürzt werden sollte glaubt sie, dass Syrien noch lange brauchen wird, um wieder zu einem stabilen Land zu werden.

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