Mit 100 Prozent in die Kür | Fußball | DW | 17.02.2016
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Fußball

Mit 100 Prozent in die Kür

Zum Auftakt der K.o.-Runde der Europa League trifft der FC Augsburg auf den FC Liverpool. Auch die anderen Bundesligisten haben schwere und attraktive Gegner im einstigen Loser-Cup.

Augsburger Triumph

Nach dem "Wunder von Belgrad" freuen sich Hong Jeon-Ho und seine Augsburger nun auf den FC Liverpool

Für den FC Augsburg ist es ein Märchen. Im wohl größten Spiel der Vereinsgeschichte geht es für den gerade erst in der Bundesliga angekommenen Klub aus dem bayerischen Schwaben gegen den FC Liverpool. Gegen einen der ruhmreichsten Vereine des europäischen Fußballs. Zweimal 90 Minuten Ausbruch aus dem Abstiegskampf, in dem sich das Team von Trainer Markus Weinzierl nach dem Höhenflug in der vergangenen Saison befindet. "Das bringt uns auf die eine noch größere Bühne", schwärmt der Coach der Augsburger denn auch beim Fernsehsender Sport1. Und Manager Stefan Reuter pflichtet bei: "Das sind für den FCA absolute Traumspiele." Wenn auch die Chancen gegen die von Ex-Dortmund-Trainer Jürgen Klopp betreuten Engländer eher gering sind.

In Augsburg ist dennoch eine Riesen-Euphorie ausgebrochen. Die Karten für das Heimspiel an diesem Donnerstag waren nach der Auslosung im Dezember schon nach einer Stunde restlos ausverkauft. "Das ist die Kür, die wir mit 100 Prozent angehen werden", verspricht Weinzierl, die Bundesliga ist für einem Moment zur Nebensache geworden. Aber auch in Liverpool will man die sonst von europäischen Spitzenklubs eher abschätzig behandelte Europa League nicht kampflos abschenken. Die Europa League sei für die Reds "total wichtig", bekräftigt Klopp, man gehe mit "angemessenem Respekt" in die beiden Spiele. Auch wenn die Rollen klar verteilt sind, will Weinzierl nicht klein beigeben: Hier der "kleine aufstrebende Verein", dort der "große Traditionsklub mit seinen riesigen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Aber es ist im Fußball möglich, in zweimal 90 Minuten Sensationen zu schaffen."

Großbritanien West Ham United gegen Liverpool Jurgen Klopp

Neuer Verein, selbe Mimik: Klopp brüllt nun Liverpool nach vorne. Augsburg kennt er noch aus der Bundesliga

Dortmund Top-Favorit auf den Titel

Borussia Dortmund gehört zu den Vereinen, die eigentlich überqualifiziert sein sollten für die Europa League. Wer die Champions League gewonnen hat, wer vor knapp drei Jahren noch im Endspiel der Königsklasse stand, der will sich nicht mit Zweitklassigen messen. Nach einer verkorksten Vorsaison geht es um Schadensbegrenzung fürs Renomee und das Bankkonto. Und der Gegner in der Zwischenrunde ist mit dem FC Porto auch nicht unattraktiv. "Wir wissen, dass wir auf allerhöchstem Niveau geprüft werden. Dafür fühlen wir uns bereit", sagt Trainer Thomas Tuchel.

Die Buchmacher haben den BVB als klaren Favoriten für den Gewinn des gesamten Wettbewerbs ausgemacht. Beim Sportwettenanbieter bwin rangiert der aktuelle Bundesliga-Zweite vor dem Auftakt in die K.o.-Runde klar an erster Stelle. Doch in "Champions-League-Absteiger" Porto wartet eine harte Nuss. Der Tabellendritte der portugiesischen Liga feierte zuletzt beim Erzrivalen Benfica Lissabon einen Prestigeerfolg. Und die spanische Torhüter-Legende Iker Casillas fordert: "Wir müssen jetzt mit der gleichen Demut weitermachen und, wenn möglich, bis zum Saisonende alle Spiele gewinnen".

