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PolitikSudan

Sudan: Drohen Al-Obeid dieselben Gräuel wie Al-Faschir?

28. Juni 2026

Tausende Zivilisten wurden bei der Einnahme von Al-Faschir im vergangenen Oktober getötet. Nun sammeln sich die Truppen der sudanesischen Miliz Rapid Support Forces, um eine weitere Großstadt: Al-Obeid.

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Soldaten der Rapid Support Forces mit Gewehren auf einem Pickup-Truck
Truppen der Miliz RSF sammeln sich um die strategische Stadt Al-Obeid und nähren die Furcht vor einem bevorstehenden AngriffBild: AP Photo/picture alliance

Es mehren sich die Anzeichen, dass die strategisch wichtige Stadt Al-Obeid im Bundesstaat Nord-Kordofan zur nächsten wichtigen Front im Krieg im Sudan werden könnte. Diese Woche warnten der UN-Sicherheitsrat, mehrere europäische Staaten sowie die USA angesichts des Vorrückens der Miliz Rapid Support Forces (RSF) vor der "unmittelbaren Gefahr von Massengräueln".

Es wird davon ausgegangen, dass die RSF eine Bodenoffensive vorbereiten, um die Stadt, die sich seit Februar unter Kontrolle der Sudanesischen Streitkräfte (SAF) befindet, zurückzuerobern.

Im Sudan herrscht Krieg, seitdem die Spannungen zwischen zwei rivalisierenden Generälen, Abdel Fattah al-Burhan von den Sudanesischen Streitkräften und Mohamed Hamdan Daglo von den Rapid Support Forces, im April 2023 eskalierten. Seitdem teilen die Kämpfe das Land in mehrere Gebiete: die von der Armee kontrollierten Gebiete im Norden und im Zentrum des Landes, die auch die Hauptstadt Khartum einschließen. Und in die von den RSF kontrollierten Gebiete in der Region Darfur im Westen des Landes sowie Teile des Südens.

Der Krieg hat im Sudan mit seinen riesigen landwirtschaftlichen Flächen und großen Öl- und Goldvorkommen eine der weltweit größten humanitären Katastrophen mit unzähligen Flüchtlingen angerichtet. Laut UN wurden mehr als 14 Millionen Menschen vertrieben, entweder im eigenen Land oder in benachbarte Länder. Die Zahl der Todesopfer wird auf zwischen 40.000 und 250.000 geschätzt. Genaue Zahlen sind aufgrund der anhaltenden Kämpfe nicht zu erhalten.

Warum wird Al-Obeid zum Ziel?

Die Stadt Al-Obeid mit ihren etwa 500.000 Einwohnern ist ein wichtiges Drehkreuz für den Zentralsudan, Khartum und die westliche Darfur-Region. Sie bildet also einen wichtigen Knotenpunkt für Truppenbewegungen und die militärische und humanitäre Versorgung. Außerdem befinden sich hier ein großer Stützpunkt der Sudanesischen Streitkräfte sowie ein Militärflugplatz.

Zerstörte Panzer vor der sudanesischen Zentralbank
Während in der sudanesischen Hauptstadt langsam wieder Normalität einkehrt, gehen die Kämpfe in Nord-Kordofan weiterBild: El Tayeb Siddig/REUTERS

"Al-Obeid war schon immer Drehscheibe für wichtige Versorgungswege", sagt Hager Ali, Sudan-Expertin des GIGA-Instituts für Globale und Regionale Studien zur DW. "Gelänge es der RSF-Miliz, Al-Obeid zurückzuerobern, würde sie nicht nur von seiner urbanen Infrastruktur und dem lukrativen Gummiarabikum-Handel profitieren, sie könnte die Stadt auch als vorgeschobene Einsatzbasis für den Start von Drohnen nutzen."

Für beide Parteien haben sich Drohnen im Verlaufe des Krieges zu einer wichtigen Waffe entwickelt. Laut dem Kommissariat für Menschenrechte der Vereinten Nationen wurden zwischen Januar und Mai 2026 mehr als 1000 Zivilisten bei Drohnenangriffen getötet.

Seit dem Beginn der Regenzeit im Juli werde die Flugbahn der Kampfdrohnen jedoch schlechter berechenbar, erklärt Ali. "Wenn die RSF auf andere Städte im Sudan vorrücken wollen, ist es für sie am sinnvollsten, eine vorgeschobene Einsatzbasis zu finden, die sich näher an den vorgesehenen Zielen befindet, um die Schwierigkeiten, die beim Einsatz von Drohnen in der Regenzeit entstehen, zu umgehen."

Warnungen, Warnungen, Warnungen

Ein Sprecher des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres mahnte bereits im Juni in einer Erklärung "wir dürfen nicht zulassen, dass sich die Schrecken von Al-Faschir in Al-Obeid wiederholen".

Die Stadt Al-Faschir in Darfur wurde zum Synonym für die Massengräuel, die die Truppen der RSF dort verübten, nachdem sie die Stadt 18 Monate lang belagert hatten. In einer Aktion, die nach Angaben der UN und Menschenrechtsorganisationen "Merkmale eines Völkermords" aufwies, töteten die Kämpfer der Miliz dort im vergangenen Oktober innerhalb von drei Tagen etwa 6000 Menschen.

"Wir haben allen Grund, zu befürchten, dass die RSF ihre Massengräuel fortsetzen werden, wenn sie nicht an der Einnahme von Al-Obeid gehindert wird", sagt Kenneth Roth, ehemaliger Geschäftsführer von Human Rights Watch, zur DW. "Die RSF-Miliz hat bereits gezeigt, dass sie keinerlei Rücksicht auf das Leben von Zivilisten nimmt", betont er. "Im Gegenteil, ihr oberstes Ziel scheint es zu sein, möglichst viele Zivilisten zu töten."

Sudan: Suppenküchen sichern das Überleben

Amgad Fareid Eltayeb, Berater des Souveränen Rats der Übergangsregierung des Sudan in politischen und außenpolitischen Fragen, vergleicht die aktuelle Situation ebenfalls mit den Monaten vor dem Angriff auf Al-Faschir. "Wir sehen dasselbe Drehbuch, in einer Neufassung für Al-Obeid", bedauert er gegenüber der DW.

Dass die Warnungen im vergangenen Oktober keine Wirkung zeigten, habe nicht daran gelegen, dass es zu wenig Beweise gab, sagt Fareid Eltayeb. "Sie zeigten keine Wirkung, weil sie nie zur Prävention gedacht waren."

Gerechtigkeit und Sanktionen

Philippe Dam, EU-Direktor für Advocacy bei Human Rights Watch, findet es trotzdem wichtig, die Stimme zu erheben. "Es sendet eine klare Botschaft an die Führung der Rapid Support Forces. Die internationale Staatengemeinschaft sollte jedoch auch eine sehr deutliche Botschaft an ihre Unterstützer senden", betont er.

"Die Vereinigten Arabischen Emirate spielen nachweislich eine Rolle beim Anheizen des Konflikts und der von der RSF-Miliz begangenen Gräueltaten. Die Beteiligten sollten mit Sanktionen belegt werden", fordert Dam gegenüber der DW.

Die Vereinigten Arabischen Emirate selbst jedoch weisen jegliche Beteiligung am Krieg oder Unterstützung für die RSF zurück. Die Sudanesischen Streitkräfte wiederum werden offiziell von Ägypten, der Türkei, Russland und dem Iran unterstützt.

Sofortige Sanktionen könnten helfen, Zivilisten zu schützen und Gräuel zu verhindern, ist Dam überzeugt. "Sanktionen gegen die Führung der RSF sind unerlässlich, denn sie trägt die Befehlsverantwortung für die von der Miliz begangenen Verbrechen. Es muss klar gemacht werden, dass diese Person in der Zukunft des Landes keine Rolle spielen darf", fügt er hinzu. 

Menschen füllen Wasserbehälter bei kostenloser Wasserverteilung
Die humanitäre Krise im Sudan zählt zu den größten von der Welt vergessenen KrisenBild: Marwan Ali/AP Photo/dpa/picture alliance

Der auch als Hemedti bekannte Oberbefehlshaber der RSF, Mohammed Hamdan Daglo, gründete 2025 in den von ihm kontrollierten Gebieten seine "Regierung des Friedens und der Einheit". Er beansprucht jedoch die Rechtshoheit über den gesamten Sudan. Das gleiche tut sein Gegner, General Abdel Fattah al-Burhan von den Sudanesischen Streitkräften.

Die USA verhängten im Januar 2025 Sanktionen gegen beide Generäle und dehnten diese später auf weitere Einzelpersonen, die mit den beiden Seiten in Verbindung stehen, aus. Auch die EU verhängte Sanktionen gegen mit den zwei Fraktionen in Verbindung stehende Personen und Organisationen. Die UN jedoch haben bislang weder die Generäle, noch ihre Organisationen als Ganzes mit Sanktionen belegt.

"Die Einstufung der RSF als terroristische Vereinigung ist die einzige Möglichkeit, es für die Vereinigten Arabischen Emirate schwieriger zu machen, einen Völkermord nach dem anderen im Sudan zu unterstützen und zu finanzieren", meint Amgad Fareid Eltayeb.

"Die Welt ist jedoch nicht bereit, ernsthaft zu handeln", befürchtet er. Jede Erklärung der internationalen Gemeinschaft, die die bevorstehenden Gräuel betrauere, ihre Geldgeber jedoch nicht benenne, sei "kein Schritt zur Verhinderung, sondern ein Schritt, diese zu umgehen", beklagt er.

Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.

Jennifer Holleis
Jennifer Holleis Redakteurin und Analystin mit Schwerpunkt Naher Osten und Nordafrika.
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