Opposition kritisiert Räumung von Flüchtlingslager | Aktuell Europa | DW | 23.01.2019
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Italien

Opposition kritisiert Räumung von Flüchtlingslager

Die Stimmung im Parlament kocht hoch in Rom: Während der Räumung von Italiens zweitgrößtem Flüchtlingslager nahe Rom hat die Opposition dem italienischen Innenminister Matteo Salvini "Nazi-Methoden" vorgeworfen.

Die Räumung werde bis Samstag andauern, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Nachdem am Dienstag bereits 30 Menschen aus dem Asylheim in Castelnuovo di Porto ausziehen mussten, wurden am Mittwoch weitere 75 Asylsuchende in Busse gesetzt und in andere Zentren gebracht.

300 der rund 500 Bewohner des Komplexes sollen anderweitig untergebracht werden. Die restlichen 200 Bewohner des Heims haben einen Aufenthaltsstatus, der durch das sogenannte "Sicherheits-Dekret"  des italienischen Innenministers Matteo Salvini, eine Verschärfung der Asylregeln, nunmehr entfällt. Sie verlieren damit Asylrechte - unter anderem auf eine kostenlose Unterbringung - und könnten dadurch obdachlos werden. Sollten sie keiner Abschiebung einwilligen, droht ein Abrutschen in die Illegalität.

Papst Franziskus hat das Lager bekannt gemacht

"Wir sind traurig und besorgt. Wir bitten darum, sie nicht wie Tiere zu behandeln", sagte der Pfarrer von Santa Lucia in Castelnuovo di Porto, Jose Manuel Torres. Der Bischof von di Porto-Santa Rufina, Gino Reali, kritisierte zudem die Methoden der Umsiedlung. Viele hätten nicht gewusst, wohin sie nun kommen. "Das scheint mir nicht würdevoll gegenüber Frauen, Männern und Kindern, die eine dramatische Geschichte hinter sich haben", so Reali. 

Italien bei Rom | Räumung Castelnuovo di Porto, zweitgrößtes Flüchtlingslager Italiens

Die Räumung hat begonnen - Castelnuovo di Porto ist das zweitgrößte Flüchtlingslager Italiens

"Männer, Frauen und Kinder werden auf eine Art aufgeteilt, die an Nazi-Lager erinnert, Familien werden getrennt", sagte Roberto Morassut von der Demokratischen Partei im Parlament mit Blick auf die Räumung. Salvini wies den Vorwurf von "Nazi"-Methoden zurück. Die Räumung sei ein "Akt gesunden Menschenverstands und guter Verwaltung", sagte der Politiker der Lega Nord dem staatlichen Sender RAI.

Bekannt geworden ist die Flüchtlingsunterkunft im Norden Roms auch durch Papst Franziskus. Der hatte 2016 bei der Gründonnerstagsmesse das Ritual der Fußwaschung an Flüchtlingen und Migranten der Unterkunft in Castelnuovo di Porto vollzogen. "Wir alle sind hier versammelt: Muslime, Hindus, Katholiken, Kopten, evangelische Christen. Wir sind alle Geschwister, Kinder desselben Gottes", sagte er damals in seiner frei gehaltenen Predigt.

nob/kle (dpa, kna)

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