Neufundland: Rushhour auf der "Eisberg-Allee"
Im Frühling ist Hochsaison: Gewaltige Eisberge treiben an der Ostküste Kanadas vorbei und locken Besucherinnen und Besucher aus aller Welt an.

Eiskalte Schönheit
Er hat bereits eine weite Reise hinter sich: Die meisten Eisberge, die im Frühling und Sommer an Kanadas östlichster Provinz Neufundland und Labrador vorbeitreiben, sind von Gletschern in Westgrönland abgebrochen. Von den jährlich etwa 40.000 gekalbten Eisbergen erreicht nur ein Bruchteil nach zwei Jahren die südlichen Gewässer Neufundlands.
Gewinnbringende Gletscherstücke
Rund 400 bis 800 Eisriesen treiben hier jedes Jahr vorbei, weshalb der Küstenabschnitt auch als "Iceberg Alley", deutsch "Eisberg-Allee" bezeichnet wird. Für die kanadische Wirtschaft sind sie ein Gewinn: Zur besten Zeit zwischen April und Juli besuchen zahlreiche Eisberg-Touristen Neufundland und Labrador, um das Naturphänomen zu bestaunen.
Alltag an der Eisberg-Allee
Die Einheimischen hingegen haben sich längst an den Anblick gewöhnt: Raymond Rogers aus Burnt Point wirft dem vorbeitreibenden Eisberg nur einen flüchtigen Blick zu, während er seine Wäsche aufhängt.
Weißer Riese
Ein Eisberg, der im Hafen von Pouch Cove gestrandet ist, überragt die Häuser des Ortes. Seine wahre Dimension ist dennoch nur zu erahnen: Nur zehn Prozent eines Eisbergs ragen aus dem Wasser heraus. 1912 wurde dieser Fakt der "Titanic" zum Verhängnis: Das berühmte Schiff kollidierte mit dem unter Wasser liegenden Teil eines riesigen Eisbergs und sank etwa 600 Kilometer vor der Küste Neufundlands.
Eisbergwasser für die Elite
Harte Arbeit: Mit einer Axt schlägt Taylor Lindsorn vor der Küste Kanadas Eis von einem Eisberg ab. "Eisbergjäger" wie er bergen Eisbrocken im Nordatlantik, schmelzen sie und verkaufen das Eisbergwasser, das als besonders rein gilt und als Luxusprodukt vermarktet wird. Unter anderem kommt es in Spirituosen und Kosmetika zum Einsatz.
Eisberg-Exitus
Langes Leben: Das Eis der Eisberge ist oft zwischen 10.000 und 25.000 Jahre alt. Doch das Ende der Eisberg-Allee bei St. John`s, der Provinzhauptstadt von Labrador und Neufundland, ist auch das Ende der meisten durchreisenden Eisberge: Sie schmelzen im warmen Golfstrom, der dort den kalten Labradorstrom nach Westen abdrängt.