1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
PolitikNahost

US-Botschafter erzürnt mit Bibel-Aussage arabische Welt

22. Februar 2026

Nach einem Interview mit Tucker Carlson steht US‑Botschafter Mike Huckabee in der Kritik. Seine Aussagen zu angeblich biblisch begründeten Gebietsansprüchen Israels lösen Proteste in zahlreichen arabischen Staaten aus.

https://p.dw.com/p/59Df0
Israel Jerusalem 2025 | Mike Huckabee, unscharf im Profil aufgenommen, im Präsidentenpalast Beit Hanassi - im Hintergrund ein Gemälde mit einer Stadtansicht von Jerusalem (15.09.2025)
Botschafter Huckabee vor einem Jerusalem-Gemälde in der Residenz des israelischen Präsidenten (im September)Bild: Nathan Howard/AFP/Getty Images

Ein Interview, das der Botschafter der USA in Israel, Mike Huckabee, gegeben hat, schlägt hohe Wellen. Auslöser sind Huckabees Äußerungen über vermeintlich biblisch belegte Gebietsansprüche Israels in weiten Teilen des Nahen Ostens.

Interviewt wurde er von dem ultrarechten US-Moderator Tucker Carlson. Der fragte Huckabee, ob Israel gemäß wörtlicher Auslegung der Bibel das Recht habe, große Teile des heutigen Nahen Ostens zu beanspruchen. Huckabee antworte, es sei "in Ordnung", wenn Israel die Gebiete zwischen den Flüssen Nil in Ägypten und Euphrat in Syrien und dem Irak "nehmen würde".

Israel Jerusalem 2025 | Mike Huckabee bei einem Reuters-Interview (10.09.2025)
US-Diplomat Huckabee (Archivbild)Bild: Ronen Zvulun/REUTERS

Der ehemalige Baptistenprediger und Israel-Unterstützer Huckabee bezog sich in dem am Freitag veröffentlichen Interview auf einen Bibelvers aus dem Buch Genesis. Der Vers 15,18 wird teilweise so interpretiert, dass Israel einen historischen Anspruch auf das gesamte Land zwischen Nil und Euphrat habe.

Huckabee: "Sie wollen ihr Volk schützen"

Israel verlange jedoch nicht, "alles zu nehmen", fügte Huckabee auf Nachfrage Carlsons hinzu. Israel habe das Recht, in dem Land zu leben, das es derzeit besitze, sagte der US-Botschafter. "Sie versuchen nicht, Jordanien, Syrien, den Irak oder irgendein anderes Land zu erobern", verteidigte Huckabee die israelische Regierung: "Sie wollen ihr Volk schützen."

Die Interview-Antworten wurden von zahlreichen Regierungen in der Region "auf das Schärfste" verurteilt. In einer gemeinsamen Erklärung nannten mehr als ein Dutzend arabischer und muslimisch geprägter Staaten Huckabees Äußerungen "gefährlich und hetzerisch".

Sie äußerten deshalb ihre "tiefe Besorgnis". Die Aussagen des US-Botschafters stellten einen "eklatanten Verstoß" gegen die Grundsätze des Völkerrechts und die Charta der Vereinten Nationen dar.

Die gemeinsame Erklärung wurde von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten, Jordanien, Indonesien, Pakistan, der Türkei, Katar, Kuwait, Oman, Bahrain, Libanon und Syrien unterzeichnet sowie von der Organisation für Islamische Zusammenarbeit, der Arabischen Liga und dem Golf-Kooperationsrat.

Mehrere arabische Staaten hatten zuvor bereits Kritik geübt. Saudi-Arabien bezeichnete die Äußerungen des US-Diplomaten als "leichtfertig" und "unverantwortlich". Jordanien sprach von einem "Angriff auf die Souveränität der Länder in der Region".

Kritik an Tucker Carlson

Der israelische Parlamentspräsident Amir Ohana lobte Huckabee für dessen pro-israelische Haltung im Interview. Den Moderator Carlson bezichtigte Ohana hingegen der "Unwahrheit und Manipulation".

USA Phoenix 2025 | Tucker Carlson mit Handmikrophon an einem Rednerpult (18.12.2025)
Moderator Carlson (Archivbild)Bild: Olivier Touron/AFP

Der ultrarechte Podcast-Host sieht sich seit kurzem mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert. Carlson hatte zuvor ein langes, unkritisches Interview mit dem selbsternannten weißen Nationalisten Nick Fuentes geführt, in dem dieser Adolf Hitler lobte, den Holocaust leugnete und Juden in den USA als illoyal bezeichnete.

AR/wa/rb (afp, dpa, rtr)

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen