Rad-Team Sky verliert den Sponsor | Sport | DW | 12.12.2018
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Überraschender Rückzug

Rad-Team Sky verliert den Sponsor

Der Medienkonzern Sky zieht sich Ende 2019 aus dem Radsport zurück. Damit verliert das dominierende Profiteam der letzten Jahre seinen Geldgeber. Wie es für Chris Froome, Geraint Thomas und Co. weitergeht, ist offen.

Frankreich Tour de France - Geraint Thomas (picture-alliance/dpa/L. Rebours)

Zwei Tour-Sieger, ein Team: Geraint Thomas (l.) und Chris Froome

"Das Wichtigste zuerst, für das nächste Jahr ändert sich nichts", heißt es auf der Internetseite des Radprofi-Teams Sky. Der Medienkonzern Sky hatte zuvor überraschend angekündigt, sich Ende der Saison 2019 nach dann elf Jahren als Sponsor zurückziehen. "Sky wird sich bis Ende 2019 voll engagieren, und gemeinsam haben wir ehrgeizige Ziele für die Saison", teilte das Team in einem "Offenen Brief an die Fans" mit. "Wir alle wollen die Geschichte des Teams Sky mit einem möglichst starken Finish abschließen. Wir sind als Team motivierter denn je." Man mache sich nun auf die Suche nach einem neuen Geldgeber, "einem, der unser Ethos teilt und sich für unsere Werte einsetzt". Spätestens bis zum Start der Tour de France im kommenden Juli werde feststehen, ob und wenn ja, wie es nach 2019 weitergehe.

Fünf Tour-de-France-Gesamtsiege

Das Team Sky war im Februar 2009 mit dem Ziel gegründet worden, innerhalb von fünf Jahren den ersten britischen Tour-de-France-Sieger in der Geschichte der Frankreich-Rundfahrt zu stellen. 2012 ging der Plan auf: Der ehemalige Bahnrad-Fahrer Bradley Wiggins triumphierte auf den Champs Elysees. Im selben Jahr gewann er auch das Einzelzeitfahren bei den Olympischen Spielen in London. Sky blieb das dominierende Team im Radsport.

Tour de France 20. Etappe Bradley Wiggins Siegerpodest (Reuters)

Bradley Wiggins wurde 2012 erster britischer Sieger der Tour de France

Christopher Froome gewann viermal die Tour de France (2013, 2015-17), in diesem Jahr holte sich Geraint Thomas den Gesamtsieg. Lediglich der Italiener Vincenzo Nibali durchbrach 2014 die Sky-Erfolgsserie bei der Tour. Chris Froome gelang es, für Sky auch noch die beiden anderen  großen Rundfahrten für sich zu entscheiden: die Vuelta in Spanien (2017) und den Giro d'Italia (2018).

Mehrfach unter Dopingverdacht

Obwohl Sky von Beginn an eine zumindest öffentlich Null-Toleranz-Politik in Sachen Doping propagiert hatte, geriet die Mannschaft mehrfach in Verdacht. So wurde aufgedeckt, dass während der Tour 2011 ein Sky-Mitarbeiter ein mysteriöses Medikamenten-Paket für Wiggins vom Teamsitz in Manchester über rund 1500 Kilometer ins Teamhotel nach Frankreich gebracht hatte. Die Mannschaft behauptete, in dem Paket habe sich ein bestimmter Hustenlöser befunden. Den hätte das Team jedoch auch in jeder französischen Apotheke kaufen können.

2017 wurde Froome während der Spanien-Rundfahrt, die er gewann, positiv auf Salbutamolgetestet. Der Brite hatte zwar eine Ausnahmegenehmigung für das Asthma-Mittel, die Menge in seinem Urin war jedoch doppelt so hoch wie erlaubt. Dennoch wurde Froome nicht gesperrt und 2018 unmittelbar vor dem Tour-Start vom Weltverband UCI auch vom Dopingverdacht offiziell freigesprochen. Der Tour-Veranstalter ASO nahm daraufhin das kurz zuvor verkündete Startverbot gegen den Sky-Fahrer zurück. Froome wurde "nur" Gesamt-Dritter. Doch mit Geraint Thomas gewann erneut ein Fahrer des Teams Sky.

Teuerstes Rennteam 

Team Sky soll über einen Etat von 35 Millionen Euro verfügen, berichten Insider. Damit gilt der Rennstall als die teuerste Équipe im Radsport. Für diese Summe nun einen oder mehrere neue Sponsoren zu finden, ist die große Aufgabe für Teammanager David Brailsford, der im Zuge der Doping-Affären selbst in die Kritik geraten war. Da Radsport in Großbritannien seit 2012 boomt, gilt es zumindest nicht als ausgeschlossen, dass auf dem heimischen Markt neue Sponsoren herangezogen werden können. Gelingt dies aber nicht vor den traditionell im Sommer stattfindenden Verhandlungen zwischen Teams und Fahrern, droht der Zerfall des aktuell dominierenden Rennstalls im Radsport.

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