1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
KonflikteAfrika

Sudan: Rückkehr der Normalität in Khartum?

5. Februar 2026

Nach fast drei Jahren Krieg soll Sudans Hauptstadt Khartum wieder aufgebaut werden. Auch die Zivilbevölkerung soll zurückkehren. Doch die Kämpfe dauern an, und die humanitäre Lage bleibt katastrophal.

https://p.dw.com/p/584bu
Sudan Khartum 2026 | Männer sitzen mit Markständen vor einem Geschäftshaus mit Kriegsschäden (03.02.2026 )
Eröffnung erster Läden in Khartum (am Dienstag)Bild: Mudathir Hameed/dpa/picture alliance

In die vom Krieg zerrüttete Hauptstadt des Sudan soll wieder Normalität einziehen. So wünscht es die international anerkannte, vom Militär gestützte Regierung unter General Abdel Fattah Burhan. Sie bemüht sich seit Wochen, die Rückkehr staatlicher Institutionen nach Khartum sichtbar zu machen.

Ein symbolträchtiger Schritt war die Landung einer Linienmaschine am Sonntag. Es war der erste planmäßige Flug auf dem internationalen Flughafen von Khartum seit zwei Jahren. Die Maschine aus der ostsudanesischen Hafenstadt Port Sudan hatte 160 Passagiere an Bord, darunter Premierminister Kamil Idris. Die Landung wurde von Regierungsvertretern als Zeichen der Rückkehr staatlicher Kontrolle in dem nordostafrikanischen Land gefeiert.

Ein Passagierflugzeug der Sudan Airways auf dem Rollfeld des internationalen Flughafen sKhartum (01.02.2026)
Landung der ersten Linienmaschine am internationalen Flughafen Khartum (am Sonntag)Bild: Mohamed Khidir/Xinhua/picture alliance

Im April 2023 war ein Machtkampf um die Integration der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) in die sudanesischen Streitkräfte (SAF) zu einem offenen Krieg eskaliert. Die RSF übernahmen große Teile Khartums, woraufhin Regierung und Militärführung nach Port Sudan umzogen, rund 700 Kilometer östlich der Hauptstadt. Erst im März 2025 gelang es den SAF, Khartum weitgehend zurückzuerobern.

Im Jahr des Kriegsbeginns waren rund drei Millionen Menschen aus Khartum geflohen. Seit März 2025 kehrten laut Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) etwa 1,3 Millionen Menschen zurück.

Enorme Herausforderungen

"Die sudanesische Regierung bemüht sich sehr, den Eindruck zu vermitteln, Khartum sei wieder sicher", sagt der unabhängige Politikanalyst Hamid Khalafallah. Zwar sei es positiv, dass Vertriebene in ihre Häuser zurückkehren könnten. Doch das Ausbleiben offener Gefechte bedeute nicht automatisch, dass Sicherheit und funktionierende Infrastruktur wiederhergestellt seien.

Tatsächlich steht die Stadt weiterhin vor enormen Herausforderungen. Die schweren Kämpfe zwischen April 2023 und März 2025 haben die Grundversorgung massiv beschädigt. Der Zugang zu Trinkwasser und Strom ist vielerorts eingeschränkt. Zudem sind zahlreiche Wohnviertel laut dem Minenräumdienst der Vereinten Nationen, UNMAS, noch immer nicht von Minen und Blindgängern befreit.

Auf Khartums zentraler Einkaufsstraße, der Liberty Street, haben bislang nur wenige Geschäfte wieder geöffnet. Die Umsätze seien gering, berichtet die Teeverkäuferin Halima Ishag. "Das Viertel wirkt immer noch wie ausgestorben", sagt die 52-jährige fünffache Mutter. In den vergangenen zwei Wochen habe sie umgerechnet kaum zwei Euro verdient - etwa ein Drittel ihres Einkommens vor dem Krieg.

Anhaltende Gewalt in anderen Landesteilen

Zugleich dauert der Krieg in anderen Landesteilen unvermindert an. Ein Ende der Kämpfe oder ein Waffenstillstand sind nicht in Sicht. Mit bis zu 14 Millionen Binnen- und Auslandsvertriebenen gilt der Konflikt inzwischen als größte Vertreibungskrise weltweit.

Schätzungen zufolge sind bislang bis zu 250.000 Menschen ums Leben gekommen. Verlässliche Zahlen fehlen, da viele Regionen unzugänglich sind und die satellitengestützte Internetkommunikation stark eingeschränkt ist.

Ein neues Epizentrum der Kämpfe ist die Region Kordofan. Sie liegt zwischen den von den SAF kontrollierten Gebieten im Norden und Zentrum des Landes, einschließlich Khartums, und jenen Provinzen, die von den RSF beherrscht werden, darunter Teile Darfurs und des Südens.

Sudan: Hinrichtungen vor laufender Kamera durch RSF-Miliz

Zuletzt meldeten die sudanesischen Streitkräfte militärische Erfolge in Süd-Kordofan. Die Belagerung der Regionalhauptstadt Kadugli sowie der Städte al-Dalanj und Dilling sei beendet worden. In Kadugli hatten die Vereinten Nationen für November 2025 eine Hungersnot ausgerufen.

"Diese Geländegewinne werden als potenzielle Wendepunkte gefeiert", sagt die Sudan-Expertin Hager Ali vom Hamburger GIGA-Institut. Tatsächlich handele es sich jedoch nur um einen begrenzten Teil des gesamten Kriegsgeschehens.

Sowohl die RSF als auch die SAF mobilisierten weiterhin ihre Ressourcen, um an mehreren Fronten zu kämpfen, so Ali. Kordofan sei für beide Seiten strategisch bedeutsam - als Nachschubroute für die SAF sowie wegen Schmuggelwegen, Rohstoffhandel und wichtiger Ölpipelines für die RSF.

Internationale Beobachter warnen seit Langem davor, dass der Sudan Gefahr läuft, faktisch in zwei rivalisierende Machtbereiche zu zerfallen, unterstützt von unterschiedlichen ausländischen Akteuren. Den Vereinigten Arabischen Emiraten wird eine Nähe zur RSF nachgesagt, während Ägypten und die Türkei die von den SAF gestützte Regierung unterstützen. Die USA und die Europäische Union haben Sanktionen gegen beide Kriegsparteien verhängt.

Akute Nahrungsmittelknappheit

Die humanitäre Lage verschlimmert sich zunehmend . "Wir erleben keine eingefrorene, sondern eine eskalierende Krise", sagt Bob Kitchen vom International Rescue Committee. Millionen Menschen litten unter akuter Nahrungsmittelknappheit, Kinder kämen schwer unterernährt in die Kliniken.

Eine vertriebene Frau ruht am Boden, im Hintergrund hocken weitere Menschen, auch Kinder (15.01.2026)
Vertriebene in einem Registrierungszentrum in El-Obneid (Mitte Januar)Bild: El Tayeb Siddig/REUTERS

Mehr als 1000 Tage nach Kriegsbeginn ist die internationale Hilfe weiterhin massiv unterfinanziert. Nach Angaben der Vereinten Nationen waren Anfang 2026 nur rund 35 Prozent der benötigten Mittel für den humanitären Hilfsplan gedeckt. Hilfsorganisationen warnen vor einer dramatischen Zuspitzung der Lage, insbesondere mit Beginn der Regenzeit.

Aus dem Englischen adaptiert von Kersten Knipp.

Jennifer Holleis
Jennifer Holleis Redakteurin und Analystin mit Schwerpunkt Naher Osten und Nordafrika.