Selenskyjs Stabschef gibt polnischen Orden zurück
20. Juni 2026
Polens Konflikt mit der Ukraine über das Militärgedenken des Nachbarlandes eskaliert weiter. Kyrylo Budanow, der Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, teilte mit, er gebe aus Protest einen polnischen Orden zurück. Mit dem Verzicht auf das ihm 2025 verliehene Goldene Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen reagiere er auf die jüngste Maßnahme des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki. Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hat die Rückgabe einer Auszeichnung angekündigt.
Nawrocki hatte am Freitag erklärt, er entziehe Selenskyj die höchste Auszeichnung Polens, den Orden des Weißen Adlers. Die ukrainische Regierung verurteilte den Schritt umgehend als "strategischen Fehler" und "respektlos".
Diplomatischer Eklat wegen UPA-Ehrung
Anlass des Disputs: Selenskyj hatte Ende Mai einen diplomatischen Eklat mit Polen ausgelöst, weil er einer ukrainischen Armee-Einheit den Beinamen "Helden der UPA" verlieh. Die Regierung in Kyjiw ehrt das Andenken an die Kämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA), weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die Sowjetherrschaft leisteten. Während des Krieges hatten UPA-Kämpfer aber auch Massaker an Zehntausenden Polen und Juden in der heutigen Westukraine verübt.
Den Orden des Weißen Adlers hatte Selenskyj 2023 von Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda verliehen bekommen. Angesichts der russischen Aggression wollte Duda mit der Ehrung seines Kyjiwer Kollegen, die Freundschaft zwischen Polen und der Ukraine unterstreichen.
Selenskyjs Stabschef Budanow bezeichnet die Aberkennung des Ordens durch Nawrocki als ein Geschenk an Russland. Polens rechtsnationaler Präsident setzte sich mit seiner Entscheidung über den Willen von Regierungschef Donald Tusk hinweg. Dieser hatte die Benennung der Armeeeinheit als "schlechte Entscheidung" bezeichnet, den Präsidenten jedoch gebeten, den Streit nicht eskalieren zu lassen.
Nun rief Tusk Nawrocki und Selenskyj zur Mäßigung auf. Der Konflikt zwischen Polen und der Ukraine freue Russlands Präsidenten Wladimir Putin und "schockiert unsere Verbündeten", ließ Tusk verlauten. Der Streit eskaliert knapp eine Woche vor einer Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine in der polnischen Ostseemetropole Danzig, an der auch Deutschlands Kanzler Friedrich Merz teilnehmen will.
Erläuterungen per Videobotschaft
Karol Nawrocki, der der nationalkonservativen Oppositionspartei PiS nahe steht, vertritt seit seinem Amtsantritt 2025 eine kritische Position gegenüber der Ukraine. Er stellt sich gegen einen Beitritt des Nachbarlands zur Europäischen Union und zur NATO. Nawrocki blockierte zudem ein Gesetz zur Verlängerung von Fördermaßnahmen für ukrainische Geflüchtete. Trotz mehrfacher Einladungen hat er Kyjiw bislang nie besucht.
Sein Schritt richte sich nicht gegen die Bevölkerung der Ukraine und bedeute "keine Änderung in der strategischen Orientierung der polnischen Sicherheitspolitik", betonte Nawrocki am Freitagabend in einer Videobotschaft. "Für die überwältigende Mehrheit der Polen" bleibe die nationalistische UPA aber "eine Einheit, die für brutale Verbrechen verantwortlich ist, die während des Zweiten Weltkriegs an Bürgern der Republik Polen begangen wurden".
Polen gehört bislang zu den wichtigsten militärischen und humanitären Unterstützern der Ukraine im Verteidigungskrieg gegen Russland. Das Land hat hunderttausende ukrainische Geflüchtete aufgenommen und dient als logistische Drehscheibe für westliche Hilfe an die Ukraine.
AR/pg (rtr, dpa, afp)
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