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TerrorismusNigeria

Nigeria vestärkt Sicherheit nach Terroranschlag

Isaac Kaledzi
18. März 2026

Nigerias Präsident Bola Tinubu hat die Sicherheitschefs angewiesen, Truppen nach Maiduguri zu verlegen. Die Behörden vermuten, dass Boko-Haram-Kämpfer hinter den jüngsten Anschlägen stecken.

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Nigeria Kaduna 2024 | Armeefahrzeuug fährt im Konvoi durch eine Straße
Die Streitkräfte in Nigeria befinden sich in höchster Alarmbereitschaft (Archivfoto aus dem Jahr 2024)Bild: Sunday Alamba/AP Photo/picture alliance

In Nigeria brachte Präsident Bola Tinubu seine Trauer über die zahlreichen Selbstmordanschläge vom Montag zum Ausdruck und sprach den Familien der mindestens 23 Opfer sein Beileid aus.

Die Anschläge ereigneten sich weniger als 24 Stunden nach der Abwehr eines  Angriffs militanter Gruppen durch nigerianische Militäreinheiten am Stadtrand von Maiduguri, Hauptstadt des Bundesstaats Borno im Nordosten Nigerias.

Tinubu wies zudem seine obersten Sicherheitschefs an, nach den Anschlägen am Montag Soldaten nach Maiduguri zu entsenden und die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Trotz der relativen Ruhe in Maiduguri - die Stadt hatte seit 2021 keinen größeren Angriff mehr erlebt - hält die Bedrohung durch Boko Haram und den Islamischen Staat - Provinz Westafrika (ISWAP) an. Ihr Aufstand dauert nun schon fast zwei Jahrzehnte, hat Zehntausende Menschenleben gefordert und Millionen Menschen im Nordosten vertrieben. Maiduguri gilt weithin als Ursprung des Boko-Haram-Aufstands.

Nigeria Maiduguri 2026 | Soldat inspiziert Folgen eines Bombenanschlags auf einem Markt
Bei den Anschlägen kamen mindestens 23 Menschen ums Leben; mehr als 100 sollen verletzt worden seinBild: Jossy Ola/AP Photo/picture alliance

Für Neuankömmlinge wie den Geschäftsmann Mohammadu Adam könnte der Zeitpunkt nicht schlechter sein. "Ich bin noch nicht lange hier in Maiduguri. Ich bin vor drei Tagen angekommen und bereue es bereits, hierhergekommen zu sein. Ich fühle mich gestrandet und bin mir wegen der Geschehnisse unsicher, wohin ich gehen soll."

Die Anschläge sind die schwersten, die die Stadt seit Jahren erlebt hat. Sie haben die Angst vor einem Wiederaufflammen extremistischer Gewalt geschürt.

"Das ist für alle bedauerlich, egal ob man Christ oder Muslim ist. Wir hatten wirklich Angst. Wir beten, dass Gott uns beschützt", sagte der Augenzeuge Adamu Abdullahi.

Die Einwohner gerieten am Montagabend in Panik, als drei belebte Orte in Maiduguri von Explosionen erschüttert wurden. Nach Angaben der Landespolizei traf eine Explosion den belebten Montagsmarkt. Eine weitere ereignete sich am Eingang des Universitätsklinikums von Maiduguri (UMTH) und eine dritte detonierte in der Nähe der Post.

Die nigerianische Armee erklärte, die Anschläge seien vermutlich von Boko-Haram-Kämpfern verübt worden, die "Massenschäden und weitreichende Panik" verursachen wollten.

Symbolischer Zeitpunkt gibt Anlass zur Sorge

Sicherheitsexperten glauben, dass der Zeitpunkt der Anschläge bewusst gewählt sein könnte: Die Explosionen könnten mit der Festzeit in Verbindung stehen, sagt Malik Samuel, leitender Forscher bei Good Governance Africa-Nigeria, gegenüber der DW.

"Ich denke, die Menschen müssen auch verstehen, dass es in der Regel während der Festtage eine Gefahr von Anschlägen gibt. Ich glaube, dieser Anschlag war absichtlich so gelegt, um die Sicherheitskräfte zu überraschen", sagte er.

