Strahlkraft und Schmelz - Startenor René Kollo wird 80 | Kultur | DW | 19.11.2017
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Kultur

Strahlkraft und Schmelz - Startenor René Kollo wird 80

Der Schlager "Hello Mary Lou" war in den 1960ern sein erster Erfolg. Weltkarriere machte René Kollo allerdings in einem anderen Bereich: als Heldentenor auf der Opernbühne. Jetzt feiert der Sänger seinen 80. Geburtstag.

In seinem Namen schwingt Musik mit - wenn auch nicht unbedingt ernste klassische: Der am 20. November 1937 in Berlin geborene René Kollo gehört einer berühmten Komponistendynastie an. Großvater Walter Kollo war einer der Hauptvertreter der "Berliner Operette" im deutschen Kaiserreich vor 1918. Vater Willy Kollo schrieb bedeutende Revuen und Filmmusiken in der Weimarer Republik (1918-1933). Sohn René, zwar ebenfalls musikalisch begabt, hatte anfangs einen Berufswunsch, der so gar nicht zur Familientradition passte: "Ich wollte ursprünglich in die Schauspielerei; zum Gesang bin ich eigentlich per Zufall gekommen", erzählte er einmal.

Von "Mary Lou" zu Wagner

1958 erhielt der junge Sänger einen Schallplattenvertrag ausgerechnet in dem Bereich, in dem schon seine Vorfahren sehr erfolgreich gewesen waren: im Schlager. Drei Jahre später landete er mit der deutschen Fassung von "Hello Mary Lou" seinen ersten großen Hit. Doch René Kollo wollte mehr. Er studierte Gesang in West-Berlin und debütierte 1965 als lyrischer Tenor am Staatstheater in Braunschweig. Zwei Jahre später feierte man ihn an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Kollo ein umfangreiches Repertoire erarbeitet, zu dem auch einige Partien von Richard Wagner zählten. Nicht zuletzt mit ihnen erregte der junge Tenor Aufmerksamkeit in Bayreuth: 1969 lud man ihn zum Vorsingen ein - und im gleichen Jahr debütierte René Kollo als Steuermann in Wagners "Fliegendem Holländer" bei den Bayreuther Festspielen.

Gefeierter Wagner-Tenor

Opernsänger Rene Kollo in der Fliegenden Holländer (picture-alliance/dpa)

Kollo als Steuermann bei einer Probe zu "Fliegender Holländer" 1969 in Bayreuth

Bereits im folgenden Jahr übernahm der Sänger in der gleichen Oper die Partie des Erik. Damit begann für ihn die internationale Karriere als Helden-Tenor im Wagner-Fach. Bis 1982 war René Kollo regelmäßig umjubelter Gast der Bayreuther Festspiele und sang dort fast alle großen Tenorpartien vom Lohengrin über Tristan und Siegfried bis Parsifal. "Bayreuth ist für mich nicht nur eine Durchgangsstation gewesen", sagte er einmal rückblickend auf diese Zeit. "Bayreuth war für mich immer ein heiliger Ort." Die erfolgreichen Auftritte dort brachten rasch auch internationale Kontakte mit sich: Ab 1970 feierte Kollo unter anderem an der Wiener Staatsoper, der Pariser oder der Mailänder Scala große Erfolge. Sechs Jahre später folgte sein Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera. Dort wie auch an vielen anderen internationalen Opernhäusern stand er immer wieder mit den großen Wagner-Partien auf der Bühne.

Bernstein, Solti, Karajan

Opernsänger Rene Kollo und Wolfgang Wagner (picture-alliance/K. Schnörrer)

Der junge Star mit seinem "Entdecker" Wolfgang Wagner

Allerdings wurde Kollo ebenso als Florestan in Beethovens "Fidelio", als Max in Webers "Freischütz" oder als Konzertsänger mit Liedern von Schubert, Schumann oder in Gustav Mahlers "Lied von der Erde" gefeiert. Er arbeitete mit prominenten Orchestern und Dirigenten wie Leonard Bernstein, Georg Solti oder Herbert von Karajan zusammen. Mit Letzterem kam es durchaus auch mal zu Reibereien: Denn der Sänger machte aus seinen Abneigungen gegenüber manchen Ideen zur Interpretation oder Inszenierung selten einen Hehl. Auch mit seinem "Entdecker", dem ehemaligen Bayreuther Festspielchef Wolfgang Wagner, geriet Kollo immer wieder aneinander. Mit Patrice Chéreau schien er sich besser verstanden zu haben; denn dessen Bayreuther "Jahrhundert-Ring" von 1976 wird immer auch mit seinem Namen in Verbindung gebracht.

Leidenschaft für Oper und Operette

Neben den Erfolgen an den großen Opernbühnen sang René Kollo immerzu im Metier seiner Väter - der Operette. So trat er unter anderem als Alfred in Johann Strauß' "Fledermaus" oder als Graf Danilo in Franz Lehárs "Lustiger Witwe" auf. Die leichte Muse präsentierte Kollo als Sänger und Moderator auch in der Fernsehshow "Ich lade gern mir Gäste ein". Darüber hinaus unternahm er 1986 wieder Ausflüge in die Welt des Schlagers. In erster Ehe war der Tenor übrigens mit einem der bekanntesten Schlagerstars Dänemarks verheiratet - der Sängerin Dorthe.

René Kollo mit Kollegin Karan Armstrong (picture-alliance/Pop-Eye/C. Kratsch)

René Kollo mit Kollegin Karan Armstrong bei der "Quartetto"-Premiere (2016) in Berlin

Zur Jahrtausendwende verabschiedete sich René Kollo weitgehend von der Opernbühne; die zahlreichen schwierigen Heldenpartien hatten deutlich ihre Spuren in seiner Stimme hinterlassen. Dennoch tritt er noch hin und wieder in Alterspartien des Charakterfaches auf. 2016 übernahm der Sänger die Schirmherrschaft über das Musical "Ludwig" und war in dem Stück über den bayerischen Märchenkönig Ludwig II. mehrfach in der Rolle des Schattenmannes zu erleben.

Schönste Wagner-Stimme

In den letzten Jahren hat Kollo wiederholt Kritik an der Musiker-Ausbildung oder dem Musikbetrieb in Deutschland geäußert. So befürchtete er etwa einen Bedeutungsverlust der Bayreuther Festspiele durch in seinen Augen schlechte Inszenierungen und halbherziges Agieren des Festspiel-Managements. Gerade am dortigen "Grünen Hügel" hat René Kollo sich nach vielen Kritiker-Meinungen den Ruf erworben, eine der schönsten Wagner-Stimmen der Welt zu besitzen. Und exzellente Schallplatteneinspielungen, wie beispielsweise die von Wagners "Meistersingern" unter Karajan, zeigen die Strahlkraft und den lyrischen Schmelz von Kollos Tenorstimme, die seinen Fans unvergesslich bleiben wird.

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