Nasrin Sotudeh muss ins Gefängnis zurück | Aktuell Nahost | DW | 03.12.2020
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Right Livelihood Award

Nasrin Sotudeh muss ins Gefängnis zurück

Irans renommierte Menschenrechtsanwältin hat - in Abwesenheit - den Alternativen Nobelpreis bekommen. Doch nur Stunden vor der (virtuellen) Preisverleihung ist der Hafturlaub von Nasrin Sotudeh beendet worden.

Die iranische Menschenrechtlerin Nasrin Sotudeh hat ihren Hafturlaub beenden müssen und ist wieder zurück im Gefängnis. Auf der Facebook-Seite ihres Ehemannes Resa Chandan gab die 57-Jährige bekannt, dass sie in die Frauenanstalt Gharchak zurückkehre. Zuvor hatte Chandan auf Twitter mitgeteilt, die Justiz ignoriere die Anweisungen der Ärzte, die ihren Hafturlaub um zwei Wochen verlängert hatten, und schicke sie zurück in die Haft.

Die Right-Livelihood-Stiftung in Schweden reagierte scharf. "Das ist eine unerhörte Ungerechtigkeit", sagte Ole von Uexküll, Exekutiv-Direktor der Stiftung. "Mit diesem jüngsten Schritt haben die iranischen Behörden gezeigt, dass sie alles daransetzen werden, Sotudeh ihr legitimes Recht zu verweigern, auf eine gerechtere Gesellschaft hinzuarbeiten." Sotudeh hat sich als Anwältin für politische Aktivisten eingesetzt, für die Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi und für Frauen, die aus Protest gegen die iranische Gesetzeslage in der Öffentlichkeit ihre Kopftücher abgenommen hatten. An diesem Donnerstagabend wurde sie in Stockholm - in Abwesenheit - von der Stiftung mit dem sogenannten Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Im Knast mit Corona infiziert

Die Rückkehr ins Gefängnis und zu ihren Mithäftlingen falle ihr nicht so schwer, schrieb Sotudeh. Das liege auch daran, dass sie während des Hafturlaubs ihre beiden Kinder wegen ihres positiven Corona-Tests nicht habe in die Arme nehmen können. Kurz nach Beginn ihres Hafturlaubs war Sotudeh positiv auf das Coronavirus getestet worden. Angesteckt hatte sie sich im Gefängnis Gharchak südlich der Hauptstadt Teheran. Ihr Ehemann beschreibt die hygienischen Zustände dort als besonders katastrophal.

Sotudeh durfte im November nach über zwei Jahren erstmals das Gefängnis verlassen, weil ihr Gesundheitszustand als besorgniserregend galt. Die Anwältin und Frauenrechtlerin hatte mit einem fast 50-tägigen Hungerstreik gegen die Haftbedingungen politischer Gefangener während der Corona-Pandemie protestiert.

33 Jahre, sechs Monate und 148 Peitschenhiebe

Der Anwältin wird "staatsfeindliche Propaganda" vorgeworfen. Sie wurde 2018 von einem Revolutionsgericht zu einer Haftstrafe von 33 Jahren und sechs Monaten sowie zu 148 Peitschenhieben verurteilt. Von der Haft muss sie mindestens zwölf Jahre absitzen. Sotudeh hatte vor Gericht alle Vorwürfe zurückgewiesen. Sie engagiere sich lediglich friedlich für Frauenrechte und gegen die Todesstrafe im Iran. Sie und ihr Mann gehören zu den renommiertesten Menschenrechtsaktivisten des Landes.

rb/ml (dpa, rightlivelihoodaward.org)

Video ansehen 02:24

Alternativer Nobelpreis für vier Menschenrechtler

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