Spahn: Corona bleibt weltweite Gefahr | Europa | DW | 13.02.2020
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Krisensitzung in Brüssel

Spahn: Corona bleibt weltweite Gefahr

Die Corona-Infektionen in der EU sind niedrig. Aus der Epidemie in China könnte immer noch eine weltweite Seuche werden, meint Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im DW-Interview.

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"Erkennung und Eindämmung funktionieren"

In Brüssel haben die Gesundheitsminister der EU in einer Krisensitzung über die Eindämmung des neuartigen Corona-Virus beraten. Konkrete Maßnahmen wurden nicht beschlossen, sondern ein intensiver Informationsaustausch vereinbart. Die Minister waren besorgt über mögliche Lieferengpässe bei Medikamenten und Schutzkleidung, die in China hergestellt werden. Nach der Sitzung sprach Bernd Riegert mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Deutsche Welle: Welche zusätzlichen Maßnahmen müssen Europa und Deutschland ergreifen, um zu verhindern, dass das Corona-Virus zu einer weltweiten Pandemie führt?

Jens Spahn: Wir brauchen zu allererst einen koordinierten Ansatz in Europa und international. Darum bemühen wir uns sehr auf europäischer Ebene, wie heute im Ministerrat, um Koordination. Auf Ebene der G7 (wichtigste Industrienationen der Welt) haben wir miteinander telefoniert. Es ist wichtig, dass wir uns vorbereiten, dass wir tatsächlich verhindern, dass das Virus andere Regionen, abgesehen von China, erreicht und diese genauso beeinträchtigt wie China. Im Moment ist das ja noch eine regionale Epidemie in China. Wir müssen sicherstellen, dass das keine weltweite Pandemie wird. Wenn das passieren sollte, dann müssen wir vorbereitet sein, um neue Therapien und einen Impfstoff zu finden. Wir müssen ständig abgleichen, was wir über das Virus wissen. Jede Woche gibt es neue Erkenntnisse. Wie ansteckend ist es? Wie ernst sind die Erkrankungen? Wir müssen Zeit gewinnen, um mehr zu wissen.

China Coronavirus: Zahl der Infizierten steigt sprunghaft (Getty Images/Str)

Noch eine regionale Epidemie in China: Die EU-Gesundheitsminister wollen eine weltweite Pandemie verhindern helfen

Wollen sie Reisen von und nach China einschränken, wie das zum Beispiel die USA gemacht haben?

In Deutschland haben wir die Piloten angewiesen, vor der Landung mitzuteilen, ob Passagiere mit Symptomen an Bord sind. Passagiere müssen angeben, wo und wie man sie in den kommenden 30 Tagen erreichen kann. Wir müssen vielleicht neue Regeln einführen, um nachzuvollziehen, welche Passagiere mit Menschen aus Wuhan in Kontakt waren. Das haben wir bei diesem Ministerrat diskutiert. Was wir nicht brauchen, ist Fiebermessen bei Passagieren. Wir wissen, dass dies wegen der Inkubationszeit und Infektionen ohne Symptome nicht helfen würde.

Trauen Sie den Zahlen über Infektionen, die Sie vom kommunistischen Regime in China bekommen?

Es muss mehr Infektionsfälle geben als sie in den veröffentlichten Zahlen tatsächlichen angegeben werden. Es wurde zum Beispiel die Definition für eine Infektion geändert. Es werden nur Fälle in die Statistik aufgenommen, wo auch Krankheitssymptome auftreten. Es gibt aber viele Infektionen ohne Symptome. Ich nehme also an, dass es viel mehr Fälle gibt als die Statistik ausweist. Das ist sehr wichtig. Wenn man Todesfälle und Gesamtzahl der Infektionen vergleicht verschiebt das die Relationen.

EU-Ministerrat | Coronavirus | Jens Spahn (DW/L. Schulten)

Gesundheitsminister Spahn im Interview mit Korrespondent Bernd Riegert in Brüssel

China ist in der Lage, sehr drakonische Maßnahmen zu verhängen, ganze Städte stehen still. Wäre die EU in der Lage so etwas anzuordnen, wenn es nötig würde?

Ich muss sagen, ich bin schon beeindruckt, was China alles macht in vielerlei Hinsicht. Wenn wir zum Bespiel einen Ausbruch der Masern in Deutschland haben - und Masern  sind viel ansteckender als das Corona-Virus - dann können wir damit umgehen, ohne ganze Städte unter Quarantäne zu packen.

Wann wird das Schlimmste vorbei sein?

Das ist eine gute Frage. Wenn ich das wüsste! Unser Problem ist, dass wir nicht genug über das Virus wissen. Darum müssen wir so viele Vorsichtsmaßnahmen treffen, um uns vorzubereiten - so lange wir nicht wissen, was das Virus wirklich auslöst und wie viel Schaden es anrichtet. Bisher funktioniert in Europa das Erkennen und Eindämmen des Virus. Wir sind in der Lage, die Infektionsketten zu unterbrechen. Wir müssen aber zugeben, das gilt heute. Es könnte sein, dass es erst noch schlimmer wird, bevor es dann besser wird. So lange das Virus in China nicht unter Kontrolle ist, so lange kann aus der regionalen Epidemie immer noch eine weltweite Pandemie werden.

Jens Spahn (39) ist seit 2018 Bundesgesundheitsminister. Der CDU-Politiker ist einer der möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel. 

Video ansehen 02:28

Coronavirus: Chinas Kampf gegen zu viel Information

 

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