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ArchitekturSenegal

Senegal: Neues Goethe-Institut in Dakar eröffnet

Susanne Lenz-Gleissner
21. April 2026

Das neue Goethe-Institut in Dakar setzt auf nachhaltige Architektur aus Lehm. Am 18. April wurde es feierlich von der Präsidentin des Goethe-Instituts Prof. Dr. Gesche Jost eröffnet.

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Ein Gebäude aus verzierten Lehmziegeln wird nachts angestrahlt, im Vordergrund sitzt das Publikum.
Die Eröffnungsfeier des Goethe-Instituts in DakarBild: Willie Schumann

Vor dem imposanten Baobab-Baum hatten sich mehr als 250 geladene Gäste aus Deutschland und dem Senegal versammelt, um das zukunftsweisende Gebäude feierlich einzuweihen. In Dakar entstand, so Präsidentin des Goethe-Instituts Gesche Joost, „nun erstmals auf afrikanischem Boden ein Haus, das eigens für den kulturellen Dialog des Goethe-Instituts entworfen wurde.“

Eine Frau steht an einem Pult mit buntem Muster und spricht in ein Mikrofon. Hinter ihr ein Mann, der ebenfalls ein Mikrofon in der Hand hält.
Gesche Joost am EröffnungsabendBild: Willie Schumann

Seit fast fünfzig Jahren ist das Goethe-Institut im Senegal aktiv. Serap Güler, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, betont in ihrer Festrede, dass Deutschland als stabiler und verlässlicher Partner an der Seite Senegals stehe. “Mit dem Neubau des Goethe-Instituts fügen wir dem Buch der engen und vertrauensvollen Beziehungen unserer beiden Länder ein weiteres Kapitel hinzu“, so Serap Güler.

Francis Kéré: Nachhaltigkeit als Haltung

Das neue Goethe‑Institut Dakar ist weit mehr als ein Zentrum zur Vermittlung der deutschen Sprache. Rund um einen alten Baobab‑Baum angelegt, schafft es einen offenen Ort für Musik und Kunst, Bildung und Austausch. Einen Ort, der Respekt für lokale Traditionen und Mut für globale Visionen signalisiert.

Zwei Musiker spielen auf traditionellen Saiteninstrumenten.
Musikalisch wurde der Abend von traditioneller Kora-Musik begleitetBild: Willie Schumann

Seit 1978 gibt es ein Goethe-Institut in der Hauptstadt des Senegals. Der neue nachhaltige Gebäudekomplex wird von den Vereinten Nationen unterstützt.

Vor sieben Jahren zeichnete der renommierte Architekt Francis Kéré auf einem staubigen Sandplatz seine ersten Entwürfe in seinen Notizblock. Der international renommierte Architekt aus Burkina Faso, erster Schwarzer Preisträger des Pritzker‑Preises (2022) und zudem ausgezeichnet mit dem japanischen Praemium Imperiale, wollte ein Gebäude schaffen, das moderne Architektur mit afrikanischer Baukultur verbindet.

Dabei sollte ein jahrtausendealter Baustoff verwendet werden, der Hitze abhält und kühle Räume schafft: Lehm. Aus der roten Erde Senegals wurden mit einer minimalen Zementbeimischung Ziegel gepresst.

Bauarbeiter arbeitet an einer Mauer aus Ziegelsteinen
Gepresste Lehmziegel sorgen für gutes KlimaBild: Willie Schumann

Luftige Architektur aus Lehm

Ganz bewusst setzt Francis Kéré auf den Baustoff Lehm und hat dabei die Eigenschaften des Lehms modifiziert und gleichmäßige Lehmsteine herstellen lassen. Erde gelte nach wie vor als Baustoff der armen Leute, erklärt Kéré währende der Eröffnungsfeierlichkeiten im Interview mit der DW. "Und dass eine Institution sagt: in einer Hauptstadt inmitten von Afrika, im Senegal, bauen wir ein Zentrum aus Erde – das ist sehr mutig. Und das wird meiner Meinung nach ein Katalysator für den Baustoff Lehm werden."

Bioklimatisches Bauen im Herzen von Dakar

Die Architektur fügt sich harmonisch in ihre Umgebung ein - mit verschatteten Fassaden, offenen Übergängen und natürlicher Belüftung. Lediglich einige tragende Elemente wurden mit Stahlbeton errichtet.

Francis Kéré steht vor einem Rednerpult
Stararchitekt Francis Kéré kommt aus Burkina Faso. In Berlin hat er studiertBild: Willie Schumann

Die Bauleitung übernahm das Architekturbüro Worofila aus Dakar, gegründet von Nzinga Mboup und Nicolas Rondet. Ihr Büro ist spezialisiert auf bioklimatische Architektur, die auf passive Kühlung, Querlüftung und lokale Materialien setzt. Innenhöfe sorgen für Luftzirkulation, die massiven Lehmwände speichern Kühle und geben sie in der Hitze langsam wieder ab - ein bewährtes Prinzip traditioneller Bauweisen in der Sahelregion. 

"Ich spüre hier die Brise des Ozeans", erklärt Nzinga Mboup, Architektin bei Worofila. "Die Lehmbauweise hat etwas sehr wesentliches, kraftvolles, das den Körper wieder mit der Materie verbindet. Man muss das nicht erklären, man muss es selbst erleben."

Nzinga Mboup mit Helm zeigt auf die Lehmwände im Gebäude
Architektin Nzinga Mboup sorgt für die richtige LuftzirkulationBild: Willie Schumann

Signalwirkung über Senegal hinaus

Mit seinem neuen Gebäude rückt das Goethe‑Institut Lehmarchitektur international in ein neues Licht. Das Projekt zeigt, dass nachhaltiges Bauen im großen Maßstab auch unter komplexen globalen Bedingungen möglich ist.

Dakar gehört zu den am schnellsten wachsenden Metropolen Afrikas. Mit diesem Wachstum steigen auch die Herausforderungen: Wohnraummangel, Hitze sowie steigende CO₂‑Emissionen durch Betonbauten, die häufig mit Klimaanlagen ausgestattet sind, die viel Energie verbrauchen.


Nahaufnahme der Außenfassade des neuen Goethe-Instituts
Lehm als ökologischer Baustoff der ZukunftBild: Willie Schumann

Mittlerweile setzt eine ganze Generation von Architektinnen und Architekten auf Lehm als Baustoff der Zukunft. Das neue Goethe-Institut in Dakar ist ein Modell für nachhaltiges Bauen. Die urbane Zukunft der Welt, so die Botschaft dieses Hauses, könnte dort beginnen, wo uraltes Wissen, moderne Technologie und gesellschaftliche Verantwortung zusammentreffen - in der roten Erde Afrikas.

Das Goethe-Institut Senegal betreut auch die Regionen Gambia, Kap Verde und Guinea-Bissau.

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