Ostdeutschland: Mehr Arbeit, weniger Geld | Wirtschaft | DW | 21.08.2018
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Arbeit

Ostdeutschland: Mehr Arbeit, weniger Geld

Fast 30 Jahre nach dem Fall der Mauer sind die Verhältnisse nicht gleich. Beschäftigte im Osten arbeiten länger als im Westen - und verdienen weniger. In anderen Nationen wird allerdings deutlich mehr gearbeitet.

Im vergangenen Jahr leisteten Arbeitnehmer in den alten Bundesländern im Schnitt 1279 Arbeitsstunden. Im Osten mit Berlin waren es 1346 Stunden, also 67 mehr. Wird Berlin dem Westen zugerechnet, sind es im Osten 75 Stunden mehr.

Zugleich lagen die Jahres-Bruttolöhne je Arbeitnehmer im Westen mit 35.084 Euro um fast 5000 Euro höher als in den neuen Ländern mit 30.172 Euro. Das ergeben Daten der Statistischen Ämter von Bund und Ländern, die die Linke-Bundestagsfraktion ausgewertet hat.

Im Schnitt am längsten gearbeitet wurde demnach 2017 in Thüringen mit 1371 Stunden je Arbeitnehmer. Am wenigsten Arbeitsstunden waren es mit 1255 in Rheinland-Pfalz.

Bei Löhnen und Gehältern je Arbeitnehmer war Hamburg Spitze mit 40.771 Euro brutto. Im Schnitt am wenigsten verdienten Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern mit 27.520 Euro.

Kein Werturteil

Sabine Zimmermann, Sozialexpertin der Partei "Die Linke", sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die Bundesregierung hat sich offensichtlich mit einem Sonderarbeitsmarkt Ost abgefunden. Das ist nicht akzeptabel."

Beim Arbeitsvolumen erfasst der "Arbeitskreis Erwerbstätigenrechnung" des Bundes und der Länder die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden am jeweiligen Arbeitsort - auch bei Beschäftigten mit mehreren gleichzeitigen Jobs. Nicht einbezogen werden etwa Urlaub, Elternzeit, Feiertage, Kurzarbeit oder Abwesenheit wegen Krankheit.

Dabei gehe es weder um "Intensität noch Qualität der geleisteten Arbeit", erläutern die Statistiker. Nicht korrekt sei daher, von mehr "Fleiß" oder größerer "Arbeitsbereitschaft" im Osten zu reden.

International sind Deutsche "faul"

Trotz aller Unterschiede - im internationalen Vergleich wird in Deutschland relativ wenig gearbeitet. Das zeigen Zahlen der OECD, einer Denkfabrik von 36 Industrieländern.

Die Organisation erfasst die Arbeitszeit mit einer etwas anderen Methodik als die deutschen Behörden, doch das Ergebnis ist deutlich. In keinem anderen Land der OECD wurde so wenig gearbeitet wie in Deutschland - 1356 Stunden im vergangenen Jahr.

Der OECD-Durchschnitt lag bei 1759 Stunden pro Jahr. An der Spitze lag Mexiko (2257 Stunden), gefolgt von Costa Rica (2179 Stunden), Südkorea (2024 Stunden) und Griechenland (2018 Stunden).

bea/nm (dpa, OECD)