Nigeria Maiduguri 2021 | Ein durch Terror zerstörtes Auto, umringt von Menschen
Boko Haram hat in der Vergangenheit häufig Terroranschläge in der Gegend von Maiduguri verübt. Bei diesem Angriff 2021 kamen 16 Menschen ums Leben.Bild: Stringer/AFP

Einwohner Abdullahi ist jetzt in Sorge, wie es weitergeht. "Wir dachten, diese Art von Anschlägen gehöre der Vergangenheit an", sagt er. "Aber es wird wieder aktuell. Wir wissen nicht, was die Terroristen planen. Wir können nur beten, dass das nicht eintritt."

Viele Einwohner bezweifeln, dass eine verstärkte Militärpräsenz zu echter Sicherheit führen wird. "Ich bin nicht sehr zuversichtlich. Die Sicherheitskräfte waren bisher nicht in der Lage, umfassende Sicherheit zu gewährleisten. Sie konnten Fälle wie diesen nicht verhindern", sagt Khairah, eine Studentin.

Samuel stimmt zu, dass die Behörden eher reaktiv als proaktiv zu handeln scheinen. "Das ist eindeutig reaktiv. Man befindet sich eindeutig in der Defensive. die Sicherheitskräfte haben die Initiative an die Gruppen abgegeben und sind eher defensiv", sagt er.

Präsident Tinubu beharrt jedoch darauf, dass die Angriffe den zunehmenden Druck auf die Aufständischen widerspiegeln. "Diese Terrorakte sind die letzten verzweifelten und hektischen Versuche von Kriminellen und terroristischen Elementen unter dem ständigen Druck unserer tapferen Streitkräfte", sagte er kürzlich.

Er hat daraufhin eine Intensivierung der Operationen im gesamten Bundesstaat Borno angeordnet, um die Überwachung und die Sicherheitspräsenz zu verstärken.  

Drohende Instabilität in der Region 

Boko Haram und mit ihr verbündete bewaffnete Gruppensind weiterhin im gesamten Tschadsee-Becken aktiv - das betrifft Nigeria, den Tschad, Kamerun und Niger. Samuel warnt, das Wiederaufflammen der Gewalt sei nicht nur für den Bundesstaat Borno, sondern für das ganze Land beunruhigend.

"Es ist ein großes Problem für Nigeria, nicht nur in der Region um das Tschadsee-Becken. Es ist eine große Sorge für Nigeria, insbesondere angesichts des bevorstehenden Wahljahres", sagt er.

Unterdessen haben die Vereinigten Staaten kürzlich damit begonnen, Truppen nach Nigeria zu entsenden, um den Kampf gegen dschihadistische Gruppen zu unterstützen. Nach Angaben des US-Afrika-Kommandos werden etwa 200 Soldaten Teil des umfassenderen Einsatzes sein.

Samuel ist der Ansicht, dass Nigeria diese Unterstützung effektiv nutzen muss. "Wir müssen das Problem der mangelnden Synergie zwischen den verschiedenen Regierungsbehörden lösen", sagt er. "Zweitens müssen Wege gefunden werden, diesen Gruppen die finanzielle Grundlage zu entziehen. Wenn wir dazu in der Lage ist, erschweren wir ihnen die Arbeit."

Malam Husaini Garba Sawaba, ein Sicherheitsexperte, rief die Menschen zur Wachsamkeit auf. "Jeder ist beschäftigt und hat etwas vergessen", sagt er gegenüber der DW. "Jeder ist wieder seinen eigenen Geschäften nachgegangen; man muss auf seine Angehörigen achten und darauf, was sie mitbringen."

Für die Einwohner von Maiduguri ist die Unsicherheit erdrückend. Abdullahi stimmt zu, dass die Menschen wachsam bleiben müssen: "Wenn man von hier stammt, bewegt man sich mit Wachsamkeit. Man versucht auch, Menschenansammlungen wegen solcher Anschläge zu meiden."

Adam, der noch immer erschüttert ist, kann nur auf eine Rückkehr zu dem Frieden hoffen, den die Stadt in den letzten Jahren genossen hat: "Ich bin zutiefst betrübt über die Situation. Ich bete, dass Gott uns beschützt und mehr Frieden bringt. Möge dies der letzte Vorfall sein."

Jamiu Abiodun Sulaiman hat zu diesem Artikel beigetragen.

Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt.