US-Botschafter erzürnt mit Bibel-Aussage arabische Welt
22. Februar 2026
Ein Interview, das der Botschafter der USA in Israel, Mike Huckabee, gegeben hat, schlägt hohe Wellen. Auslöser sind Huckabees Äußerungen über vermeintlich biblisch belegte Gebietsansprüche Israels in weiten Teilen des Nahen Ostens.
Interviewt wurde er von dem ultrarechten US-Moderator Tucker Carlson. Der fragte Huckabee, ob Israel gemäß wörtlicher Auslegung der Bibel das Recht habe, große Teile des heutigen Nahen Ostens zu beanspruchen. Huckabee antworte, es sei "in Ordnung", wenn Israel die Gebiete zwischen den Flüssen Nil in Ägypten und Euphrat in Syrien und dem Irak "nehmen würde".
Der ehemalige Baptistenprediger und Israel-Unterstützer Huckabee bezog sich in dem am Freitag veröffentlichen Interview auf einen Bibelvers aus dem Buch Genesis. Der Vers 15,18 wird teilweise so interpretiert, dass Israel einen historischen Anspruch auf das gesamte Land zwischen Nil und Euphrat habe.
Huckabee: "Sie wollen ihr Volk schützen"
Israel verlange jedoch nicht, "alles zu nehmen", fügte Huckabee auf Nachfrage Carlsons hinzu. Israel habe das Recht, in dem Land zu leben, das es derzeit besitze, sagte der US-Botschafter. "Sie versuchen nicht, Jordanien, Syrien, den Irak oder irgendein anderes Land zu erobern", verteidigte Huckabee die israelische Regierung: "Sie wollen ihr Volk schützen."
Die Interview-Antworten wurden von zahlreichen Regierungen in der Region "auf das Schärfste" verurteilt. In einer gemeinsamen Erklärung nannten mehr als ein Dutzend arabischer und muslimisch geprägter Staaten Huckabees Äußerungen "gefährlich und hetzerisch".
Sie äußerten deshalb ihre "tiefe Besorgnis". Die Aussagen des US-Botschafters stellten einen "eklatanten Verstoß" gegen die Grundsätze des Völkerrechts und die Charta der Vereinten Nationen dar.
Die gemeinsame Erklärung wurde von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten, Jordanien, Indonesien, Pakistan, der Türkei, Katar, Kuwait, Oman, Bahrain, Libanon und Syrien unterzeichnet sowie von der Organisation für Islamische Zusammenarbeit, der Arabischen Liga und dem Golf-Kooperationsrat.
Mehrere arabische Staaten hatten zuvor bereits Kritik geübt. Saudi-Arabien bezeichnete die Äußerungen des US-Diplomaten als "leichtfertig" und "unverantwortlich". Jordanien sprach von einem "Angriff auf die Souveränität der Länder in der Region".
Kritik an Tucker Carlson
Der israelische Parlamentspräsident Amir Ohana lobte Huckabee für dessen pro-israelische Haltung im Interview. Den Moderator Carlson bezichtigte Ohana hingegen der "Unwahrheit und Manipulation".
Der ultrarechte Podcast-Host sieht sich seit kurzem mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert. Carlson hatte zuvor ein langes, unkritisches Interview mit dem selbsternannten weißen Nationalisten Nick Fuentes geführt, in dem dieser Adolf Hitler lobte, den Holocaust leugnete und Juden in den USA als illoyal bezeichnete.
AR/wa/rb (afp, dpa, rtr)