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Startversuch für deutsche "Spectrum"-Rakete abgebrochen

10. April 2026

Ein technisches Problem zwingt die deutsche Firma Isar Aerospace zum kurzfristigen Stopp der "Spectrum"-Mission. Für Europas Raumfahrt ist das ein Dämpfer - doch das Unternehmen hält an seinem Kurs Richtung Orbit fest.

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Norwegen Andøya 2026 | Blick auf die Spitze der Spectrum-Rakete an der Startrampe des Weltraumbahnhofs mit dem Nordmeer im Hintergrund (09.04.2026)
Bereit zum Abflug: Die "Spectrum"-Rakete steht kurz vor dem Abbruch an der Startrampe (am Donnerstag)Bild: Isar Aerospace

Der zweite Testflug der "Spectrum"-Rakete Raumfahrtunternehmens Isar Aerospace aus dem Süden Deutschlands ist am Donnerstagabend kurzfristig abgebrochen worden. Grund war ein vermutetes Leck in einem Druckbehälter, das kurz vor dem geplanten Start am Weltraumbahnhof Andøya Spaceport im Norden Norwegens entdeckt wurde.

"Isar Aerospace nimmt Abstand vom heutigen Startversuch, um ein Leck in einem Druckbehälter zu untersuchen", teilte das Unternehmen rund eine Stunde vor dem Abheben mit. In einer weiteren Mitteilung hieß es, die beteiligten Teams würden den Schaden nun analysieren und "die nächsten Schritte festlegen".

Spectrum-Rakete an der Startrampe des Weltraumbahnhofs Andøya (23.01.2026)
Weltraumbahnhof Andøya im hohen Norden Norwegens (im Januar)Bild: Isar Aerospace

Die zweistufige, 28 Meter hohe Rakete sollte bei der Mission "Onward and Upward" erstmals mit Nutzlast starten: fünf Kleinsatelliten und ein wissenschaftliches Experiment sollten in eine erdnahe Umlaufbahn gebracht werden. Die "Spectrum" ist darauf ausgelegt, Nutzlasten von bis zu einer Tonne zu transportieren und gehört zur Klasse der sogenannten Microlauncher.

Start bereits mehrfach verschoben

Der nun abgebrochene Start reiht sich in eine Serie von Verzögerungen bei dem Projekt des in Ottobrunn im Bundesland Bayern ansässigen Start-ups. In den vergangenen Wochen wurden mehrere Startversuche aus technischen Gründen sowie wegen ungünstiger Wetterbedingungen abgesagt. In einem Fall hatte ein Fischerboot die Sicherheitszone nicht rechtzeitig verlassen.

Auch der erste Testflug im vergangenen Jahr verlief nicht wie erhofft: Die Rakete startete zwar erfolgreich, stürzte jedoch nach rund 30 Sekunden Flug ins Meer.

Teststart der Spectrum-Rakete von Isar Aerospace (30.03.2025)
Start zum missglückten Testflug der "Spectrum" (im März 2025)Bild: Isar Aerospace/dpa/picture alliance

Trotz Rückschlägen zeigt sich Unternehmenschef Daniel Metzler zuversichtlich: "Absagen sind ein Teil der Raumfahrtindustrie", sagte er. "Jeder Versuch bringt uns wertvolle Erfahrungen und schult uns auf unserem Weg in den Orbit." Metzler betonte außerdem: "Es steht außer Frage, dass wir die Erdumlaufbahn erreichen und einen zuverlässigen Zugang zum Weltraum beweisen werden."

Europa will unabhängiger werden

Isar Aerospace, 2018 gegründet und mit mehr als 500 Millionen Euro finanziert, gilt als eine der großen Hoffnungen der europäischen Raumfahrt. Das Unternehmen wird unter anderem von der European Space Agency (ESA) unterstützt und gehört zu mehreren Firmen, die Europa unabhängiger von außereuropäischen Anbietern machen wollen.

Derzeit dominiert vor allem das Raketen-Unternehmen des Milliardärs Elon Musk den Markt für Raketenstarts. Sein Raumfahrtunternehmen SpaceX hat die teilweise wiederverwendbare Trägerrakete "Falcon 9" schon hunderte Male ins All geschickt. Europa ist bislang stark auf solche Anbieter angewiesen.

Isar-Aerospace-Rakete "Spectrum" an der Startrampe auf einer Landzunge im Meer, im Hintergrund schneebedeckte Berge (09.04.2026)
Beim ersten Startversuch stürzte die Rakete ins nahegelegene MeerBild: Isar Aerospace

Nach Angaben von Metzler starteten die USA im vergangenen Jahr 198 Raketen, während Europa lediglich acht Starts verzeichnete. Der erste Testflug der "Spectrum"-Rakete im vergangenen Jahr war der erste Start einer Orbitalrakete in Kontinentaleuropa außerhalb Russlands. Die bekannten "Ariane"-Raketen der ESA heben regelmäßig vom Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana ab, also im Norden Südamerikas. 

Auch die geopolitische Lage verstärkt den Druck zur Eigenständigkeit. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bei einem Besuch in Andøya betont, unabhängige Startkapazitäten seien auch aus sicherheitspolitischen Gründen wichtig.

Große Nachfrage trotz fehlender Serienreife

Trotz der bisherigen Rückschläge ist die Nachfrage für "Spectrum"-Starts hoch. Nach Angaben des Unternehmens ist Isar Aerospace bereits bis 2028 ausgebucht. Der Anteil militärischer Anfragen habe sich innerhalb eines Jahres auf 60 Prozent vervierfacht.

Wann ein neuer Startversuch erfolgen könnte, ist noch offen. Unternehmenschef Metzler kündigte jedoch an: "Wir werden bald wieder startbereit auf der Startrampe stehen."

pgr/AR (dpa, afp, rtr)

Redaktionsschluss: 16:00 Uhr (MESZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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