Rohingya-Rückkehr ist ″zu gefährlich″ | Aktuell Asien | DW | 09.11.2018
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Menschenrechte

Rohingya-Rückkehr ist "zu gefährlich"

Eigentlich wäre es eine gute Nachricht: die muslimischen Rohingya-Flüchtlinge sollen nach Myanmar zurückkehren können. Doch mehr als 40 Hilfswerke schlagen Alarm: Wer garantiert für Leib und Leben der Heimkehrer?

Nurul Amin hat vor und während seiner Flucht von Myanmar nach Bangladesch viel Furchtbares erlebt. Doch so viel Angst wie jetzt hatte der muslimische Rohingya noch nie: "Ich kann nachts kaum schlafen, aus Angst, gewaltsam zurückgeschickt zu werden", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Seitdem ich gehört habe, dass mein Name auf der Liste steht, kann ich nicht einmal mehr essen."

Der 35-Jährige, der mit Frau, Schwester und vier Töchtern im Flüchtlingslager Jamtoli im Südosten Bangladeschs haust, soll mit rund 2000 weiteren Rohingya-Flüchtlingen auf einer Liste stehen, die Beamte aus Bangladesch angefertigt hatten. Obwohl es heißt, dass niemand gegen seinen Willen zurückzukehren müsse, ist die Liste noch nicht offiziell verbreitet worden. Zu groß ist die Sorge, unter den 52.000 Flüchtlingen in dem Lager könne eine Panik ausbrechen.

"Anhaltende Verfolgung"

Hilfsorganisationen lehnen eine Rückführung von Rohingya-Flüchtlingen aus Bangladesch nach Myanmar zum jetzigen Zeitpunkt ab. Eine Rückkehr sei für die muslimische Volksgruppe "zu gefährlich", heißt es in einer Erklärung von 42 Organisationen. Zunächst müsse Myanmar den Geflüchteten die Staatsbürgerschaft sowie Reisefreiheit und Sicherheit für Leib und Leben garantieren. Zu den Unterzeichnern gehören Malteser International, Save the Children, World Vision, Oxfam, Terre des Hommes und die Deutsche Welthungerhilfe.

Bangladesh Rohingya Jamtoli Camp (picture-alliance/W. Maye-E)

Mehr als 50.000 Menschen drängen sich im Lager Jamtoli in Bangladesch

UN-Ermittler und Menschenrechtler sprechen von einer anhaltenden Verfolgung der Rohingya in Myanmar. Die Volksgruppe wird seit Jahrzehnten diskriminiert und hat keine Bürgerrechte. Für das arme Bangladesch ist die Aufnahme der Flüchtlinge im Grenzdistrikt Cox's Bazar, wo die meisten unter katastrophalen Bedingungen in Lagern leben, eine enorme Belastung.

Ein Jahr lang geschah - nichts

Die Rückführung der Rohingya war bereits vor einem Jahr zwischen Bangladesch und Myanmar vereinbart worden. Bislang geschah allerdings nichts. Ende Oktober kündigten beide Regierungen an, die Rückführung werde Mitte November beginnen. Seither macht sich in den Flüchtlingslagern Unruhe breit. Experten befürchten eine Massenflucht von Rohingya über den Golf von Bengalen nach Malaysia. In dem mehrheitlich muslimischen Land halten sich nach UN-Angaben bereits mehr als 80.000 von ihnen auf.

Im August 2017 hatte die Armee von Myanmar mit der gewaltsamen Vertreibung von mehr als 720.000 Rohingya nach Bangladesch begonnen. Die Vereinten Nationen werfen dem Militär Völkermord und ethnische Säuberung vor.

rb/qu (dpa, epd, kna, rtr)

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UN sprechen von Völkermord in Myanmar (vom 27. August)

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