OECD hebt Prognose für die Weltwirtschaft an | Wirtschaft | DW | 31.05.2021
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Weltwirtschaft

OECD hebt Prognose für die Weltwirtschaft an

Nach dem coronabedingten Einbruch im vergangenen Jahr sieht die Industrieländervereinigung OECD nun eine deutlich verbesserte Konjunkturlage. Voraussetzung: Eine gerechtere Verteilung der Impfstoffe.

China Qingdao | Containerschiff im Hafen

Die Weltwirtschaft läuft wieder an: Hier im Containerhafen von Qindao/China

Die Industriestaatengemeinschaft OECD hat ihre Prognose für die weltweite wirtschaftliche Erholung von der Corona-Krise erneut verbessert, warnt zugleich aber vor den Folgen einer ungleichen Impfstoffverteilung. Die Weltwirtschaft dürfte im laufenden Jahr um 5,8 Prozent wachsen und damit um 0,2 Punkte mehr als im März angenommen, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Montag in Paris mit. Für das kommende Jahr nimmt sie ein Plus von 4,4 Prozent an. Das sind 0,4 Punkte mehr als bisher. Im vergangenen Jahr war die Weltwirtschaft um 3,5 Prozent geschrumpft.

Auch für Deutschland hellt sich der OECD zufolge der Konjunkturhorizont auf. Das Wirtschaftswachstum dürfte im laufenden Jahr 3,3 Prozent erreichen. Das sind 0,3 Punkte mehr als bisher vorhergesagt. Für das kommende Jahr werden 4,4 Prozent erwartet, 0,7 Punkte mehr als zunächst prognostiziert. 

Ein so starkes Wachstum habe es seit 1973 nicht mehr gegeben, resümierte Chefökonomin Laurence Boone. Gleichzeitig warnte sie, die Corona-Krise sei noch nicht überwunden. Ihren optimistischeren Ausblick für die Weltwirtschaft verknüpfte sie mit dem Appell, dass die Impfkampagnen so schnell wie möglich auf die ganze Welt ausgeweitet werden müssten, "um Leben zu retten, Einkommen zu sichern und die negativen Auswirkungen der Infektionsschutzmaßnahmen zu begrenzen". Stärkere internationale Anstrengungen seien erforderlich, "um die Niedrigeinkommensländer mit den Ressourcen auszustatten, die sie benötigen, um ihre Bevölkerung zu impfen - zu ihrem eigenen Nutzen und zum Nutzen der ganzen Welt".

Er wird ab 1. Juni neuer OECD-Chef sein: Der Australier Mathias Cormann

Er wird ab 1. Juni neuer OECD-Chef sein: Der Australier Mathias Cormann

Neuer Mann an der OECD-Spitze

Um die Herausforderungen der Pandemie zu bewältigen, sei es "unerlässlich, Wissen sowie medizinische und finanzielle Ressourcen zu teilen und schädliche Handelsbeschränkungen, vor allem für medizinische Erzeugnisse, zu vermeiden", erklärte die OECD weiter. Wenn weltweit keine schnellen und umfassenden Impffortschritte erzielt würden, bestehe die Gefahr, "dass neue stärker ansteckende und tödlichere Virusvarianten auftreten, die resistenter gegen die existierenden Impfstoffe sind".

Die OECD mit 38 Mitgliedstaaten begann am Montag ein zweitägiges Ministertreffen, das als Videokonferenz veranstaltet wird. Am Dienstag soll Australiens Ex-Finanzminister Mathias Cormann (50) offiziell das Spitzenamt des OECD-Generalsekretärs übernehmen. Der aus dem deutschsprachigen Osten Belgiens stammende Cormann wird damit dem Mexikaner Angel Gurría nachfolgen, der seit 2006 amtiert. 

Infografik OECD Mitglieder und Partner

Kommt die globale Mindeststeuer?

Im Tauziehen um eine globale Steuerreform mit Mindestsätzen für große Konzerne ist laut Gurría eine weitere Verzögerung möglich. Die abschließende Vereinbarung könnte sich bis Oktober hinziehen. Der Gipfel der großen Industrie- und Schwellenländer (G20), der Ende Oktober in Rom geplant ist, solle die endgültige Abmachung dann gutheißen.

"Wir haben einen Deal in Sicht. Hoffentlich wird es dieses Jahr passieren", sagte Gurría. Die Mindeststeuer für international tätige Unternehmen soll dem globalen Wettrennen um den niedrigsten Steuersatz ein Ende setzen. Nach Ansicht von Kritikern nutzen viele große Konzerne alle legalen Möglichkeiten, um Gewinne nach Bedarf in andere Länder zu verschieben und damit Steuern zu sparen. Für Ärger sorgt auch, dass viele, vor allem übers Internet tätige Konzerne dadurch wenige Abgaben in den von ihnen bedienten Märkten zahlen.

Die OECD, die bei den globalen Verhandlungen eine zentrale Rolle spielt, strebte bisher eine Abmachung bis Mitte dieses Jahres an. Zunächst sollte es einen Kompromiss sogar schon Ende 2020 geben, doch wegen der Corona-Pandemie und Meinungsverschiedenheiten kamen die Gespräche langsamer voran als geplant. Gurría rechnet nun damit, dass bis Juli "Umrisse" einer Vereinbarung vereinbart werden können.

hb/bea (dpa,afp)

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