Reden, um das Weltklima zu retten | Aktuell Welt | DW | 30.04.2018
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Klimawandel

Reden, um das Weltklima zu retten

In Bonn findet eine Arbeitskonferenz statt, um den bevorstehenden Klimagipfel im polnischen Kattowitz vorzubereiten. Delegierte aus 185 Ländern sind in die ehemalige Bundeshauptstadt gereist.

Konzentriertes Nicken, freundliches Händeschütteln, Küsschen auf die Wange für befreundete Delegierte: Die Klima-Konferenz in Bonn mutet in diesen Tagen wie ein großes Klassentreffen an. Doch das Wiedersehen hat einen wichtigen Hintergrund: Immerhin wollen im World Conference Center Bonn Vertreter aus 185 Ländern den im Dezember im polnischen Kattowitz stattfindenden Klimagipfel vorbereiten. Für die geplante COP24 - die 24. "Conference of the Parties" - steht noch viel Arbeit an.

Doch dank der vergangenen 24 Klimagipfel und zahlreichen "Zwischenkonferenzen" kennen sich die Delegierten bereits gut aus. Im vergangenen November trafen sie ebenfalls in Bonn zusammen. Bei der COP23 hatte die Präsidentschaft zwar Fidschi inne - da aber im Inselstaat nicht genügend Platz für alle Teilnehmer ist, übernahm Bonn die Austragung der Konferenz. Und falls die Vereinten Nationen den globalen Entwicklungen nichts entgegen setzen können, wird der Platz auf Fidschi in Zukunft noch weniger werden.

Reden im Talanoa-Dialog

Aber nun geht es wieder am Rhein um das Weltklima. Hunderte Landes- und UN-Vertreter sind aus der ganzen Welt nach Deutschland geflogen, um zu diskutieren, wie es politisch, ökonomisch und gesellschaftlich möglich ist, dem Klimawandel etwas entgegen zu setzen. Können sie es noch schaffen, dass sich das Klima nicht mehr als zwei Grad, möglichst sogar nur um 1,5 Grad, erwärmt - im Vergleich zum Niveau vor Beginn der Industrialisierung? 

Die Arbeitskonferenz in Bonn, die bis zum 10. Mai dauert, soll ein weiterer Mosaikstein auf diesem Weg sein. Die Gesandten beschäftigen sich zum einen damit, Regeln für die Umsetzung des Pariser Abkommens auszuarbeiten. Zum anderen bietet die Klimakonferenz in Bonn die Möglichkeit, den Talanoa-Dialog fortzuführen.

Diese Gesprächspraxis hat die Fidschi-Präsidentschaft im November initiiert. "Talanoa" ist ein traditionelles fidschianisches Wort und meint einen transparenten Dialog, an dem alle teilnehmen können: Geschichten teilen, Empathie entfalten und Entscheidungen für ein kollektives Gut treffen - das ist das Ziel von "Talanoa".

Eine Pressekonferenz bei der Klimakonferenz in Bonn (Foto: DW/J. Wagner)

Klima-Chefin Patricia Espinosa (Mitte) stellt die Ziele der Klimakonferenz in Bonn vor. Luke Daunivalu unterstützt sie.

"Wir freuen uns, dass die Weltgemeinschaft positiv darauf reagiert", sagt Luke Daunivalu, der Verhandlungsführer von Fidschi in Bonn. "Es gibt viel Enthusiasmus und Aufregung rund um Talanoa." Zudem sei Talanoa bereits Teil der Sprache und Struktur der internationalen Klima-Diplomatie geworden, so Daunivalu stolz.

Regelwerk festzurren

Doch Reden allein hilft nicht. Die ambitionierten Ziele müssen auch festgeschrieben werden. Dazu soll das Regelwerk dienen. Dieses soll Grundregeln festlegen, an die sich alle halten sollen - wie das überwacht wird, soll das Regelwerk ebenfalls angeben. Bereits im November begannen die Delegierten mit der Ausarbeitung des Regelwerks. Doch bisher sind dort lediglich allgemeine Entwürfe enthalten. Die finalen Entscheidungen treffen die Länder dann aber erst im Dezember in Polen. Für UN-Klimachefin Patricia Espinosa steht dabei eines fest: "Wenn drei Worte unsere Arbeit in Bonn und über das ganze Jahr verteilt zusammenfassen, wäre das Dringlichkeit, Ehrgeiz und Möglichkeit."

Ehrgeiz und Signale - ist damit das Weltklima zu retten? Diplomatie braucht eben Zeit, aber Vertreter von Nichtregierungsorganisationen beobachten die Verhandlungen aufmerksam. "Politische Signale sind sehr wichtig, aber wir brauchen mehr als das. Länder müssen engagiert vortreten und handeln", sagt Mark Lutes vom WWF, der viel Hoffnung in das Regelwerk legt. Damit wäre vielleicht auch Ländern beizukommen, die aus Klimaabkommen aussteigen - wie es im vergangenen Jahr die USA getan haben. Doch Lutes sieht in dieser Entwicklung auch etwas Positives: "Die Reaktion der Weltgemeinschaft war beeindruckend, sie hat noch nicht einmal gezuckt. Alle anderen haben sich entschieden, weiterzumachen."

"Wir sind nicht alleine"

Also: weitermachen, weiter reden, weiter implementieren - das ist die Agenda auch dieses Mal in Bonn. Genau das ist wichtig, sagt Mark Lutes. "Der Klimawandel betrifft so viele Bereiche unseres Lebens. Deshalb ist es so wichtig, dass wir einen internationalen Prozess haben, um zu sehen, welche Länder was tun können. Und es gibt Vertrauen, dass wir nicht alleine sind." Letztendlich brauchen solche Prozesse eben Zeit. Dass der Klimaprozess so lange dauert und dass das viele Menschen frustriert, versteht Lutes. "Wir sind auch frustriert, dass es so lange dauert, bis wir endlich Taten sehen."

Ein Dorf auf den Yasawa-Inseln, Fidschi (Foto: DW/A. March)

Der Klimawandel bedroht vor allem Dörfer auf flachen Inseln, wie die Fidschis.

Das Klima-Klassentreffen in Bonn ist nun ein weiterer Schritt, um Einwohner pazifischer Inseln vor dem Ertrinken und Meeresbewohner vor dem Aussterben zu bewahren. Ob das Jahr 2018 der erwartete Meilenstein in der Geschichte des Klimawandels wird, muss der Klimagipfel in Polen Ende des Jahres zeigen -einem europäischen Land, dessen Energie-Rückgrat bisher vor allem aus Kohle bestand.