Mit dem Krieg kommen die Krankheiten | Welt | DW | 30.10.2013
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Welt

Mit dem Krieg kommen die Krankheiten

Die WHO hat es nun offiziell bestätigt. Im Osten Syriens sind Fälle von Kinderlähmung aufgetreten. Es ist keine große Überraschung: Das Gesundheitssystem in dem kriegsgebeutelten Land ist mittlerweile zusammengebrochen.

Warnungen gab es viele. Anfang Juni 2013 drückte auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre große Sorge aus, dass es in Syrien und unter den Flüchtlingen in den Nachbarländern zum Ausbruch von ansteckenden Krankheiten kommen könnte. Alle Risikofaktoren wie etwa schlechte hygienische Bedingungen und fehlende Impfstoffe seien in Syrien gegeben. Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" forderte immer wieder freien Zugang für humanitäre Hilfe in den umkämpften Gebieten.

Syrisches Mädchen hilft ihrem Bruder beim Laufen (Foto: Reuters)

Ein syrisches Mädchen hilft ihrem Bruder beim Laufen. Er hat vermutlich Polio.

Nun traf es die Stadt Deir al-Zor. Die WHO bestätigte dort den Ausbruch von Polio. Die zwischen oppositionellen Milizen und syrischer Armee stark umkämpfte Stadt liegt am Euphrat im Nordosten Syriens. Vor Ausbruch des Aufstandes gegen Präsident Bashar al-Assad lebte dort eine Viertelmillion Menschen. Früher gab es in der Stadt acht Krankenhäuser. Die meisten davon seien inzwischen zerstört worden, berichtete der Journalist Ghaith Al-Ahmad, der bislang in der Stadt ausharrt. In dem Teil der Stadt, der von der Opposition kontrolliert wird, gebe es noch zwei Hospitäler, in dem von der Armee kontrollierten Teil funktioniere noch das Militärkrankenhaus. Hinzu kämen die Ambulanzen, die in den umliegenden Dörfern lägen. Medikamente seien Mangelware und teuer.

Mangel an Ärzten und Medikamenten

Der bewaffnete Konflikt in Syrien hat das Gesundheitssystem zum Erliegen gebracht. Die WHO berichtete im Frühsommer 2013, dass mindestens 35 Prozent der staatlichen Krankenhäuser außer Betrieb seien. In manchen Regionen seien bis zu 70 Prozent der Angestellten im Gesundheitssektor geflohen, sodass großer Mangel an ausgebildetem medizinischen Personal herrsche.

Zerstörtes Krankenhaus in Aleppo (Foto: AFP/Getty Images)

Ein zerstörtes Krankenhaus in Aleppo

Verheerend sieht auch die Lage im pharmazeutischen Sektor aus. Vor Ausbruch des Krieges konnte Syrien fast 90 Prozent seines Bedarfs an Medikamenten durch Eigenproduktion decken. Nach UN-Angaben ist diese Produktion um drei Viertel zurückgegangen. Es herrsche ein akuter Medikamenten- und Impfstoffmangel. 2010 lag die Impfrate noch bei 91 Prozent, zwei Jahre später nur noch bei 68 Prozent.

Auch in Regionen, die politisch stabiler seien, wie etwa im kurdisch kontrollierten Qamishli im Osten Syriens, müssten Menschen sterben, weil Medikamente nicht erhältlich seien, wie der in Qamishli lebende Journalist Bakhtiar Hassen berichtet.

Nachbarländer sind alarmiert

Noch Mitte Oktober hatte das syrische Gesundheitsministerium verkündet, dass es eine landesweite Impfkampagne für 1,6 Millionen Kinder starten werde. Auch Impfungen gegen Kinderlähmung werde es geben. Doch wie diese Kampagne inmitten des tobenden Krieges umgesetzt werden soll, ist unklar.

Vergrößertes Bild des Polio-Virus (Foto: picture alliance/Everett Collection)

Das Polio-Virus

Im Nahen Osten ist die Angst nun groß, dass Flüchtlinge die Polio-Krankheitserreger in die Nachbarländer tragen. Der libanesische Gesundheitsminister Ali Hassan Khalil kündigte im Satellitenfernsehen LBCI an, an den Grenzübergängen zu Syrien Impfstationen aufzubauen. Das Kinderhilfswerk UNICEF plant in den kommenden Wochen im Libanon, im Irak, in Jordanien und Ägypten sowie in der Türkei, mit einheimischen Partnern Kinder syrischer Flüchtlinge gegen Polio zu impfen.

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