Nach dem Corona-Lockdown: Mit Mundschutz ins Museum | Kultur | DW | 17.05.2020
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Internationaler Museumstag

Nach dem Corona-Lockdown: Mit Mundschutz ins Museum

Die Corona-Zwangspause für die Museen ist vorüber. Kunstfreunde dürfen sich wieder Ausstellungen ansehen, allerdings unter Auflagen. Es herrschen strenge Hygienevorschriften.

Dienstagmorgen, Punkt 10 Uhr. Als eines der ersten Museen in Deutschland öffnet die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf ihre Drehtür. Draußen bilden etwa zwanzig Besucher mit Masken eine Schlange. Museumsdirektorin Susanne Gaensheimer erwartet sie. Mein Mikrofon habe ich an einem Besenstiel befestigt, um mit ausreichend Abstand Interviews führen zu können. Corona macht erfinderisch. Auch für Susanne Gaensheimer ist der erste Museumstag nach dem Lockdown eine Feuertaufe. Reichen die Maßnahmen? Und vor allem: Trauen sich überhaupt schon wieder Besucher in die Museen? Ich habe mich in Düsseldorf umgesehen.

Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (Kunstsammlung NRW/ Andreas Endermann)

Susanne Gaensheimer - hier ohne Mundschutz

Gemeinsam mit dem Museumspersonal hat die Direktorin die letzten Wochen dazu genutzt, den Neustart von K20, wo die Werke des 20. Jahrhunderts der Kunstsammlung NRW untergebracht sind, nach den neuen Hygienevorgaben vorzubereiten. Dazu gehört ein Abstand von 1,50 Meter in den Ausstellungsräumen, die Bereitstellung von Desinfektionsmittel und eine Maskenpflicht. Am besten trägt man sie schon beim Betreten des Museums. Doch: "Jedem, der keine Maske hat, stellen wir eine Einwegmaske zur Verfügung", sagt Gaensheimer.

Corona-Schutzmaßnahmen für die ersten Besucher

Auf dem Boden in der Eingangshalle von K20 kleben nun Abstandsaufkleber, und der Kassenbereich ist durch Plexiglaswände geschützt. Am ersten Tag nach dem Lockdown sind es eher wenige Menschen, die den Weg in die Kunstsammlung NRW finden. Eine Mutter mit zwei Kindergartenkindern ist froh, sich wieder ein Stück Normalität zurückzuerobern. Auch wenn sie Bedenken hat, dass es schon wieder losgeht, wie sie hinter ihrer Maske erklärt: "Trotzdem freuen wir uns auch. Deshalb sind wir heute so früh losgegangen."

Auch eine Gruppe von drei Freundinnen hat der Museumsöffnung sehnsüchtig entgegengefiebert. "Ohne Kunst geht es für uns nicht", sagt eine von ihnen. Die Freundinnen sind gekommen, um sich die Ausstellung "Pablo Picasso. Kriegsjahre 1939 bis 1945" anzusehen.

Neue Wege der Wissensvermittlung

Vieles ist jetzt anders. Führungen durch Sammlung oder Ausstellung sind vorerst verboten. Auch Audioguide-Geräte gibt es nicht mehr zu leihen, stattdessen können Besucher eine Info-App auf ihr eigenes Handy laden. Trotz dieser Neuerungen: Die Bedingungen für den Besuch einer Blockbuster-Ausstellung wie "Pablo Picassos Kriegsjahre" sind jetzt eigentlich ideal. So viel Platz vor den Werken hätte es vor Corona auf jeden Fall nicht gegeben.

Blick in die Ausstellung Pablo Picasso. Kriegsjahre 1939 bis 1945 im K20 (Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen/Achim Kukulies)

Nur 60 Besucher dürfen die Picasso-Ausstellung gleichzeitig betreten

Auch in der Kunsthalle Düsseldorf, nur wenige Meter von der Kunstsammlung NRW entfernt, hält sich das Gedränge in Grenzen. Direktor Gregor Jansen wollte die aktuelle Ausstellung "Subjekt und Objekt. Foto Rhein Ruhr" eigentlich Ende März mit einer feierlichen Vernissage eröffnen. Doch dann kam der Lockdown dazwischen. Deshalb konnte bislang noch niemand die Schau zur Fotoszene an Rhein und Ruhr ansehen. "Heute gibt es keine Eröffnung mit Reden oder mit vielen Künstlern. Man feiert eher im Stillen."

Neue Aufgaben für das Museumspersonal

Zum ersten Mal zeigt die Ausstellung "Subjekt Objekt", wie sich die Fotografie als eigene Kunstgattung seit den 1960er Jahren zwischen Essen, Krefeld, Düsseldorf und Köln etabliert hat. Zu sehen sind frühe Exemplare der sachlichen Fotografie des Künstlerpaars Bernd und Hilla Becher genauso wie Porträtfotografie des Esseners Detlef Orlopp oder Werke jüngerer noch weniger bekannter Künstler.

Die Becher-Klasse Ausstellung Frankfurter Städel (Estate Bernd/Hilla Becher)

Werke der sachlichen Fotografie des Ehepaars Bernd und Hilla Becher sind in der Kunsthalle Düsseldorf jetzt wieder zu sehen

Auch in der Kunsthalle hat man an diesem ersten Tag nach dem Lockdown viel Platz. Circa 15 Besucher verteilen sich auf die drei Etagen. Sie tragen - so wie ich auch - selbst genähte Mundschutz-Masken. Genau wie in K20 herrschen auch in der Kunsthalle Düsseldorf strenge Hygienevorschriften. Es ist Improvisationstalent und Humor gefragt. Ein Museumsmitarbeiter ist dafür zuständig, dass nicht zu viele Besucher gleichzeitig eintreten. Wie ein Schülerlotse steht er mit einer Kelle an der Eingangstür. "Wenn der Kassenbereich belegt ist, gibt es rot, wenn alles frei ist grün", sagt er schmunzelnd. Für eine Besucherin der Kunsthalle an diesem besonderen Tag ist es auch ein wichtiges Zeichen der Solidarität, am ersten Tag ein Ticket für die Ausstellung zu kaufen. Denn: "Ein leeres Museum bedeutet leeres Leben."

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