Rheingau Musik Festival: Motto lautet ″Freundschaft″ | Musik | DW | 17.07.2018
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Klassik

Rheingau Musik Festival: Motto lautet "Freundschaft"

Unter dem Leitgedanken "Freundschaft" bietet das 31. Rheingau Musik Festival Abwechslung und intensive Konzerterlebnisse. Zu den diesjährigen Stars gehören Annette Dasch, Gabriela Montero und Frank Peter Zimmermann.

1988 wurde es auf Privatinitiative des heutigen Intendanten Michael Herrmann gegründet. Inzwischen ist das Rheingau Musik Festival zu einem der wichtigsten Musikereignisse in Europa herangewachsen.

In diesem Jahr werden 40 Spielorte entlang des 38 Kilometer langen Landstrichs im hügeligen Weinanbaugebiet zwischen Wiesbaden und dem Mittelrheintal miteinander in Verbindung gesetzt - eine touristisch reizvolle Gegend voller Burgen und Schlösser.

Zu den Hauptspielstätten gehören das Kloster Eberbach, Schloss Johannisberg, Schloss Vollrads und das Kurhaus Wiesbaden sowie verschiedene Weingüter.

Musik erleben zwischen Burgen und Weinbergen

Das Festival mit insgesamt 170 Konzerten begann am 23.6. in der Basilika des Klosters Eberbach mit dem israelischem Dirigenten Eliahu Inbal, der das hr-Sinfonieorchester mit Werken von Hector Berlioz und Giacomo Puccini leitete.

In der dortigen Zisterzienser-Abtei klingt das Fest auch zehn Wochen später aus. Beim Abschlusskonzert am 1. September spielt das Rotterdam Symphony Orchestra Mozarts "Haffner"- und Bruckners "Romantische"-Sinfonien. Die Leitung hat der Kanadier Yannick Nézet-Séguin, der dieses Musikfest als "abwechlungsreich und voller verschiedener künstlerischer Positionen" beschreibt. Es wird im doppelten Sinne ein Abschied: Nach zehn Jahren hört Nézet-Séguins Zeit als Chefdirigent in Rotterdam auf; er wird sich künftig auf seine neuen Aufgaben als Chef der Metropolitan Opera in New York konzentrieren.

Yannick Nézet-Séguin (Barbara Frommann)

Man nennt ihn einfach "Yannick": hier mit den Rotterdamer Philharmonikern

Rheingau Musik Festival geht eigene musikalische Wege

Oft gleichen sich die vielen Musikfestivals in Deutschland durch Künstler, die gleichsam auf der Durchreise dieselben oder ähnliche Programme wie anderswo spielen. Das Rheingau Musik Festival setzt eher eigene Akzente. 

Im aktuellen Jahr 2018 gibt es fünf Zyklen im Angebot. Darin erklingen die kompletten Violinsonaten von Mozart und Beethoven, alle Schumann-Sinfonien und Bachs Brandenburgische Konzerte - gestaltet durch die Geigerin Isabelle Faust, den Geiger Frank Peter Zimmermann, die Pianisten Alexander Melnikov und Martin Helmchen und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit ihrem Chefdirigenten Paavo Järvi.

Außerdem sind die drei Klaviertrios von Johannes Brahms in einer Ausnahmebesetzung mit dem Violinisten Leonidas Kavakos, dem Cellisten Yo-Yo Ma und dem Pianisten Emanuel Ax zu hören.

Die Klavierspielerin Gabriela Montero. (Shelley Mosman)

Die venezolanische Pianistin Gabriela Montero gehört als Klassik-Improvisatorin zu den außergewöhnlichsten Talenten

Im Fokus steht ebenfalls der weltweit derzeit wohl bekannteste Oboist Albrecht Mayer mit sechs eigens gestalteten Programmen. Der australische Komponist Brett Dean, der mit 56 Jahren zu den meist aufgeführten Komponisten seiner Generation gehört, gestaltet mehrere Programme beim Fest mit - und auf dem Spielplan stehen auch fünf berühmte Jazz-Trios.

"Artist in Residence" beim Rheingau Musik Festival ist die deutsche Opern- und Konzertsängerin Annette Dasch, die auch als gekonnte Moderatorin sechs Veranstaltungen mit Musik von Beethoven bis Franz Lehár gestaltet.

Die Pianistin Hélène Grimaud, der Jazz-Trompeter Till Brönner und das klavierspielende Improvisationsgenie Gabriela Montero gehören zu den Künstlern, die immer wieder im Rheingau auftreten, auch im laufendem Jahr.

Komponistenschwerpunkte

Anlässlich des 100. Geburtstag wird in diesem Jahr der amerikanische Komponist und Dirigent Leonard Bernstein landauf, landab geehrt. So auch beim Rheingau Musik Festival, dessen Intendant Michael Hermann mit Bernstein persönlich befreundet war. Sieben Veranstaltungen werden Bernstein gewidmet, darunter eine Aufführung der Filmversion seines Musicals "West Side Story" mit Livemusik.

Hundert Jahre sind auch seit dem Tod von Claude Debussy verstrichen. Dem französischen Komponisten, der abseits aller Konventionen eine Klangrevolution einführte, werden sieben Veranstaltungen gewidmet.

Claude Debussy (picture-alliance/dpa)

Reine Inspiration: die Musik von Claude Debussy

Vierzehn Veranstaltungen bieten jungen Musikern unter dem Titel "Next Generation" eine Plattform, etwa durch Formate wie ein "Klassik-Marathon" oder "Junge Meisterpianisten der russischen Schule". Bei acht Konzerten unter der Rubrik "Expedition Sound" spielen diverse genreübergreifende musikalische Grenzgänger mit völlig unterschiedlichem kulturellen Hintergrund.

Öffentliche Gelder knapp, dafür Sponsoring

Ungewöhnlich - zumindest für deutsche Verhältnisse - ist das Finanzierungsmodell des Rheingau Musik Festival: Von Anfang an erhielt es keine Mittel aus öffentlicher Hand. Mit einem Etat von rund acht Millionen Euro kommt etwa die Hälfte der Finanzierung aus Firmensponsoring und die andere Hälfte aus Einnahmen durch Kartenverkäufe.  Im vergangenen Jahr lag die Auslastung bei 92 Prozent; 103 Konzerte waren ausverkauft.

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