Neuer Verdacht auf Diesel-Betrug bei Audi | Wirtschaft | DW | 08.05.2018
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Wirtschaft

Neuer Verdacht auf Diesel-Betrug bei Audi

Dieselkrise und kein Ende: Audi drohen verpflichtende Rückrufe von Tausenden von Fahrzeugen. Und VW-Konzernchef Diess soll laut Berichten in den USA ausgesagt haben.

Im Diesel-Abgasskandal nimmt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die VW-Tochter Audi ins Visier. Wegen des Verdachts auf eine unzulässige Abschalteinrichtung bei Dieselfahrzeugen der Modelle A6 und A7 hat die Behörde eine amtliche Anhörung eingeleitet, wie ein KBA-Sprecher am Dienstag in Flensburg sagte. Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin "Spiegel" darüber berichtet. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums sind in Deutschland rund 33.000 Fahrzeuge betroffen, weltweit sind es insgesamt rund 60.000.

Der Autobauer habe die jüngsten Mängel Ende vergangener Woche bei einer Routineüberprüfung festgestellt und der Behörde selbst gemeldet. Danach sei die Auslieferung gestoppt worden. Audi geht davon aus, dass sich die Mängel per Software beheben lassen.

Staatsanwalt weitet Ermittlungen aus

Die Volkswagentochter Audi hat nun in der Anhörung Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Bestätigt es sich, dass die Fahrzeuge eine unzulässige Abschalteinrichtung haben, drohen verpflichtende Rückrufe, wie dies bereits bei Millionen von VW-Dieselautos der Fall war.

Die Staatsanwaltschaft weitet ihre Ermittlungen gegen Audi deshalb aus. Die Fahrzeuge, die das Kraftfahrt-Bundesamt nun zusätzlich untersuche, würden auch Gegenstand der strafrechtlichen Ermittlungen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München am Dienstag. Beide Behörden arbeiteten eng zusammen. Die Zahl der wegen Betrugs und strafbarer Werbung Beschuldigten in dem Münchner Verfahren liege unverändert bei 18 Personen, darunter zwei frühere Vorstandsmitglieder.

"Die Bosse der Automobilhersteller spielen mit ihrem guten Ruf, wenn sie seit Jahren immer nur scheibchenweise zugeben, wo sie noch manipuliert haben", sagte Sören Bartol, stellvertretender Chef der SPD-Fraktion im Bundestag. Alle Hersteller sollten nun "reinen Tisch" machen und alle Tricksereien offenlegen, so Bartol weiter.

Deutschland VW Herbert Diess und Matthias Müller (imago/IPON/S. Boness)

Der neue VW-Chef Diess (l.) soll frei reisen können, Vorgänger Müller ließ das Risiko vor Reisen prüfen, so die SZ

Diess soll über Winterkorn ausgesagt haben

Der neue Volkswagen-Chef Herbert Diess soll bei der US-Justiz über seinen Vorgänger Martin Winterkorn ausgesagt haben. Wie die "Bild"-Zeitung am Dienstag berichtete, reiste Diess "um den 1. Mai herum" in die USA, um mit Vertretern des US-Justizministeriums sowie der Bundespolizei FBI zu sprechen. Diese stuften seine Aussagen als "offenbar belastend" für Winterkorn ein.

Diess selbst muss dem Bericht zufolge keine unmittelbare Festnahme durch die USA mehr fürchten - im Gegensatz zu seinem ehemaligen Chef Winterkorn, dem in den USA der Prozess gemacht werden soll.

Auch die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet unter Berufung auf zwei mit dem Fall vertraute Quellen, dass gegen Diess in den USA derweil kein strafrechtlich relevanter Verdacht im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal vorliegt. Das US-Justizministerium habe Diess "freies Geleit" bei Auslandsreisen zugesichert und ihm sogar versprochen, ihn im Fall einer Klage vorab zu informieren.

Damit könne sich Diess ohne Angst vor einer Verhaftung weltweit frei bewegen. Weder das Justizministerium noch das Unternehmen wollten sich auf Nachfrage zu dem Bericht äußern.

Der frühere VW-Chef Matthias Müller, den Diess im April abgelöst hatte, habe vor Auslandsreisen jedes Mal aufs Neue sondieren lassen müssen, ob er risikolos fliegen könne, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Diesel AdBlue (picture-alliance/dpa/S. Pförtner)

Der Harnstoff AdBlue spielt eine wichtige Rolle beim jüngsten Verdacht gegen Audi

Harnstoff sparen

Bei den nun zu untersuchenden Audis soll es sich laut "Spiegel" um Audi A6-Fahrzeuge mit der neueren Schadstoffklasse Euro 6 handeln. Diese Autos seien mit einem sogenannten SCR-Katalysator zur Reinigung der Stickoxide ausgestattet.

Dieser benötige für eine reibungslose Funktion AdBlue, das ist Harnstoff, der in einem zusätzlichen Tank untergebracht ist. Der Harnstoff werde in den Abgasstrom eingespritzt und sorge dafür, dass die Stickoxide in harmlosen Stickstoff und Wasserdampf umgewandelt werden.

Damit der Kunde nicht selber Harnstoff nachfüllen müsse, sondern erst die Werkstatt beim nächsten Service, habe Audi die Einspritzung der Reinigungsflüssigkeit offenbar 2400 Kilometer, bevor sie zur Neige geht, stark gedrosselt. In der Zeit, da die Zufuhr von Harnstoff abgeregelt sei, funktioniere der SCR-Katalysator zur Reinigung von Stickoxiden im Abgas nicht oder nur extrem eingeschränkt. Das gesundheitsschädliche Gas entweicht damit laut Bericht in hohen Konzentrationen aus dem Auspuff.

Das Image des Diesel ist bereits schwer belastet. Gründe sind der Abgasskandal, bei denen unzulässige Abschalteinrichtungen eine Hauptrolle spielen, sowie drohende Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge. In vielen Städten werden Schadstoff-Grenzwerte überschritten. Dabei geht es um den Ausstoß gesundheitsschädlicher Stickoxide. Diesel sind ein Hauptverursacher. Die Neuzulassungen von Dieselfahrzeugen sind seit Monaten auf Talfahrt.

bea/ tko (dpa, reuters)