Oppositionsführer Guaidó ruft zu landesweitem Protestmarsch auf | Aktuell Amerika | DW | 10.03.2019
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Venezuela

Oppositionsführer Guaidó ruft zu landesweitem Protestmarsch auf

Seit Wochen rangeln Venezuelas selbsternannter Interimspräsident Guaidó und Staatschef Maduro um die Macht. Nun will der junge Oppositionschef eine Entscheidung erzwingen. Dabei setzt er auch auf Verbündete im Ausland.

Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó hat einen Marsch von Regierungsgegnern aus dem ganzen Land auf die Hauptstadt Caracas angekündigt. "Es kommen harte Tage auf uns zu. Das Regime wird versuchen, uns zu spalten", warnte er bei einer Kundgebung in der venezolanischen Hauptstadt.

In den kommenden Tagen wolle er mit oppositionellen Abgeordneten durch Venezuela reisen und für sein Anliegen werben. "Wir werden alle zusammen nach Caracas kommen", rief der 35-Jährige vor jubelnden Anhängern. Dabei setzt er notfalls auch auf eine Intervention aus dem Ausland. Dies sei durch die Verfassung gedeckt, versicherte er. Guaidó machte deutlich, die Zeit für "den falschen Dialog" mit der politischen Führung um Staatschef Nicolás Maduro sei abgelaufen.

Juan Guaidó spricht von einem Pick-Up zu seinen Anhängern, Sicherheitskräfte hatten den Aufbau einer Bühne verhindert (Foto: Reuters/C. G. Rawlins)

Guaidó spricht von einem Pick-Up zu seinen Anhängern, Sicherheitskräfte hatten den Aufbau einer Bühne verhindert

In Venezuela tobt seit Wochen ein Machtkampf zwischen Guaidó und Maduro. Der junge Oppositionschef hatte sich am 23. Januar selbst zum Übergangspräsidenten erklärt. Er will Maduro aus dem Amt drängen und Neuwahlen organisieren. Die Opposition macht Maduro für die schwere Rezession verantwortlich, die die Bevölkerung in Armut gestürzt hat und zu massiven Engpässen bei der Grundversorgung führt. Zahlreiche Länder, darunter Deutschland und die USA, haben Guaidó als rechtmäßigen Interimspräsidenten anerkannt, allerdings konnte dieser auch wegen der Treue des venezolanischen Militärs zu Maduro noch keine echte Machtposition aufbauen.

"Mit revolutionärem Mut werden wir die Krise meistern"

Parallel zum Protest der Opposition trommelte auch Maduro am Samstag seine Anhänger in Caracas zusammen. "Wir befinden uns in schwierigen Zeiten. Aber wir haben in den vergangenen Jahren bereits große Herausforderungen gemeistert, mit 'revolutionärem Mut' werden wir auch diese meistern", versicherte Maduro.

Venezuela Präsident Nicolas Maduro in Caracas (picture-alliance/dpa/A. Cubillos)

Maduro ruft seine Landsleute zu weiterer Unterstützung auf

Der Staatschef ging auch auf den massiven Stromausfall ein, der Venezuela seit Donnerstag ins Chaos gestürzt hat. Nach seinen Worten gab es am Samstag einen weiteren Cyberangriff. Dieser habe die Bemühungen zunichte gemacht, die Stromversorgung wieder in Gang zu bringen.

Indes kündigte Guaidó an, er wolle angesichts des seit Tagen andauernden Stromausfalls den Notstand erklären lassen. Die von der Opposition kontrollierte Nationalversammlung solle diesen am Montag in einer Sondersitzung Montag feststellen.

Die Ursache für den Blackout ist bislang unbekannt. Die Maduro-Führung beschuldigt die USA, ihn durch Sabotage verursacht zu haben. Die Opposition hingegen wirft dem Staatschef vor, nicht genug in die Infrastruktur investiert zu haben und deshalb für den Stromausfall verantwortlich zu sein.

Mehrere Landesteile weiter ohne Strom

Während Caracas und die Bundesstaaten Miranda und Vargas zumindest zeitweise wieder Strom haben, sind die westlichen Landesteile Barinas, Táchira und Zulia weiter von der Versorgung abgeschnitten. In der Hauptstadt fuhr auch am Samstag die U-Bahn nicht, viele Läden blieben geschlossen. Hunderte Reisende saßen an Flughäfen fest.

Venezuela Stromausfall | Krankenhaus (Getty Images/AFP/M. Delacroix)

Der dunkle Korridor eines Krankenhauses in Caracas

In Krankenhäusern sorgte der Blackout für entsetzliche Zustände. Die meisten Kliniken haben keine Generatoren oder nutzen sie nur in absoluten Notfällen. Nach Angaben nationaler Gesundheitsorganisationen starben während des Stromausfalls in Krankenhäusern bislang 17 Menschen, darunter 15 Patienten mit schweren Nierenleiden, die keine Dialyse bekommen konnten.

se/ust/as (afp, dpa, rtr, ap)

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