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KonflikteLibanon

Sorge um Waffenruhe nach Israels Angriffen auf den Libanon

9. April 2026

UN-Vertreter zeigen sich nach den schweren israelischen Luftangriffen auf Ziele im Libanon entsetzt. Die dortigen Behörden sprechen von insgesamt mehr als 250 Toten und fast 900 Verletzten.

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Libanon Beirut 2026 | Ein Mann vor Trümmern, dahinter die Ruine eines mehrstöckigen Gebäudes (09.04.2026)
Der libanesische Zivilschutz sucht in den Trümmern des Gebäudes in Beirut nach weiteren Opfern Bild: Hussein Malla/AP Photo/dpa/picture alliance

Die massiven israelischen Angriffe im Libanon gefährden nach den Worten von UN-Generalsekretär António Guterres die seit der Nacht zum Mittwoch geltende Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Guterres rief laut seinem Sprecher Stéphane Dujarric alle Kriegsparteien dazu auf, sämtliche Attacken unverzüglich einzustellen. Es gebe keine militärische Lösung für den Konflikt.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen wies darauf hin, bei den israelischen Luftangriffen seien "Hunderte Zivilisten, darunter Kinder, getötet oder verletzt" worden. Zivile Infrastruktur sei beschädigt worden. Man sei zutiefst beunruhigt über die steigende Zahl ziviler Opfer.

Libanon Sidon 2026 | Zerstörte Fahrzeuge inmitten von Trümmern, dahinter Häuserruinen (08.04.2026)
Zerstörung nach einem israelischen Luftangriff auch in einem Wohngebiet der südlibanesischen Stadt Sidon Bild: Abdul Kader Al Bay/ZUMA/picture alliance

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, sagte, das Ausmaß der Tötungen und Zerstörungen im Libanon sei "schlichtweg entsetzlich". Die Angriffe setzten "den fragilen Frieden, den die Zivilbevölkerung so dringend braucht, enorm unter Druck", so der österreichische Diplomat weiter. Die internationale Gemeinschaft müsse rasch handeln.

Israel und USA: Libanon gehört nicht zur Waffenruhe-Abmachung

Nach Angaben der israelischen Regierung ist der Libanon von der zweiwöchigen Waffenruhe-Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran ausgenommen. US-Präsident Donald Trump und sein Vize JD Vance bestätigten dies am Mittwoch. Anders wird das in Teheran und beim Vermittler Pakistan gesehen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron drängte dazu, den Libanon in die Feuerpause einzubeziehen. Ähnlich äußerte sich Großbritanniens Außenministerin Yvette Cooper. 

Israels Militär hatte in einem Großangriff am Mittwoch zahlreiche Ziele im Libanon bombardiert, darunter auch in Beirut. Die Hauptstadt erlebte die heftigsten Angriffe seit dem Beginn des Kriegs zwischen Israel und der vom Iran finanzierten Hisbollah-Miliz. Die Miliz wird von Deutschland, den USA und mehreren sunnitischen arabischen Staaten als Terrororganisation gelistet.

Israel Jerusalem 2026 | Benjamin Netanjahu (19.03.2026)
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu lässt die Armee weiter mit großer Härte gegen mutmaßliche Hisbollah-Ziele im Libanon vorgehen Bild: Ronen Zvulun/REUTERS/AP Photo/dpa/picture alliance

Korrespondenten berichteten von zahlreichen eingestürzten Wohngebäuden im Libanon. In der Nacht zum Donnerstag gab es weitere israelische Luftangriffe auf das nördliche Nachbarland. Nach jüngsten Angaben der dortigen Behörden wurden bislang mehr als 250 Menschen getötet. Außerdem gebe es fast 900 Verletzte. Unter den Opfern seien zahlreiche Zivilisten, darunter Kinder.

Das israelische Militär teilte mit, Ziele seien Kommandeure und militärische Infrastruktur der Hisbollah gewesen. Bei einem Angriff wurde laut Armee auch der Neffe des Hisbollah-Chefs Naim Kassim getötet.

Die Schiiten-Miliz beschoss nach eigenen Angaben als Reaktion in der vergangenen Nacht den Kibbuz Manara im Norden Israels. Die Gegenangriffe würden solange fortgesetzt, bis die "isralisch-amerikanische Aggression" aufhöre, heißt es in einer Erklärung der Hisbollah.

Iran zweifelt an Sinnhaftigkeit der Verhandlungen mit den USA

Indessen stellt der Iran die vereinbarte Feuerpause grundsätzlich infrage. Die USA müssten sich entscheiden - "entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Sie können nicht beides haben", machte Außenminister Abbas Araghtschi deutlich.

Der iranische Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf warf der US-Regierung mit Blick auf den Libanon vor, noch vor Beginn der Verhandlungen über ein Friedensabkommen Zusagen gebrochen zu haben. Auch Irans Präsident Massud Peseschkian bezeichnete die israelischen Angriffe in einem Telefonat mit dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif als unvereinbar mit der Waffenruhe-Abmachung.

Iran Teheran 2026 | Massud Peseschkian (19.02.2026)
Irans Präsident Massud Peseschkian (Archivbild)Bild: Iranian Presidency/ZUMA/IMAGO

Am Freitag sollen eigentlich in Islamabad Gespräche über ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran aufgenommen werden. Hierzu werden Delegationen aus beiden Ländern in der pakistanischen Hauptstadt erwartet.

Trump droht dem Iran ein weiteres Mal mit martialischen Worten

US-Präsident Trump drohte der iranischen Führung mit neuer militärischer Eskalation, falls es kein umfassendes Abkommen geben sollte. Auf seiner Onlineplattform Truth Social erklärt er, Schiffe, Flugzeuge und Soldaten des US-Militärs würden - gegebenenfalls auch mit zusätzlicher Ausrüstung - rund um den Iran stationiert bleiben, bis das "erzielte WIRKLICHE ABKOMMEN vollständig eingehalten wird". Es werde alles bereitgehalten, was für die "tödliche Verfolgung und Vernichtung" eines bereits geschwächten Gegners notwendig sei, so Trump weiter.

USA Washington D.C. 2026 | Donald Trump bei einer Pressekonferenz zum Iran (06.04.2026)
US-Präsident Trump: Zu den Verhandlungen in Pakistan schickt er vermutlich auch seinen Vize JD VanceBild: Anna Moneymaker/Getty Images/AFP

Unklar ist derzeit auch, wann der Iran die de facto blockierte Straße von Hormus wieder freigibt. Über die Wasserstraße am Persischen Golf erfolgt in Friedenszeiten täglich etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gastransporte.

In einer vom iranischen Staatssender IRIB verbreiteten Mitteilung der Hafenbehörde heißt es, wegen Minengefahr müssten Schiffe sich mit den Revolutionsgarden - der Elitestreitmacht des Landes - abstimmen und ausgewiesene Ausweichrouten benutzen. Am Mittwochabend hatte die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtet, der Iran habe den Schiffsverkehr durch die Meerenge nach den Angriffen auf den Libanon aus Protest wieder eingestellt. Nur zwei Öltanker hätten die Wasserstraße seit Beginn der Waffenruhe passiert.

se/AR/jj (dpa, afp, rtr, ap, ARD)

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