Norwegen: Sieben Jahre Haft für Marius Borg Høiby gefordert
18. März 2026
Im Prozess gegen den ältesten Sohn der norwegischen Kronprinzessin hat die Staatsanwaltschaft in Oslo sieben Jahre und sieben Monate Haft für Marius Borg Høiby gefordert. Høiby zeigte keine Regung bei der Strafmaßforderung. Als Höchststrafe drohen ihm bis zu 16 Jahre Haft.
Staatsanwalt Sturla Henriksbø forderte, Mette-Marits Sohn in 39 von 40 Anklagepunkten zu verurteilen. Lediglich für einen Verstoß gegen ein Kontaktverbot solle Høiby freigesprochen werden. In diesem Fall soll er seine Ex-Freundin trotz des Verbots versehentlich angerufen haben.
Der Skandal hat dem Ruf des norwegischen Königshauses ernsthaft geschadet. Er begann, als Hoiby am 4. August 2024 in Oslo wegen mutmaßlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung in der Wohnung seiner damaligen Freundin festgenommen wurde.
Der Vorwurf: mehrere Vergewaltigungen
Im Zuge der Ermittlungen zu diesem Vorfall kamen zahlreiche andere mutmaßliche Straftaten ans Licht. Nachdem die Ermittler Videos auf seinem Handy und seinem Laptop gesichtet hatten, wurde Høiby der Vergewaltigung von vier Frauen beschuldigt, die sich nicht wehren konnten. Keiner der vier Frauen war laut Anklage bewusst, was ihr widerfahren war, bis die Polizei ihnen die Videos zeigte und sie über die mutmaßliche Straftat informierte.
Die mutmaßlichen Vergewaltigungen wurden alle nach feuchtfröhlichen Parties begangen, bei denen Høiby Alkohol und Drogen konsumiert hatte, und nachdem es zunächst einvernehmlichen Sex gegeben hatte. Eine Vergewaltigung soll im Keller der Residenz von Kronprinz Haakon und Mette-Marit stattgefunden haben, während beide zu Hause waren. In Mittelpunkt des Prozesses stand die Frage, ob Høibys Opfer in der Lage waren, einvernehmlichem Sex zuzustimmen.
Opfer glaubwürdiger als Høiby
Staatsanwalt Henriksbø hatte den mutmaßlichen Opfern in seinem Plädoyer eine größere Glaubwürdigkeit zugesprochen als Høiby. Dieser hatte während des sechs Wochen langen Prozesses häufig angegeben, sich nicht genau erinnern zu können.
Während der Sohn der norwegischen Kronprinzessin sich am vergangenen Freitag selbst als "Monster" in der öffentlichen Wahrnehmung und "Hassobjekt von ganz Norwegen" bezeichnet hatte, hatte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer klargestellt, dass Høiby ein Mensch wie jeder andere sei und nicht dafür bestraft werden solle, wer er sei, sondern was er getan habe.
Høiby macht Medien für schwierige Kindheit verantwortlich
Mette-Marits Sohn hatte während der vergangenen Wochen immer wieder darüber gesprochen, wie sehr es ihn seit seiner frühen Kindheit belastet habe, unfreiwillig in der Öffentlichkeit zu stehen. Høiby war noch ein Kleinkind, als seine Mutter den norwegischen Kronprinzen Haakon heiratete. Mehrfach klagte Høiby die Presse bitter dafür an, ihn verfolgt und bloßgestellt zu haben, während er seine Mutter und seinen Stiefvater Haakon in Schutz nahm.
Den Prozess musste der 29-Jährige ohne seine Familie durchstehen: Das Kronprinzenpaar sowie Høibys Halbgeschwister, Prinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus, blieben der Verhandlung fern.
Norwegische Königsfamilie im Fokus
Die Vorwürfe gegen Høiby sind nicht der einzige Skandal, der die norwegische Königsfamilie derzeit belastet. Mette-Marit muss seit Wochen harte Kritik für ihre enge Freundschaft mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein einstecken.
Außerdem hat sich ihr Gesundheitszustand noch einmal verschlechtert, wie der norwegische Hof am Dienstag mitteilte. Die Kronprinzessin leidet unter einer seltenen Form der chronischen Krankheit Lungenfibrose und benötigt eine neue Lunge. Seit Ende Januar hat sich die 52-Jährige nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt.
Die Situation für die Royals dürfte sich absehbar nicht entspannen: Die Norweger warten immer noch darauf, dass sich die Kronprinzessin ausführlich zu ihrem Epstein-Kontakt erklärt. Und in einigen Wochen oder gar Monaten steht das Urteil gegen Marius Borg Høiby an. Dann wird sich zeigen, ob das Gericht dem Wunsch der Staatsanwaltschaft nachkommt und ihn für lange Zeit hinter Gitter bringt.
as/jj (dpa, afp, rtr)
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