Nominierung DFB-Kader: Joachim Löw erklärt sich | Sport | DW | 15.03.2019
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Nationalmannschaft

Nominierung DFB-Kader: Joachim Löw erklärt sich

Wenige Tage nach der offiziellen Ausbootung der drei Bayern-Profis Hummels, Müller und Boateng stellt Bundestrainer Joachim Löw seinen Kader für die nächsten Länderspiele vor. Dabei muss er sich für vieles rechtfertigen.

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Bundestrainer Löw baut Nationalelf um

An diesem Tag war in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main vieles nicht normal: Eine Pressekonferenz gibt es anlässlich einer Kadernominierung für Qualifikations- oder Freundschaftsspiele des DFB-Teams in der Regel nicht. Doch Bundestrainer Joachim Löw hatte Erklärungsbedarf, nachdem seine Entscheidung, künftig auf die drei Bayern-Profis Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng zu verzichten, so hohe Wellen geschlagen hatte. Außerdem finden die Pressekonferenzen der deutschen Nationalmannschaft normalerweise einigermaßen pünktlich statt, diesmal aber wurde Löw Opfer der Deutschen Bahn: Sein Zug nach Frankfurt hatte Verspätung, daher ging es erst 45 Minuten später los als geplant.

Auf der Bühne strahlte Löw dann aber wie gewohnt Ruhe und Souveränität aus, als er erklärte, wie die von Medien, Fans und den Betroffenen selbst kritisierte Entscheidung abgelaufen war, und wie er sie den Dreien mitgeteilt hatte: "Für mich war das Allerwichtigste, dass wir die Spieler in einem persönlichen Gespräch informieren. Das stand über allem", sagte Löw. "Die Gefahr, dass vorher irgendetwas durchsickert, ist immer groß. Daher sind wir am Morgen nach München geflogen und haben auch den Sportdirektor, den Trainer und Karl-Heinz Rummenigge mit ins Boot geholt."

Dementsprechend zeigte Löw nur wenig Verständnis für seine Kritiker. Eine Endgültigkeit habe es in seiner Entscheidung nicht gegeben: "Wir haben sie ja nicht verbannt. Sie haben ja auch nichts verbrochen", sagte Löw. "Ich habe ihnen nur mitgeteilt, dass ich die Qualifikation und die EM ohne sie plane. So ehrlich wollte ich ihnen gegenüber schon sein." Schließlich sei die Wertschätzung gegenüber Hummels, Boateng und Müller sehr groß. "Diese Spieler haben Einmaliges geleistet", betonte Löw. "Emotional ist mir das sehr schwer gefallen. Meine Aufgabe als Trainer ist es aber, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen für die Zukunft."

Löw: "Ballbesitzfußball ist nicht tot"

Und diese Zukunft im DFB-Team soll ohne die drei Bayern-Spieler stattfinden und vor allem von jüngeren Spielern entscheidend gestaltet werden. Allerdings ist die Kadernominierung für die anstehenden Partien, das Freundschaftsspiel gegen Serbien und der Auftakt zur EM-Qualifikation in den Niederlanden, keine Revolution. Der überwiegende Teil der Spieler ist nicht zum ersten Mal dabei. Zentrale Stützen sind weiterhin Kapitän Manuel Neuer, Toni Kroos von Real Madrid und Dortmunds Marco Reus. Einzig das Gesicht der Abwehr wird sich stärker verändern. Ohne die Innenverteidiger Hummels und Boateng sind künftig wohl in erster Linie Bayern-Profi Niklas Süle, Antonio Rüdiger vom FC Chelsea und PSG-Verteidiger Thilo Kehrer gefragt, möglicherweise Leverkusens Jonathan Tah.

Fußball Länderspiel Deutschland Nationalmannschaft
Fußball, Länderspiel, Nationalmannschaft, Saison 2018/2019,UEFA Nations League,
GER, Deutschland - NED, Niederlande, Holland, (picture-alliance/augenklick/firo Sportphoto/S. El-Saqqa)

Künftig mehr in der Verantwortung: Thilo Kehrer, Niklas Süle, Leroy Sané und Antonio Rüdiger (v.l.n.r.)

Wie schon in seiner WM-Analyse vom vergangenen August betonte Löw noch einmal, dass sich die Spielweise seiner Mannschaft ändern müsse. "Ballbesitzfußball ist nicht tot, wie es einige nach der WM prognostiziert haben", sagte Löw. "Aber wir müssen unsere Idee so verändern, das wir mehr Dynamik, Zielstrebigkeit und Schnelligkeit im Spiel haben. Das ist uns bei der WM und danach in einigen Spielen etwas abhanden gekommen", gab der Bundestrainer zu. Gefragt seien schnelle Lösungen unter Druck und schnelle Aktionen im letzten Drittel.

Mit Eggestein, Stark und Klostermann

Mit zu diesen Lösungen beitragen sollen künftig auch der Herthaner Niklas Stark, Leipzigs Lukas Klostermann und Maximilian Eggestein vom SV Werder, die drei Neulinge im aktuellen DFB-Kader. Dass Löw Eggestein stets als "Eggenstein" aussprach, zeigt allerdings, wie neu es für Löw noch ist, den Namen des Bremer Mittelfeldspielers zu benutzen. 

Und auch für die nicht mehr Eingeladenen Hummels, Boateng und Müller sei die Tür nicht zu, betonte Löw noch einmal - hier wurde er sogar das einzige Mal ein wenig ungehalten, als ein Reporter aus dem Publikum seine Nachfrage in den Saal rief: "Haben sie noch eine Chance?" 

"Ich weiß doch nicht, was im nächsten Jahr sein wird", sagte Löw und rang ein wenig die Hände. "Fakt ist: Ich habe den Spielern gesagt, dass ich ohne sie plane und erwarte, dass sich die jungen Spieler in der Zwischenzeit gut entwickeln." Fraglich bleibt dann nur noch, wie lange Löw diese Entwicklung als Bundestrainer noch begleiten darf. Denn nach verpatzter WM und enttäuschender Nations League mit Abstieg in die B-Klasse, dürfte auch sein Kredit bei den Entscheidungsträgern des DFB irgendwann einmal aufgebraucht sein. 

Der DFB-Kader im Überblick:

Torhüter: Manuel Neuer (FC Bayern), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt)

Abwehr: Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach), Marcel Halstenberg (RB Leipzig), Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain), Lukas Klostermann (RB Leipzig), Antonio Rüdiger (FC Chelsea), Nico Schulz (TSG Hoffenheim), Niklas Stark (Hertha BSC), Niklas Süle (Bayern München), Jonathan Tah (Bayer Leverkusen)

Mittelfeld und Angriff: Julian Brandt (Bayer Leverkusen), Maximilian Eggestein (Werder Bremen), Serge Gnabry (Bayern München), Leon Goretzka (Bayern München), Ilkay Gündogan (Manchester City), Kai Havertz (Bayer Leverkusen), Joshua Kimmich (Bayern München), Toni Kroos (Real Madrid), Marco Reus (Borussia Dortmund), Leroy Sane (Manchester City), Timo Werner (RB Leipzig)

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