Nach antisemitischem Video: Kotsaba verzichtet auf Aachener Friedenspreis | Aktuell Europa | DW | 23.05.2019
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Antisemitismus

Nach antisemitischem Video: Kotsaba verzichtet auf Aachener Friedenspreis

Der Verein "Aachener Friedenspreis" wollte das Engagement des Ukrainers Kotsaba ehren. Doch dessen antisemitische Äußerungen brachten den Verein in Bedrängnis. Nun hat der Journalist selbst einen Schlussstrich gezogen.

Der ukrainische Journalist Ruslan Kotsaba (Artikelbild) verzichtet auf den Aachener Friedenspreis in diesem Jahr. Kurz nach Bekanntgabe der Auszeichnung tauchte ein Video mit antisemitischen Äußerungen Kotsabas aus dem Jahr 2011 auf. Daraufhin wurde ihm der Friedenspreis zunächst wieder aberkannt.

Allerdings hätte darüber endgültig nur eine Außerordentliche Mitgliederversammlung entscheiden können. Dies sei mit Kotsabas Verzicht nun nicht mehr notwendig, jedoch werde die Mitgliederversammlung dennoch stattfinden, um den Fall aufzuarbeiten, teilte der Verein "Aachener Friedenspreis" mit. Man danke "Kotsaba ausdrücklich für seinen Entschluss, durch den Verzicht auf die Auszeichnung Schaden vom Aachener Friedenspreis abzuwenden."

Glaubhafte Distanzierung?

Der Verein betonte aber, dass sich Kotsaba glaubwürdig von seinen antisemitischen Aussagen aus dem Jahr 2011 distanziert habe. "Menschen haben aus unserer Sicht das Recht, sich weiterzuentwickeln und auch grundlegende Einstellungen zu ändern", sagte eine Sprecherin des Vereins und bekräftigte den "Respekt für Ruslan Kotsabas friedenspolitisches Engagement und seinen Mut, mit hohem persönlichem Risiko dafür einzustehen."

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Volker Beck bestreitet in der "Jüdischen Allgemeinen" jedoch eine glaubhafte Distanzierung seitens Kotsaba. So habe sich der Ukrainer beispielsweise nicht von dem antisemitischen Begriff des "Halbjuden", den er in dem veröffentlichten Video verwendete, distanziert. Kotsaba habe dies lediglich mit dem Verweis relativiert, die Haltung sei "typisch" für die Westukraine.

Kotsaba war der Preis zunächst Anfang Mai zuerkannt worden, weil er sich als einziger Journalist der Ukraine um eine objektive Berichterstattung über den Konflikt in der Ostukraine bemühe. In seinen Reportagen bezeichne er den kriegerischen Konflikt als "Bürgerkrieg und Brudermord" und rufe zur Kriegsdienstverweigerung auf. Als ein Video mit antisemitischen Äußerungen auftauchte, entschied der Vorstand sich für die Rücknahme der Ehrung. 

Die Verleihung der mit je 2.000 Euro dotierten Auszeichnung soll wie in den Vorjahren am Antikriegstag am 1. September in Aachen stattfinden. Weitere Preisträger sind der "Initiativkreis gegen Atomwaffen" und das Netzwerk "Büchel ist überall - atomwaffenfrei jetzt!". Der 1988 erstmals verliehene Preis will Personen oder Gruppen würdigen, die "von unten her" zu Frieden und Verständigung beitragen.

lh/kle (KNA, dpa, Aachener Friedenspreis, Jüdische Allgemeine)