Die Dortmunder können im Hinspiel wieder auf den zuletzt leicht angeschlagenen Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang zurückgreifen. Afrikas Fußballer des Jahres soll der zuletzt in der Bundesliga etwas ins Stocken geratenen Angriffsmaschine der Westfalen wieder Schwung verleihen. "Damit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es offensiv sogar mehr wird als ein Tor", sagte Torhüter Roman Bürki. Der Schweizer steht wahrscheinlich für den erkrankten Roman Weidenfeller zwischen den Pfosten, der sonst im Europapokal erste Wahl war.

Schalke in Lwiw gegen Donezk

Dortmunds ewiger Lokalrivale Schalke 04 verdingt sich derweil beim nominell weitaus weniger interessanten ukrainischen Vertreter Schachtjor Donezk. Allerdings nur nominell, denn Schachtjor war immerhin vor sieben Jahren noch UEFA-Cup-Sieger, war zwischenzeitlich auch in der Champions League vertreten. Schalke war ungeschlagen als Gruppensieger in die Zwischenrunde eingezogen. Mit dem Champions-League-Absteiger Schachtjor wartet der erste echte Prüfstein. "Jetzt geht der Wettbewerb erst richtig los", sagt Angreifer Eric Maxim Choupo-Moting.

Auf zwei Leistungsträger müssen die Gastgeber verzichten: Torjäger Alex Teixeira wechselte für Unsummen jüngst nach China, Mittelfeldspieler Fred ist wegen Dopings gesperrt. Trotzdem sollte Schalke gewarnt sein, denn schon einmal beendete der neunmalige ukrainische Meister königsblaue Europacup-Träume: Im Februar 2005 erkämpfte sich Schalke - ebenfalls in der Runde der letzten 32 - in Donezk ein 1:1, verlor aber eine Woche später daheim 0:1. Diesmal spricht neben der fehlenden Wettkampfpraxis des Gegners, der seit dem 8. Dezember kein Pflichtspiel bestritten hat, auch der Austragungsort für die Gelsenkirchener: Wegen des Krieges in der Ostukraine trägt Schachtjor seine "Heim"-Spiele 1000 Kilometer fern der Heimat aus.

Leverkusen will Unentschieden bei Sporting

Für Bayer Leverkusen gilt es, die Saison mit dem Weiterkommen gegen Sporting Lissabon zu retten. Nach dem Aus im DFB-Pokal und dem Scheitern nach der Gruppenphase in der Champions League sowie der keineswegs sicheren Qualifikation für ein weiteres Jahr in der europäischen Königsklasse, heißt es nun, sich neue Ziele zu setzen. "Wir haben in der Europa League viel vor und möchten weit kommen. Da muss man selbstbewusst sein", sagte Sportchef Rudi Völler vor dem Gastspiel in Portugal.

Deutschland Hakan Calhanoglu

Calhanoglus Freistöße und Fernschüsse werden ein wichtiges Mittel für Leverkusen sein, um in Lissabon zu bestehen

Das neue Selbstbewusstsein zieht die Werkself aus zuletzt acht Pflichtspielen ohne Niederlage und dem Sprung auf Platz drei in der Bundesligatabelle. "Wir wollen mindestens ein Unentschieden mitbringen und möglichst viele Tore schießen, damit wir im Rückspiel eine gute Ausgangsposition haben", sagt Torwart Bernd Leno, stellt aber auch klar: "Sporting ist auf Augenhöhe mit uns."

Bayer-Boss Michael Schade verdeutlichte kurz vor dem Abflug in die portugiesische Hauptstadt noch einmal den Stellenwert des einstigen Verlierercups: "Man muss nur schauen, wer noch dabei ist. Bei Mannschaften wie Manchester United oder Liverpool, Tottenham und Neapel, Sevilla oder Valencia kann man nicht mehr sagen, das ist der Loser-Cup."

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