Schon wieder Dopingverdacht bei der Tour de France | Aktuell Europa | DW | 21.09.2020
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Radsport

Schon wieder Dopingverdacht bei der Tour de France

Nur einen Tag nach Ende der Tour de France rückt erneut ein Dauerproblem des professionellen Radsport ins Blickfeld. Der weltberühmten Frankreich-Rundfahrt droht ein neuer Dopingskandal.

Die 107. Tour de France ist gerade erst zu Ende, da bestätigt die Staatsanwaltschaft in Marseille der Nachrichtenagentur AFP, dass sie eine vorläufige Untersuchung wegen Dopings aufgenommen hat. Namen wurden zunächst nicht genannt, die Sportzeitung "L'Equipe" und das "Journal du Dimanche" waren sich aber bereits recht sicher: Im Fokus steht das Team Arkea-Samsic und Dayer Quintana, Bruder des kolumbianischen Radstars Nairo Quintana, der ebenfalls für die Franzosen fährt.

Die Staatsanwältin Dominique Laurens sprach gegenüber AFP von einem insgesamt "kleinen Teil" des betroffenen Rennstalls. Zwei Personen befanden sich demnach am Montagabend in Polizeigewahrsam - bei ihnen seien "viele Gesundheitsprodukte und Medikamente gefunden worden", darunter insbesondere eine "Methode, die man als Doping bezeichnen könnte".

Ermittelt werde wegen der Verschreibung einer verbotenen Substanz sowie der Anstiftung zu der Einnahme eben dieser Substanz. Die Zeitung "Le Parisien" schreibt, es handele sich bei den beiden Personen in Gewahrsam um einen Teamarzt und einen Physiotherapeuten.

Frankreich Tour de France Dopingskandal (Panoramic International/imago images)

Das Team Arkea-Samic zu Beginn der 17. Etappe der diesjährigen Rundfahrt

Ermittlungen nicht direkt gegen das Team?

Emmanuel Hubert, General-Manager des Rennstalls Arkea-Samsic, bestätigte am Abend auf AFP-Anfrage lediglich laufende Ermittlungen. Die Untersuchungen beträfen demnach "nur eine sehr begrenzte Zahl an Sportlern sowie deren Begleitpersonen, die nicht beim Team angestellt sind". Die Ermittlungen richteten sich damit nicht direkt gegen das Team. Sollten nun "inakzeptable" Dopingpraktiken aufgedeckt werden, so Hubert, werde Arkea-Samsic unverzüglich Konsequenzen ziehen.

Das Team mit Sitz in Rennes war in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und hatte sich spätestens mit den Verpflichtungen von Nairo Quintana und zuvor bereits mit dem Franzosen Warren Barguil ambitioniert gezeigt. Arkea-Samsic setzte die Tour nach der Razzia am Mittwoch fort. Am Sonntag erreichte das Feld Paris, der Kolumbianer Nairo Quintana landete mit mehr als einer Stunde Rückstand auf Sieger Tadej Pogacar auf Gesamtrang 17, Barguil holte den 14. Rang.

Bisher keine Indizien für Doping

Bei der diesjährigen Tour hatte es bislang keine Hinweise zu möglichen Dopingvergehen gegeben - allerdings einige erstaunliche Auftritte. Auch Sieger Tadej Pogacar und sein slowenischer Landsmann Primoz Roglic auf Rang zwei wurden allein wegen ihrer Leistungen kritisch beäugt, konkrete Verdachtsmomente fehlen aber.

Doch erstaunliche Leistungen hinterlassen im Radsport mittlerweile grundsätzlich ein ungutes Gefühl, und vor dem Hintergrund der Corona-Krise galt das besonders: Aufgrund dieser seien zwischen Januar und Ende August nur halb so viele Tests wie im Vorjahreszeitraum durchgeführt worden, teilte die Anti-Doping-Kommission des Radsports (CADF) mit. Das Normalniveau sei erst kürzlich wieder erreicht worden.

Roglics Tophelfer Tom Dumoulin klagte daher schon vor der Tour, er sei "seit Monaten nicht mehr getestet worden", auch Romain Bardet ("es ist eine Ewigkeit her") und schon im April Thibaut Pinot ("seit Oktober 2019 kein Test") äußerten Sorge. Bardets Teamkollege Nans Peters fragte gar: "Haben Betrüger im Moment freie Hand?"

kle/AL (sid, afpe, rtre)

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