Robert Dölger: ″Wir sind für eine geordnete Migration″ | Afrika | DW | 23.05.2019
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Westafrika

Robert Dölger: "Wir sind für eine geordnete Migration"

Wirtschaftszusammenarbeit, Migrationspolitik und Anti-Terror-Kampf gehören zu Deutschlands Kernthemen in Westafrika. Die DW sprach darüber mit dem Afrikabeauftragten im Auswärtigen Amt.

DW: Herr Dölger, Sie haben in Abidjan mit 15 deutschen Botschaftern über deutsch-afrikanische Beziehungen diskutiert. Wie stellt sich die wirtschaftliche Zusammenarbeit Deutschlands mit den 15 Staaten Westafrikas in Zahlen dar?

Robert Dölger: Leider sind wir noch weit davon entfernt, unser Potenzial in der Region auszuschöpfen. Der gesamte Außenhandel mit Westafrika macht etwa ein Prozent des deutschen Außenhandels aus. Die deutschen Unternehmen sind dabei, das große Potenzial zusammen mit afrikanischen Partnern zu entdecken. Wir hoffen, dass wir die deutsche Wirtschaft in Zukunft auch mit neuen Instrumenten noch stärker dabei unterstützen können, in Westafrika Fuß zu fassen. Denn Westafrika wird in 20 bis 30 Jahren etwa eine Milliarde Menschen umfassen. Das ist ein riesiger Markt, den wir nicht ignorieren können. Wir müssen rechtzeitig einsteigen.

Immer mehr Migranten machen sich von Westafrika auf den Weg nach Europa, insbesondere nach Deutschland. Welche Strategien setzen Sie dem entgegen?

Wir arbeiten eng mit unseren Botschaften und über unsere Botschaften mit den Herkunftsländern zusammen. Wir arbeiten auch mit der afrikanischen Diaspora aus den Ländern Westafrikas in Deutschland zusammen, um Aufklärungskampagnen zu machen, um Migration zu verhindern. Wir sind nicht gegen Migration, aber für eine geordnete Migration. Wir arbeiten ebenfalls mit den Ländern zusammen, wenn es darum geht, dass sie irreguläre Migranten aus Deutschland zurückzunehmen, also Menschen, die keinen Anspruch auf Daueraufenthalt, auf Asyl oder subsidiären Schutz haben. Dafür arbeiten wir zusammen mit Partnern vor Ort, aber auch mit der GIZ, an Projekten, wie diese Menschen in ihre Herkunftsländer wieder integriert werden können, sodass es auch würdig für sie ist. Denn es ist ja auch oft mit dem Verlust eines sozialen Status verbunden, wenn jemand aus Deutschland wieder zurückkommt - oder zurückgebracht wird. Wir müssen natürlich schauen, dass es auch politisch akzeptabel ist für die Länder, in die wir Menschen zurückführen.

Immer wieder werden westafrikanische Länder zum Ziel von Terrorangriffen. Besteht nicht die Gefahr, dass sich der Terror weiter ausbreitet?

Wir beobachten die Entwicklung mit großer Sorge. Leider ist der dschihadistische Terrorismus eine globale Plage. Wir müssen mit unseren internationalen Partnern und auch mit den Staaten in der Region Lösungen finden. Wir haben ein großes gemeinsames Interesse, dass der Dschihadismus sich in Westafrika nicht weiter ausbreitet, sondern dass er besiegt wird. Und wir müssen vor allem an den Ursachen arbeiten. Wie kann man verhindern, dass Menschen sich radikalisieren? Wie kann man die Probleme lösen, die oft als Basis für diese Radikalisierung dienen, etwa die Konflikte zwischen verschiedenen Gemeinschaften? Dabei möchten wir mit den Ländern zusammenarbeiten. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, das zu tun. Unsere Botschaften sind ein Instrument für den Datenaustausch, für die gemeinsame Analyse oder auch für die Organisation von Projekten, wie man die Sicherheitsstrukturen in den jeweiligen Staaten stärken kann. Es gibt hier viel zu tun. Aber ich glaube, wir sind gut aufgestellt, mit den afrikanischen Staaten zu arbeiten.

Robert Dölger ist Beauftragter des Auswärtigen Amtes für Subsahara-Afrika und den Sahel.

Das Interview führte Julien Adayé.

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