Chris Froome von UCI freigesprochen | Sport | DW | 02.07.2018
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Tour de France

Chris Froome von UCI freigesprochen

Ein langer juristischer Streit endet kurz vor der Tour de France: Chris Froome ist doch kein Doping-Sünder, sagt der Weltverband UCI, der das laufende Verfahren einstellt. Ein Urteil, das viele Fragen offen lässt.

Er darf sein Gelbes Trikot verteidigen: Tour de France-Sieger Chris Froome hat einen seiner wichtigsten Siege errungen, allerdings nicht auf der Straße, sondern auf juristischem Terrain. Der Weltverband UCI hat das Doping-Verfahren gegen ihn eingestellt. Damit ist der Weg für den Start des 33 Jahre alten Briten am kommenden Samstag bei der 105. Tour de France frei. Tour-Chef Christian Prudhomme akzeptierte die Entscheidung, womit die Startsperre gegen Froome, die der Veranstalter ASO eigentlich ausgesprochen hatte, gegenstandslos wurde. 

Der Sky-Profi, der im Mai den Giro d'Italia mit einem spektakulären Solo gewann, war mit einem deutlich erhöhten Salbutamol-Wert aufgefallen. Der viermalige Tour-de-France-Sieger hatte im Rahmen der Spanien-Rundfahrt 2017 einen verdächtigen Doping-Test abgeliefert. Das gefundene Asthmamittel Salbutamol, das auch in der B-Probe aufgetaucht war, hatte den doppelten Wert der maximal erlaubten Menge aufgewiesen: Erlaubt sind 1000 Nanogramm pro Milliliter, Froomes Probe hatte 2000 Nanogramm. Laut Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) deutet ein so hoher Wert nicht darauf hin, dass das Asthmamittel zu Therapiezwecken eingesetzt wurde. Froome war gemäß den Regeln nicht sofort suspendiert worden, wie es bei Doping-Fällen eigentlich üblich ist, sondern durfte sich erklären, wie der Wert zustande gekommen sei.

Ausladung der Tour de France nun nichtig?

Radfahrer Froome bei Doping-Kontrolle (picture-alliance/AP Photo/L. Rebours)

Eine Probe bei der Vuelta wies einen deutlich erhöhten Salbutamol-Wert bei Froome auf - aber warum?

Über Monate hatte Froome immer wieder seine Unschuld betont. "Ich habe ein reines Gewissen", sagte Froome. Wenn die Zeit reif sei, würden alle Informationen geteilt: "Ich bin sicher, dass die Leute meinen Standpunkt übernehmen werden." Der Radsport-Weltverband UCI hatte im Vorfeld des Giro d'Italia aber betont, dass Froome ein Sieg nachträglich aberkannt werden könnte - dies war zum Beispiel im Fall des Spaniers Alberto Contador sehr wohl noch möglich gewesen. Nach dem UCI-Urteil gab es keine juristische Grundlage mehr für einen Tour-Ausschluss Froomes. Die UCI-Entscheidung kurz vor dem Tour-Start ist damit auch eine Schlappe für die veranstaltende ASO.

Froome selbst zeigte sich erfreut über den Freispruch durch den Weltverband: "Ich freue mich sehr, dass mich die UCI entlastet hat", sagte er in einem Statement, dass sein Sky-Rennstall verbreitete. "Diese Entscheidung ist natürlich sehr wichtig für mich und mein Team, aber sie ist auch ein wichtiger Moment für den Radsport." Vor allem über letzteren Punkt dürften die Meinungen auseinander gehen. Zahlreiche Stimmen aus dem Radsport hatten sowohl Froome als auch die UCI für den Umgang mit der Affäre kritisiert: Viele Fahrer, Teamchefs und Fans forderten eine Rennpause von Froome, während die juristische Klärung seines Falls laufe. Doch Froome fuhr weiter und siegte beim Giro d'Italia mit einem sagenhaften Comeback in der dritten Woche. Ex-Profi Bernard Hinault legte Froomes Konkurrenten sogar einen Streik gegen Froome nahe. Und die UCI musste sich viele Fragen gefallen lassen, warum sie nicht schneller zu einer Entscheidung gekommen sei. 

Misst die UCI mit zweierlei Maß?

Dass die UCI nun anders als in früheren, vergleichbaren Fällen nicht mit einer Sperre des Athleten reagiert, verwundert. Denn 2008 wurde der damalige Top-Sprinter Alessandro Petacchi aus Italien für einen Doping-Test oberhalb des Salbutamol-Grenzwertes (1320 ng/ml) für ein Jahr gesperrt. Außerdem wurden ihm seine fünf Etappensiege beim Giro d’Italia aberkannt. Der Italiener Diego Ulissi wurde beim Giro 2014 ebenfalls positiv auf Salbutamol (1900 ng/ml) getestet. Er wurde im Anschluss für neun Monate gesperrt. Warum die UCI nun bei einem höheren Wert auf Freispruch entscheidet, wirft Fragen der Gleichbehandlung auf. 

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