Separatisten erobern Regierungssitz des Jemen | Aktuell Nahost | DW | 30.01.2018
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Jemen

Separatisten erobern Regierungssitz des Jemen

Südjemenitische Separatisten haben offenbar den provisorischen Regierungssitz des Jemen, die Hafenstadt Aden, erobert. Der Präsidentenpalast soll umstellt sein. 

Bodyguard eines Separatistenführers in Aden (Reuters/F. Salman)

Bodyguard eines Separatistenführers in Aden

Die Offensive südjemenitischer Separatisten bringt die jemenitische Regierung in immer größere Bedrängnis. Die Rebellen umzingelten den Präsidentenpalast in der Interimshauptstadt Aden, wie ein hochrangiger Militärvertreter sagte. "Sie kontrollieren nun den Hauptzugang, und die Menschen drinnen sind de facto unter Hausarrest", sagte der Militärvertreter. Rebellenkommandeur Saleh al-Sejjad sagte, seine Kräfte hätten die Präsidentengarde in Aden unter ihre Kontrolle gebracht.

Die südjemenitische Hafenstadt Aden ist der provisorische Sitz der Regierung des international anerkannten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. Hadi selbst hält sich in Saudi-Arabien auf. Die Kämpfe zwischen seinen Truppen und den südjemenitischen Separatisten waren am Sonntag eskaliert, nach Angaben des Roten Kreuzes starben dabei seitdem mindestens 36 Menschen. 

Mit rund einer halben Million Einwohnern ist Aden die viertgrößte Stadt des Jemen (Reuters/F. Salman)

Mit rund einer halben Million Einwohnern ist Aden die viertgrößte Stadt des Jemen

Bei einem Anschlag auf einen Kontrollpunkt der jemenitischen Regierung in der südlichen Provinz Schabwa wurden unterdessen mindestens 15 Soldaten getötet. Fünf weitere Personen seien durch den Selbstmordangriff mit einem sprengstoffbeladenen Auto verletzt worden, berichteten Sicherheitskreise. Demnach gehörten die Sicherheitskräfte zu Spezialeinheiten, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) trainiert worden seien. Die VAE sind Teil einer saudisch geführten Militärkoalition, die die international anerkannte Regierung des Landes unterstützt und Stellungen der Huthi-Rebellen aus der Luft bombardiert.

Die Kämpfe in Aden fügen dem ohnehin schon verfahrenen Bürgerkrieg im Jemen eine neue Dimension hinzu. In dem arabischen Land kämpfen schiitische Huthi-Rebellen seit Jahren gegen die Regierung von Präsident Hadi. Die Frontstellung in dem Konflikt in Aden ist eine andere: Hier kämpfen die Truppen des Präsidenten gegen Separatisten, die eine Rückkehr zu einem unabhängigen Staat Südjemen anstreben, wie er bereits vor der jemenitischen Vereinigung 1990 bestanden hatte.

Präsident Hadi floh 2015 nach Saudi-Arabien, wo er seither residiert (Reuters/F. Al Nasser)

Präsident Hadi floh 2015 nach Saudi-Arabien, wo er seither residiert

Hadi hatte Aden als Hauptquartier seiner Regierung ausgewählt, nachdem ihn die Huthi-Rebellen 2014 aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben hatten. Die Separatisten unterstützten die sunnitischen Hadi-Einheiten zeitweise gegen die Huthi-Rebellen.

Der Südjemen blickt auf eine eigene historische Tradition zurück: Nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft wurde das Land 1967 eine unabhängige, marxistisch orientierte Volksrepublik mit der Hauptstadt Aden. Der Nordjemen war bereits seit 1918 ein unabhängiger, muslimisch-konservativer Staat mit Hauptstadt Sanaa, der aus dem Osmanischen Reich hervorgegangen war. 1990 vereinigten sich beide Staaten, wobei der Nordjemen die dominierende Kraft war.

stu/sam (afp, dpa)
 

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