Robert Capa und Gerda Taro: Fotografen im Krieg | Kunst | DW | 01.09.2016
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Kunst

Robert Capa und Gerda Taro: Fotografen im Krieg

Im Spanischen Bürgerkrieg etablierten Robert Capa und Gerda Taro die moderne Kriegsfotografie. Im September 1936 schoss Capa mit "Falling soldier" eines der berühmtesten Kriegsbilder. Was machten Capa und Taro anders?

Beide waren jung und als Juden aus ihrer Heimat vor den Nazis geflohen. Beide wollten über die Kämpfe der republikanischen Truppen gegen den faschistischen Diktator Francisco Franco in Spanien berichten, die im Sommer 1936 begannen. Gerda Taro stammte aus Deutschland, Robert Capa war Ungar. Sie trafen sich im Pariser Exil 1934 und wurden ein Liebespaar. Er zeigte ihr, wie man fotografiert, sie übernahm die Vermarktung der Bilder und kam auf die Idee, sich die Künstlernamen Robert Capa und Gerda Taro zuzulegen. Ihr Geburtsname war Gerta Pohorylle, Capa hieß eigentlich André Friedmann.

Erst Spanischer Bürgerkrieg, dann D-Day

Robert Capa (Foto: Imago/United Archives International)

Robert Capa

Als Capa und Taro im Sommer 1936 nach Spanien gingen, um als Fotografen am Spanischen Bürgerkrieg (17.7.1936 bis 1.4.1939) teilzunehmen, nahmen sie leichte Kleinbildkameras mit und begleiteten republikanische Truppen bis an die Front. Die Nähe und das Risiko waren ein Novum. Damit haben sie die Kriegsfotografie bis heute beeinflusst. Während des Zweiten Weltkriegs setzte Robert Capa dies fort und nahm - inzwischen US-Bürger - als Fotograf an der Invasion der alliierten Soldaten in der Normandie teil (6. Juni 1944). Später sprang er mit US-Fallschirmjägern über Deutschland ab. Von ihm stammt das Motto "Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, bist du nicht nah genug dran". Capa wurde der Kriegsfotograf des 20. Jahrhunderts. Später gründete er zusammen mit Henri Cartier-Bresson, David Seymour ("Chim") und George Rodger die renommierte Fotoagentur "Magnum".

Berühmtes Capa-Bild: "Death of a loyalist soldier"

In Spanien bezogen Capa und Taro mit ihren Fotos klar Stellung gegen den faschistischen General Francisco Franco und für die republikanischen Truppen. Dabei machte Capa eine der bekanntesten Aufnahmen der Fotografiegeschichte. Das Foto "Death of a loyalist soldier", auch "Falling soldier", zeigt einen republikanischen Soldaten im Moment seines Todes. Was genau an diesem Tag Anfang September 1936 an der Front in Cordoba geschah, konnte bis heute nicht endgültig geklärt werden. Jahre nach Capas Tod begann die breite Debatte darüber, ob die Szene nur gestellt war.

Gerda Taro, ca. 1927/28, Fotografin im Spanischen Bürgerkrieg (Foto: Collection Irme Schaber, Fotograf unbekannt)

Gerda Taro

Auch die Autorin Amanda Vaill geht in ihrem aufwendig recherchierten Buch "Hotel Florida" über den Spanischen Bürgerkrieg auf das Geschehen ein. Capa und Taro hatten mit einer Gruppe Milizionäre Angriffs- und Kampfszenen simuliert. Beide Fotografen machten Aufnahmen, Capa hielt im Bild fest, als einer der Männer getroffen zu Boden fiel. "Während aber die Soldaten für seine Kamera so taten, als würden sie kämpfen, hatte eine reale Kugel, die vielleicht aus dem Präzisionsgewehr eines faschistischen Heckenschützen stammte oder von einem der Guardia-Civil-Rebellen, die in dieser Gegend aktiv waren, tatsächlich das Herz eines Mannes getroffen", schreibt Vaill.

Nach Jahrzehnten wiedergefunden: Der Mexikanische Koffer

Tausende verloren geglaubte Negative aus Spanien von Taro, Capa und Seymour fanden sich 2007 im so genannten Mexikanischen Koffer wieder. Das Negativ des fallenden Soldaten war jedoch nicht dabei.

Taro, geboren am 1. August 1910, war nicht nur die erste Frau, die als Fotografin in den Krieg zog, sie starb auch als erste Kriegsfotografin bei der Arbeit: Am 25. Juli 1937 wurde sie bei einem Rückzugsgefecht republikanischer Truppen von einem Panzer schwer verletzt. Am nächsten Tag starb sie - mit 26 Jahren. Nach dem Spanischen Bürgerkrieg überlagerte der Zweite Weltkrieg mediengeschichtlich bald alles, ihre Bilder gerieten in Vergessenheit. Erst die Biografie von Irme Schaber über Gerda Taro von 1994 machte die Bedeutung ihrer Arbeit neben Capa wieder bekannt.

Auch Capa, geboren am 13. Oktober 1913, kam bei der Arbeit als Fotograf ums Leben: Am 25. Mai 1954 trat er während des Indochina-Kriegs auf eine Landmiene und starb. Dabei soll er seine Kamera mit beiden Händen festgehalten haben.

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