Staatsbegräbnis für die Queen in London: Die Welt nimmt endgültig Abschied | Europa | DW | 19.09.2022
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Tod von Königin Elizabeth II.

Staatsbegräbnis für die Queen in London: Die Welt nimmt endgültig Abschied

Zum letzten Farewell für Elizabeth II. waren in der britischen Hauptstadt so viele Menschen wie nie zuvor. Auch Milliarden vor den Fernsehern hielten inne. Der Tag der großen Trauer in London.

Mehr als 2000 Staatsgäste nahmen in der Westminster Abbey Abschied von Elizabeth II.

Mehr als 2000 Staatsgäste nahmen in der Westminster Abbey Abschied von Elizabeth II.

Noch bis 6.30 Uhr Montagmorgen (Ortszeit) konnten sich die Menschen von der in der Westminster Hall aufgebahrten Queen verabschieden. In einer kurzen Prozession wurde der Sarg der britischen Königin kurz vor 11 Uhr dann in die benachbarte Kirche Westminster Abbey gebracht. Gezogen wurden der als Lafette bezeichnete Kanonenwagen, auf dem der Sarg transportiert wurde, von 98 Marinesoldaten. Hinter dem Sarg schritten die vier Kinder der Queen, König Charles III., Prinzessin Anne, Prinz Andrew und Prinz Edward sowie die Enkel Prinz William und Prinz Harry. Begleitet wurde der Leichenzug von Dudelsackspiel und Trommelschlägen. 

Angeführt von König Charles III. und Königsgemahlin Camilla geleiteten Mitglieder der britischen Königsfamilie anschließend den Sarg von Königin Elizabeth II. zur Trauerfeier in die Westminster Abbey. Hinter dem von acht Uniformierten getragenen Sarg schritten auch die weiteren Kinder der Queen. Anne und Edward wurden von ihren Partnern begleitet. Dahinter gingen Prinz William und Prinzessin Kate und deren ältere Kinder Prinz George (9) und Prinzessin Charlotte (7). Ihnen folgten Prinz Harry und seine Frau Herzogin Meghan sowie weitere Mitglieder der Royals und des königlichen Haushalts.

In tiefer Trauer: König Charles III und seine Schwester, Prinzessin Anne

In tiefer Trauer: König Charles III und seine Schwester, Prinzessin Anne

Als der Sarg in die Kirche getragen wurde, erhoben sich die etwa 2000 Trauergäste in der Kirche, darunter Hunderte Staats- und Regierungschefs, gekrönte Häupter und Würdenträger aus der ganzen Welt. Höhepunkt des nationalen Trauertages war kurz vor 12 Uhr (13 Uhr MEZ) eine zwei Minuten lange Zeit des Schweigens. Ganz Großbritannien und Nordirland erwiesen in der Stille der verstorbenen Queen die letzte Ehre. Selbst der Himmel schwieg: Starts und Landungen am Flughafen Heathrow wurden eingestellt, damit kein Düsenlärm über London zu hören war.

Nach dem Schweigen wurde in der Westminister Abbey zum Abschluss des Trauergottesdienstes die Nationalhymne gespielt und von vielen im Land mitgesungen. Mit neuem Text: "God save the King!" Der Gottesdienst und der anschließende Leichenzug wurden auf öffentlichen Plätzen im ganzen Königreich auf Videoleinwänden übertragen.

Das Ende wurde minutiös geplant

Die Protokollabteilungen des Buckingham-Palastes und der britischen Regierung hatten die Operation "London Bridge is down" minutiös vorbereitet. Jahrelang wurde an dem Konzept für die zehn Tage zwischen dem Tod der Monarchin und ihrer Beerdigung gearbeitet. Elizabeth II. hatte selbst viele Einzelheiten der Feierlichkeiten festgelegt.

Der Trauerzug auf der Mall, der alten Prachtstraße der britischen Hauptstadt

Der Trauerzug auf der Mall, der alten Prachtstraße der britischen Hauptstadt

Auf ihren Wunsch marschierten Vertreter der 56 Staaten umfassenden Staatengemeinschaft Commonwealth, die große Teile des ehemaligen britischen Weltreiches umfasst, an der Spitze der Trauerprozession nach dem Trauergottesdienst. Dies war die letzte Reise der Queen durch London. Ziel war das nahegelegene Windsor, ihre letzte Ruhestätte. Mit dabei waren auch berittene königlich-kanadische Polizisten. Von den rotberockten "Mounties" hatte die Königin 1969 in Kanada ihr Lieblingspferd "Burmese" geschenkt bekommen.

Hinzu kamen Krankenschwestern und Ärzte des nationalen Gesundheitsdienstes und weitere Repräsentanten von Hilfsdiensten. Am Trauerzug waren Truppen aus Neuseeland, Australien, Kanada und weiteren Staaten beteiligt. Dazu kamen Soldatinnen und Soldaten aus allen Teilen Großbritanniens und Nordirlands. Insgesamt 4000 Truppen und mehrere Militärkapellen wirkten an der Parade mit, die von Westminister Abbey über die Prachtstraße Mall, vorbei am Buckingham Palast bis zum Hydepark ging.

Matrosen ziehen den Sarg der Queen nach dem Trauergottesdienst durch London

Matrosen der Royal Navy ziehen den Sarg der Queen nach dem Trauergottesdienst durch London

Queen wirkte am Drehbuch mit

Tagelang hatten die Sargträger, Dudelsackpfeifer, Truppen in schweren Fellmützen und viele weitere Mitwirkende meist im Morgengrauen ihre Einsätze wie für eine gigantische Opernaufführung geübt. Rund 100 Matrosen der Königlichen Marine hatten eine besondere Aufgabe. Sie - und nicht etwa Pferde - zogen die Kanonenlafette, auf der der Sarg der Königin geschmückt mit der royalen Standarte lag. Bereits der Sarg von Queen Victoria wurde 1901 auf dieser Lafette von Matrosen gezogen. Ihre Ururenkelin Elizabeth hatte darum gebeten, diese etwas skurril anmutende Tradition fortzusetzen.

Immer wieder werden während der Trauerprozession Kanonenschüsse abgefeuert

Immer wieder werden während der Trauerprozession Kanonenschüsse abgefeuert

Hinter dem Sarg schritt die Familie. Vorneweg der neue König Charles III., seine Geschwister, gefolgt von den Enkeln, darunter der neue Thronfolger William und schließlich hochrangige Mitglieder des Hofstaates. Während der Prozession wurden Kanonenschüsse abgefeuert und Big Ben, die größte Glocke im "Elizabeth Tower" des Parlamentsgebäudes, läutete unablässig.

Am Wellington-Tor im Hydepark wurde der Sarg dann in einen gläsernen Leichenwagen umgeladen. Dann ging es zwei Stunden über Landstraßen, nicht über die schnellere Autobahn, nach Windsor Castle. Die Königin hatte sich gewünscht, dass so möglichst viele Menschen an der Strecke ein letztes Adieu sagen konnten.

Ein Leichenwagen brachte den Sarg der Queen vom Wellington-Tor im Hydepark bis zum Schloss Windsor

Ein Leichenwagen brachte den Sarg der Queen vom Wellington-Tor im Hydepark bis zum Schloss Windsor

Insignien der Macht wechseln den Besitzer

Nach der Ankunft des Sargs der britischen Königin Elizabeth II. auf Schloss Windsor fand der Aussegnungsgottesdienst für die Monarchin in der St.-Georges-Kapelle statt. Daran nahmen rund 800 Gäste teil, neben den Royals vor allem Vertreter der Länder, deren Staatsoberhaupt die Queen war. Zudem wurden Krone, Zepter und Reichsapfel vom Sarg genommen. Sie werden nun Charles III., dem neuen König, übergeben. Anschließend wurde der Sarg in die königliche Gruft unter der Kapelle hinuntergelassen. Damit ging der öffentliche Teil des Staatsbegräbnisses zu Ende.

Tausende säumten auch den Long Walk, die Allee zum Schloss Windsor, wo Elizabeth II. ihre letzte Ruhestätte finden wird

Tausende säumten auch den Long Walk, die Allee zum Schloss Windsor, wo Elizabeth II. ihre letzte Ruhestätte finden wird

Am Abend schließlich folgt die Beisetzung in einer kleinen Seitenkapelle der St. George's Chapel. Diese ist so klein, dass nur die engste Familie teilnehmen kann. Die Queen wird neben ihrem 2021 verstorbenen Gatten, Prinz Philip, bestattet. In der Gruft aus schwarzem belgischem Marmor liegen auch die Eltern der Queen und ihre Schwester Margaret.

Der Sarg von Königin Elizabeth wird zum Aussegnungsgottesdienst in die St.-Georges-Kapelle auf Schloss Windsor getragen

Der Sarg von Königin Elizabeth wird zum Aussegnungsgottesdienst in die St.-Georges-Kapelle auf Schloss Windsor getragen

Milliarden Zuschauer am Fernseher

Nur während der privaten Beisetzung am Ende des Tages sind keine Fernsehkameras und Mikrofone zugelassen. Alle anderen Trauerfeierlichkeiten wurden live von hunderten Fernsehstationen und Internetplattformen übertragen. Die BBC schätzt, dass mehrere Milliarden Menschen weltweit einschalteten.

Und noch einen Rekord bricht dieser Montag. Für die Stadt London war es die größte Polizei- und Sicherheitsoperation der Geschichte, teilte die Metropolitan Police mit. Mehrere Hunderttausend Zuschauer entlang der Prozessionstrecke und bis zu drei Millionen Besucher in der Stadt mussten gelenkt werden. Der Verkehr in der Innenstadt stand still. Die Rekordzahl von 500 eingeladenen Staatsgästen musste geschützt und befördert werden. Es waren mehr Polizeikräfte im Einsatz als bei den Olympischen Spielen vor zehn Jahren oder bei der Beerdigung von Prinzessin Diana vor 25 Jahren.

Biden fährt nicht im Bus

Bei der Vorbereitung des Trauergottesdienstes, zu dem Staats- und Regierungschefs aus allen Kontinenten eingeladen worden waren, gab es protokollarischen Ärger. Einige Delegationen beschwerten sich darüber, dass wegen Platzmangels in der Westminster Abbey nur zwei bis drei Plätze pro Land zugewiesen wurden. Arabische Staatschefs sollen sich geweigert haben, mit Bussen von einer nahen Kaserne zur Westminister Abbey gefahren zu werden. Nur einige ausgewählte Gäste, wie US-Präsident Joe Biden, durften mit der eigenen gepanzerten Limousine vorfahren.

Auf der Gästeliste standen natürlich auch Königinnen und Könige aus Europa und zahlreiche Verwandte aus dem europäischen Hochadel. Die neue britische Premierministerin Liz Truss, die beim Gottesdienst eine Lesung gab, wollte die Gelegenheit nutzen, um informelle Gespräche mit Staats- und Regierungschefs zu führen. Die Präsidenten Russlands und von Belarus wurden wegen des Angriffs auf die Ukraine nicht eingeladen.

Dieser Artikel erschien zuerst am 18. September und wird am 19. September im Verlauf des Staatsbegräbnisses aktualisiert.

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