Stillstand statt Neuanfang beim DFB | Sport | DW | 13.10.2018
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Schmerzhafte Niederlage

Stillstand statt Neuanfang beim DFB

Die DFB-Elf muss gegen die Niederlande eine deutliche Pleite hinnehmen. Der Ex-Weltmeister verpasst den erhofften Schritt nach vorne und gerät ordentlich ins Taumeln. Auch der Stuhl des Bundestrainers wackelt.

Als der vierte Offizielle nach einer knappen Stunde die Leuchttafel mit den Ziffern 13 und 19 in die Höhe reckte und Thomas Müller erschöpft vom Platz ging, dürfte der eine oder andere Zuschauer erleichtert und voller Hoffnung aufgeatmet haben. Leroy Sané wurde eingewechselt und versuchte gleich von Beginn an ein Zeichen zu setzen. Schnelle Dribblings, überraschende Richtungswechsel - der Auftritt des 22-Jährigen machte Hoffnung, belebte das deutsche Spiel und erinnerte an den vom DFB und Bundestrainer Joachim Löw angekündigten Neuanfang.

Genauso wie die Leistung von Julian Brandt, der wenige Minuten später auch noch einmal ran durfte. "Die jungen Spieler haben frischen Wind reingebracht", sagte Löw im Anschluss an die 0:3-Niederlage, gab aber zu Bedenken: "Sie haben noch nicht diese ganz große Qualität am Zenit ihrer Möglichkeiten zu sein. Sie müssen sich auch noch entwickeln." Man dürfe keine Wunderdinge erwarten. Zudem betonte Löw abermals: "Wir brauchen eine gute Mischung aus Erfahrung und Jugend."

Der DFB-Trainer vertraute an diesem Abend erneut der so genannten "Bayern-Achse" und bot insgesamt acht WM-Teilnehmer auf - ein Neuanfang sieht wahrlich anders aus. "Wir können nicht nur mit jungen Spielern auftreten. Wir brauchen auch Spieler mit Erfahrung, die auch schon etwas erreicht haben", so Löw. 

UEFA Nations League - Niederlande gegen Deutschland (Reuters/P. Van de Wouw)

Kein guter tag für die DFB-Abwehr - drei Gegentore gegen die Niederlande

Dass es aber auch anders geht wurde der DFB-Auswahl in der Johann-Cruyff-Arena deutlich vor Augen geführt. Oranje-Coach Ronald Koeman vertraute einer jungen, teils etwas wild auftretenden Mannschaft, welche dem ehemaligen Weltmeister dennoch deutlich die Grenzen aufzeigte.

"Das war eine sehr brutale und enttäuschende Niederlage", gab Löw zu. "Wir hatten uns zu Beginn des Spiels einige Möglichkeiten erarbeitet. Man spürt dann aber, wenn man diese Chancen nicht nutzt, dass wir momentan nicht das nötige Selbstbewusstsein haben."

Löw: "Wenn nicht, steigen wir eben ab"

Der 58-Jährige wirkte angefressen und genervt, vielleicht auch ein bisschen ratlos. Denn nach mittlerweile drei Spielen im Rahmen des großen Neustarts dürfte beim DFB Ernüchterung eingekehrt sein.

UEFA Nations League - Niederlande gegen Deutschland | Deutsche Teammitglieder gehen vom Platz (Getty Images/Bongarts)

Jogis Jungs gehen schwer geschlagen vom Platz

Nach dem blamablem WM-Aus im Sommer droht der Nationalmannschaft nach nur einem Punkt aus zwei Spielen nun sogar der Abstieg in der neugeschaffenen Nations League. "Wir müssen in Paris als Mannschaft Charakter zeigen. Wenn wir gegen Frankreich punkten und dann zu Hause gegen die Niederlande gewinnen haben wir noch eine Chance. Wenn nicht, steigen wir eben ab."

Tritt Joachim Löw zurück?

Der Druck auf Löw und sein Team wächst und der berühmte Stuhl des 58-Jährigen wackelt mehr denn je. Die Frage nach seiner Jobsituation beantwortete Löw allerdings nicht. Er sei der falsche Ansprechpartner. "Dann müssten wir einen anderen Verantwortlichen holen, der die Frage beantworten kann", entgegnete der Weltmeister-Coach von 2014. DFB-Präsident Reinhard Grindel wäre so ein Ansprechnpartner, doch der wird seinen Trainer sicher nicht in den Ruhestand schicken, auch nicht nach einer Niederlage am Dienstag in Paris. Ob Löw aber nach einem möglichen Abstieg und dem damit verbundenen weiteren Tiefschlag noch ausreichend Motivation und Kreativität an den Tag legen kann, um den Job des Bundestrainers auszuführen, darf durchaus bezweifelt werden.

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