Moskaus Inlandsgeheimdienst spricht von NATO-Spionage | Aktuell Welt | DW | 07.07.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Russland

Moskaus Inlandsgeheimdienst spricht von NATO-Spionage

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat einen prominenten Berater der Raumfahrtbehörde Roskosmos festgenommen. Der 30-jährige Iwan Safronow habe für die NATO Informationen gesammelt, heißt es aus Moskau.

Russland russischer Inlandsgeheimdienst FSB (picture-alliance/dpa/A. Shcherbak)

Die Vorwürfe richten sich gegen einen Mitarbeiter der Raumfahrtbehörde Roskosmos

Dabei habe es sich auch um Staatsgeheimnisse zur militär-technischen Kooperation, Verteidigung und nationalen Sicherheit Russlands gehandelt, teilte der FSB mit. Es handele sich deshalb um Hochverrat. Von der Festnahme veröffentlichte der Geheimdienst auch ein Video.

Als Journalist einen Namen gemacht

Nach einer Mitteilung von Roskosmos steht die Festnahme nicht im Zusammenhang mit Safronows Arbeit bei der Behörde, wo er den Chef Dmitri Rogosin berät und für Kommunikationsaufgaben zuständig ist. Er war erst im Mai zu Roskosmos gewechselt. Safronow ist ein bekannter Journalist in Russland, der für die beiden Zeitungen "Vedomosti" und "Kommersant" gearbeitet und dort unter anderem über militärische Angelegenheiten berichtet hatte.

Kremlsprecher Dmitri Peskow wiederum sagte der Agentur Interfax zufolge, dass die Festnahme nicht im Zusammenhang mit Safronows früherer journalistischen Arbeit stehe. Details seien dem Kreml aber nicht bekannt. Auch Präsident Wladimir Putin sei nicht informiert worden, sagte Peskow. Er gehe dessen ungeachtet davon aus, dass die Spionageabwehr Russlands Qualitätsarbeit abliefere.

Der Beitrag ist verschwunden

Safronow soll Medien zufolge einen Bericht im "Kommersant" über russische Waffenexporte geschrieben haben, der Geheimnisse beinhaltet haben könnte. In einem Artikel sei es um Lieferungen von Kampfjets an Ägypten gegangen. Der Beitrag wurde von der Internetseite gelöscht. Sollte ein Gericht die Vorwürfe gegen Safronow bestätigen, drohen ihm in Russland bis zu 20 Jahre Haft.

Die Redaktion von "Kommersant" solidarisierte sich mit Safronow und nannte ihn einen "echten Patrioten", der stolz über das Militär und die Raumfahrt Russlands geschrieben habe. Die Menschenrechtlerin Olga Romanowa sagte, für die Veröffentlichung mutmaßlicher geheimer Informationen dürfe nicht der Journalist bestraft werden, verantwortlich sei die Quelle. Aus Solidarität mit Safronow versammelten sich auch zahlreiche Menschen vor dem FSB-Hauptgebäude in Moskau. Bei den Mahnwachen sollen nach Berichten mehr als 20 Menschen festgenommen worden sein, darunter auch die bekannte Moderatorin und ehemalige Präsidentschaftskandidatin Xenia Sobtschak. 

Safronows Vater war ebenfalls "Kommersant"-Korrespondent, der über militärische Themen schrieb. Er kam 2007 unter mysteriösen Umständen bei einem Fenstersturz ums Leben. 

haz/sti (dpa, rtr)

Die Redaktion empfiehlt