Schuss in den Kopf: Jemenitischer Ex-Präsident Saleh getötet | Aktuell Welt | DW | 04.12.2017
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Jemen

Schuss in den Kopf: Jemenitischer Ex-Präsident Saleh getötet

Mehr als drei Jahrzehnte bestimmte Ali Abdullah Saleh die Politik Jemens. Auch nach seinem Sturz 2012 folgten ihm große Teile der Armee. Jetzt töteten ihn Huthi-Kämpfer, mit denen er lange verbündet war.

Nur wenige Tage nach seinem überraschenden Kurswechsel in Jemens Bürgerkrieg ist Ex-Langzeitherrscher Ali Abdullah Saleh (Artikelfoto) von seinen früheren Verbündeten getötet worden. Aus Salehs Partei hieß es, nahe der Hauptstadt Sanaa habe eine Kugel der schiitischen Huthi-Milizionäre den Kopf des früheren Präsidenten getroffen. Die Führung der vom Iran unterstützten Huthis kommentierte, mit dem Tod Salehs sei die größte Verschwörung gegen den Jemen vereitelt worden. Die Rebellen hatten dem Ex-Präsidenten "Hochverrat" vorgeworfen.  

Der 75-Jährige hatte als Präsident über mehr als drei Jahrzehnte die Politik des bettelarmen Landes bestimmt. Im Bürgerkrieg war er ein wichtiger Machtfaktor. 2012 war er im Zuge der Aufstände in der arabischen Welt nach Massenprotesten und monatelangen Machtkämpfen gestürzt worden. Trotzdem blieb Saleh einer der einflussreichsten Politiker des Landes. Große Teile der Armee leisteten ihm weiter Gefolgschaft.

Freunde und Feinde 

In den vergangenen Jahren gingen Saleh und seine Anhänger an der Seite der schiitischen Huthi-Rebellen gegen die international anerkannte Regierung vor. Die Koalition war um so bemerkenswerter, weil Saleh und Huthi-Chef Abdul Malik al-Huthi einst tief verfeindet waren und Saleh als Präsident gegen die Huthis gekämpft hatte. Doch die Zweckallianz konnte seit 2014 große Teile des Landes unter Kontrolle bringen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Der international anerkannte Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi floh ins Exil nach Saudi-Arabien.

Offener Bruch

Mehrfach aber gab es Berichte über Spannungen zwischen den Huthis und Saleh. Vor einigen Tagen brachen dann Kämpfe zwischen den bisherigen Verbündeten offen aus. Saleh zeigte sich am Samstag schließlich sogar offen für Gespräche mit der Regierung und mit Saudi-Arabien. Er wolle "eine neue Seite" in dem Konflikt aufschlagen, erklärte er.

Jemen Ali Abdullah Saleh (picture alliance /dpa/H. Al-Ansi)

Mehr als 30 Jahre an der Staatsspitze und ein wichtiger Faktor im Bürgerkrieg: Machtpolitiker Saleh hier bei einem Auftritt in Sanaa im August 2017

Darin sahen Beobachter schon eine mögliche Wende in dem rund dreijährigen Bürgerkrieg. Dieser hat Auswirkungen auf die gesamte Region, weil er sich vor langem in einen Stellvertreterkonflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und seinem schiitischen Erzrivalen Iran verwandelt hat. Ein von den Saudis angeführtes Bündnis bombardiert seit bald mehr als zwei Jahren Huthi-Stellungen aus der Luft. Riad geht es darum, den Einfluss des Iran zurückzudrängen, der die Rebellen unterstützt.

Nicht zuletzt die Militärintervention hat im Jemen eine der weltweit schlimmsten humanitären Katastrophen verursacht. Mehr als 20 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, weil Wasser und Nahrung fehlen. Im Land grassiert eine Cholera-Epidemie. Wegen einer Blockade des saudischen Bündnisses kommt jedoch zu wenig Hilfe ins Land.

Neue Phase?

Der politische Machtkampf im Jemen trete nun in eine neue Phase, schrieb auf Twitter Jane Kinninmont, die Expertin der Londoner Denkfabrik Chatham House. "Der Verlust von Salehs Führerschaft und Finanzen könnte die Huthis abhängiger vom Iran machen." Jemens Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman twitterte, Saleh habe ein "tragisches Ende" genommen, das "wir ihm bei der friedlichen Revolution so niemals gewünscht hatten, aber 'Du erntest, was du säst'."

SC/cr (dpa, rtre, afp)