Niederlande und Japan machen Werbung für den Frauenfußball | Sport | DW | 25.06.2019
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FIFA Frauen-WM

Niederlande und Japan machen Werbung für den Frauenfußball

Zum Abschluss des Achtelfinales der Frauen-WM bieten die Niederlande und Japan ein hochklassiges Duell, in dem alles stimmt - bis auf das Ende. Nach einem der besten Spiele des Turniers entscheidet ein Handelfmeter.

Viel Tempo, brillante Technik, hoher Einsatz, zahlreiche Chancen, zwei wunderschöne Tore und rund 25.000 begeisterte Fans auf den Rängen - viel besser und spannender als beim Achtelfinalspiel der Frauen-WM zwischen Europameister Niederlande und Vize-Weltmeister Japan kann Frauenfußball eigentlich nicht sein. Haben die Zuschauer in Rennes das bislang beste Spiel dieser Frauen-WM miterlebt?

Zumindest war es eines der besten - und in jedem Fall ein sehr gutes. Offenbar passte es hervorragend zusammen, dass das eine Team - die eher großgewachsenen Niederländerinnen, die gegen die Japanerinnen immer wieder mit langen Bällen auf die Flügel und Flanken agierten - genauso wie das andere Team - die kleinen und wuseligen Asiatinnen - das Visier öffnete und ohne großes Abtasten nach vorne spielte. Aufteilung der Spielanteile: ungefähr 30 zu 70 - zunächst waren die Niederländerinnen besser, dann über weite Strecken die Japanerinnen, doch spannend und hochklassig war es die ganze Zeit.

Martens "erfindet" neue Sorte Treffer

Eher klein und auf jeden Fall recht wuselig - also fast schon japanisch - präsentierte sich in der Anfangsphase auch die beste Niederländerin: Lieke Martens drückte dem Spiel der "Oranje Vrouwen" gleich zu Beginn den Stempel auf, machte immer wieder Tempo über die linke Angriffseite und kreierte zum krönenden Abschluss ihrer ganz persönlichen Drangphase auch noch eine neue Art von Kunstschuss: das "Hacken-Tunnel-Tor". Nach einer Ecke sprang sie hoch, streichelte den Ball mit dem Rücken zum Tor mit der Ferse und gab ihm so die entscheidende Richtungsänderung mit. Durch die Beine von Abwehrspielerin Yuika Sugasawa trudelte das runde Leder neben dem langen Pfosten unhaltbar zum 1:0 ins Netz (17. Minute).

Frauenfußball-WM - Niederlande - Japan (picture-alliance/dpa/J. Le Gall)

Zunge raus, Hacke rein in die Flugbahn des Balls, fertig ist das "Hacken-Tunnel-Tor"

Nicht umsonst wird die 26-jährige Lieke Elisabeth Petronella Martens, die seit 2017 für den FC Barcelona spielt, "Messis kleine Schwester" genannt, wobei bezweifelt werden darf, dass dem kleinen Argentinier, der schon viele schöne Tore erzielt hat, einmal ein "Hacken-Tunnel-Tor" gelang. Gedanken, die sich in Rennes allerdings keiner machte: Alles, was Orange trug - Spielerinnen und Fans - waren aus dem Häuschen, die aus den Niederlanden angereiste Blaskapelle schmetterte ihre Lieder fortan noch lauter in den bretonischen Abendhimmel als zuvor.

Gestreichelt, nicht geballert

Doch die Antwort der Japanerinnen war ähnlich zum mit der Zunge schnalzen wie das Tor von Martens: Nachdem Japan schon nach dem Rückstand immer besser in Spiel gefunden hatte, gelang noch vor der Pause der Ausgleich: Mit einigen schnellen, kurzen Pässen kombinierten sich die Vizeweltmeisterinnen durch die Abwehr der Niederlande. Schließlich stand die - sogar für japanische Verhältnisse - kleine Yui Hasegawa frei vor dem Tor und erzielte das 1:1. Ein schöner Treffer, weil sie nicht mit Wucht und Gewalt verwandelte, sondern den Ball elegant und mit viel Gefühl in den oberen, rechten Torwinkel streichelte (44.).

Frauenfußball-WM - Niederlande - Japan (picture-alliance/dpa/S. Gollnow)

Hoch ins rechte Toreck - damit hat Oranjes Torfrau Sari van Veenendaal nicht gerechnet

Und nach dem Seitenwechsel ging die Nippon-Dominanz weiter. Das Spiel war nun immer noch hochklassig, vor allem aber, weil Japan nur klar besser war. Europameister Niederlande wurde regelrecht hinten eingeschnürt von den Japanerinnen, die Taktik mit den langen Bällen sah nun eher nach Verzweiflung als nach taktischem Plan aus. Je länger das Spiel dauerte, umso klarer wurde, dass es letztlich nur einen Sieger geben konnte. Spätestens nach 80 Spielminuten musste man sich Gedanken darüber machen, ob Torfrau Sari van Veenendaal Oranjes Beste war, die mehrfach in höchster Not retten musste, und nicht Martens.

Tränen zum Schluss

Doch wie so oft im Fußball siegte am Ende nicht die bessere Mannschaft, sondern die glücklichere. Oder genauer gesagt, es verlor die unglücklichere: Ein Schuss aus kurzer Distanz, der Japans Top-Spielerin Saki Kumagai im eigenen Strafraum am Arm traf, einem Arm, der nicht eng am Körper anlag, entschied die Partie. Den fälligen Handelfmeter verwandelte erneut Martens (89.) und stürzte Japan damit ins Tal der Tränen. Denn kurze Zeit danach war Schluss, die Vizeweltmeisterinnen ausgeschieden. Selbst bei Trainerin Asako Takakura glitzerten die Augen feucht, als sie ihr Team um sich versammelte und den Spielerinnen wahrscheinlich erzählte, dass sie trotz der knappen Niederlage stolz auf sich sein konnten. 

Unter den Zuschauern in Rennes waren übrigens auch die DFB-Frauen, die an selber Stelle am Samstag ihr Viertelfinale gegen die Schwedinnen bestreiten werden. Sollten sie sich gegen die Skandinavierinnen durchsetzen, wären die Niederländerinnen ein möglicher Halbfinalgegner. Die Niederlande treffen im Viertelfinale auf Italien, das China mit 2:0 ausschaltete. Insgesamt kommen sieben der besten acht Mannschaften aus Europa. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg und ihre Spielerinnen dürften aber dank Japan jetzt zumindest schonmal eine Idee davon haben, wie man die "Oranje Vrouwen" schlagen kann.

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