Sorge wegen ″asynchroner Geldpolitik″ | Wirtschaft | DW | 19.04.2015
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Wirtschaft

Sorge wegen "asynchroner Geldpolitik"

Die Weltwirtschaft erholt sich, steht aber noch auf wackeligen Beinen: Die Finanzminister und Notenbankchefs arbeiteten beim IWF-Treffen in Washington eine lange Liste von Gefahren für die Konjunktur ab.

Ja, Griechenland steht ganz oben bei den Krisenthemen und hat auch weite Teile des Frühjahrstreffens von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington dominiert. Nachdrücklich wird in den Abschlusserklärungen aber auch die Gefahren durch niedrige Inflation in entwickelten Volkswirtschaften und durch die unterschiedliche geldpolitische Strategie in Europa und den USA hingewiesen.

"Die weltwirtschaftliche Erholung geht weiter, obwohl das Wachstum mit uneinheitlichen Aussichten moderat bleibt", erklärte der IWF-Lenkungsausschuss (IMFC) im Abschlusspapier der Tagung. Großes Schwanken der Wechselkurse und Rohstoffpreise, hohe Schulden vieler Staaten und geopolitische Spannungen machten "Wachsamkeit" notwendig. Vor allem das geringe Wachstumspotenzial in vielen Ländern sei ein langfristiges Problem.

Wenn die Schulden drücken

Nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erkennen die Top-Wirtschaftsmächte zunehmend die Notwendigkeit solider Staatsfinanzen an. Es werde nicht mehr bestritten, dass eine nachhaltige Finanzpolitik wichtig sei für nachhaltiges Wirtschaftswachstum, sagte er. Es gehe verstärkt um den richtigen Mix aus Geld- und Finanzpolitik sowie Strukturreformen.

Die Finanzminister und Notenbankchefs richteten besorgte Blicke auf die unterschiedliche Geldpolitik in Europa und den USA. Während die Europäische Zentralbank (EZB) in den kommenden Jahren den Markt mit billigem Geld flutet, steht die US-Notenbank (Fed) vor Zinserhöhungen. Diese "asynchrone Geldpolitik" sei konjunkturell zwar angemessen, erfordere aber "vorsichtige Justierung und wirksame Kommunikation", um negative Folgen für die Weltwirtschaft zu vermeiden. "Wir wissen um die Risiken für die Finanzstabilität", heißt es im IMFC-Abschlusspapier.

Wenn der Euro zu locker sitzt

Laut Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wurde auch grundsätzlich über die Risiken der extrem lockeren Geldpolitik diskutiert. Aus Sicht des IWF sei die Geldpolitik an die Grenze dessen gelangt, was sie leisten könne. EZB-Präsident Mario Draghi verteidigte die Flutung der Märkte mit billigem Geld erneut. Die Maßnahmen hätten dazu beigetragen, die Konjunktur in der Eurozone zu beleben. Da das Bankensystem heute gesünder sei, komme das billige Geld besser bei Unternehmen und Verbrauchern an.

Auch die Inflation werde anziehen und 2017 bei 0,8 Prozent liegen. Die EZB hatte im Januar ein mehr als eine Billion Euro schweres Programm zum Kauf von Staatsanleihen gestartet. Zudem liegt der Leitzins auf einem Rekordtief von 0,05 Prozent...

SC/sti (dpa, APE, afp)