Sudan entsendet Truppen nach Darfur | Aktuell Afrika | DW | 27.07.2020
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Afrika

Sudan entsendet Truppen nach Darfur

Angesichts wieder aufflammender Gewalt verstärkt die sudanesische Regierung ihre Truppen in Darfur. Dort waren in den vergangenen Tagen bei Angriffen auf mehrere Dörfer mindestens 80 Menschen getötet worden.

Sudanesische Soldaten mit Gewehren auf einem Militärfahrzeug

Sudanesische Soldaten in Khartum (Symbolbild)

Sudans Regierung hat angekündigt, mehr Soldaten in die Region Darfur im Westen des Landes zu schicken. Die zusätzlichen Streitkräfte sollten die Bevölkerung während der bevorstehenden Erntesaison schützen, begründete Ministerpräsident Abdalla Hamduk den Schritt. Wegen der Angriffe in mehreren Teilen der Region hätten viele Menschen von ihrem Land fliehen müssen, die Geflüchteten würden so ihre Lebensgrundlage verlieren und die humanitäre Not würde ansteigen. Man wolle Stabilität und Sicherheit für die Bewohner von Darfur, so Hamduk.

Abzug internationaler Truppen aus Darfur

In den vergangenen Tagen waren bei neuer Gewalt in Darfur mindestens 80 Menschen getötet worden. Nach Angaben der Vereinten Nationen hatten rund 500 bewaffnete Männer in der vergangenen Woche das Dorf Masteri im Westen des zentralafrikanischen Landes an der Grenze zum Tschad angegriffen und dabei mindestens 60 Menschen getötet und 60 verletzt. Bei einem weiteren Angriff auf das Dorf Aboudos wurden dem Bürgermeister der Region zufolge 20 Menschen getötet. Wer für die Überfälle verantwortlich ist, blieb unklar.

Die neue Gewalt in der Krisenregion beunruhigt vor allem deswegen, weil der UN-Sicherheitsrat Anfang Juni entschied, die Friedensmission UNAMID ab dem nächsten Jahr aus Darfur abzuziehen. Um wie viele Soldaten der Einsatz des sudanesischen Militärs aktuell verstärkt werden soll, ist noch nicht bekannt.

300.000 Tote und 1,6 Millionen Flüchtlinge

Darfur war jahrelang Schauplatz eines brutalen Konflikts, der die Amtszeit des damaligen Präsidenten Omar al-Baschir prägte. In der Region brachen 2003 Kämpfe aus zwischen Bevölkerungsgruppen, die mehr politische Mitbestimmung forderten, und der Regierung von Al-Baschir. Schätzungen zufolge wurden dabei 300.000 Menschen getötet.

Abdalla Hamdok mit Mundschutz während einer Pressekonferenz in Khartum

Sudans Ministerpräsident Abdalla Hamduk verstärkt die Truppen in Darfur

Bis heute herrscht kein Frieden in der Region. Al-Baschir, den das Militär im vergangenen Jahr auf öffentlichen Druck stürzte, wird deshalb vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Völkermords, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht. Seit seinem Sturz sitzt er in Haft im Sudan. Unklar ist, ob die neue Übergangsregierung den Ex-Präsidenten nach Den Haag ausliefern wird.

Noch immer sind laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) rund 1,6 Millionen Menschen auf der Flucht. Die neue Gewalt in Darfur könnte laut Beobachtern damit zusammenhängen, dass nach dem Sturz von Al-Baschir nun einige der Geflüchteten in ihre Heimat zurückkehren wollen.
 

cw/uh (dpa, epd)

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