Tour de France: Youngster Tadej Pogacar fängt Primoz Roglic noch ab | Sport | DW | 19.09.2020
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Tour de France

Tour de France: Youngster Tadej Pogacar fängt Primoz Roglic noch ab

Sensation auf der vorletzten Etappe der Tour de France. Beim Bergzeitfahren siegt Tadej Pogacar und fährt nun im Gelben Trikot nach Paris. Dort wird er wohl zum ersten slowenischen Gesamtsieger gekürt.

Alles war bereitet für den ersten Tour-de-France-Sieg von Primoz Roglic. Der Slowene war mit 57 Sekunden Vorsprung in die vorletzte Etappe dieser Rundfahrt gegangen, die wie für ihn designed schien: erst 30 Kilometer lang flach, dann ein immer steiler werdender Anstieg über knapp sechs Kilometer hinauf auf die Planche des Belles Filles in den Vogesen. Als starker Zeit- und auch Bergfahrer sollte ihm das Gelbe Trikot nicht mehr zu nehmen sein.

Doch dann kam alles anders: Von Anfang an machte der erst 21-jährige Gesamtzweite Tadej Pogacar Druck, kämpfte sich Sekunden um Sekunde an seinen zwei Minuten nach ihm gestarteten Landsmann heran. Bei Halbzeit der Strecke blieb Roglic noch eine halbe Minute Vorsprung, als die beiden slowenischen Radstars am Fuß der Steigung ihre Zeitfahrmaschinen gegen leichtere, bequemere Straßenräder tauschten, hatte Pogacar den Rückstand schon fast egalisiert. Und dann brannte der 21-Jährige bergauf ein wahres Feuerwerk ab. "Ich habe immer über den Funk gut zugehört. Im Anstieg hat man mir aber nichts mehr gesagt, ich wusste nichts", sagte Pogacar nach der Zieldurchfahrt und freute sich, dass sein Plan und der seines Rennstalls aufgegangen war. "Ich kannte den Anstieg sehr gut und bin dann einfach nur Vollgas gefahren."

Pogacar: "Ein großer Traum"

Am Ende hatte der Profi vom Team UAE Emirates fast zwei Minuten auf Roglic herausgefahren, der am Berg angesichts der schwindenden Führung fast verkrampft wirkte: unrund sein sonst so eleganter Tritt, auf dem Rad wackelnd, viel öfter als sonst musste er aus dem Sattel gehen. Geschlagen fuhr Roglic als Tages-Fünfter über die Ziellinie, eine herbe Niederlage für ihn und sein Team Jumbo Visma. Nicht einmal der Etappensieg blieb der am besten besetzten Mannschaft dieser Tour de France. Denn Pogacar hatte auch den lange führenden Tom Dumoulin aus den Niederlanden noch abgefangen.

Tour de France 2020 - 20. Etappe | Primoz Roglic (Christophe Ena/Reuters)

Die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben - Primoz Roglic fährt geschlagen ins Ziel des Bergzeitfahrens

"Ich glaube, ich träume, ich weiß nicht, was ich sagen soll, einfach unglaublich", sagte ein sichtlich gerührter Pogacar auf dem "heißen Stuhl" des Tagessiegers. Dann verschlug es ihm die Sprache. Die kam erst zurück, nachdem ihn sein großer Konkurrent Roglic enttäuscht in die Arme genommen hatte: "Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft. Ein großer Traum vom Start weg. Und wir haben es tatsächlich geschafft", freute sich Pogacar, der sich bei der Siegerehrung am Sonntag in Paris nicht nur das Gelbe Trikot für den Gesamtsieg überstreifen darf, sondern auch das weiße Jersey des besten Jungprofis und das gepunktete Hemd des stärksten Bergfahrers.

Der Tour-Sieg ist so gut wie sicher

Rang drei sicherte sich - sowohl im Tagesergebnis als auch in der Gesamtwertung - der Australier Richie Porte. Für den Platz auf dem Tour-Podium ließ er sich sogar die Geburt seines Kindes entgehen, wie er nach der Etappe im TV-Interview gestand. Sein Rückstand beträgt vor dem großen Finale mit Ziel in Paris dreieinhalb Minuten. Als bester Deutscher belegte Maximilian Schachmann vom Bora-hansgrohe-Team den 17. Platz im Einzelzeitfahren. In der Gesamtwertung ist sein Mannschaftskollege Lennard Kämna als 34. bester Deutscher.

Auf der "Tour d'Honneur", am letzten Tag der Frankreichrundfahrt, wird das Gelbe Trikot traditionell nicht mehr angegriffen. Deshalb steht der Gesamtsieg von Pogacar so gut wie fest. Nur noch ein Sturz oder eine Erkrankung können seinen großen Erfolg noch verhindern. Auf den Champs Elyseés in Paris werden dann die Sprinter im Mittelpunkt stehen, doch auf für sie geht es eigentlich "nur noch" um den Etappensieg - wenn auch um einen der prestigeträchtigsten im Radsport. Das Grüne Trikot des Punktbesten wird so gut wie sicher beim Iren Sam Bennett bleiben.

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