Migranten kapern Handelsschiff im Mittelmeer | Aktuell Europa | DW | 27.03.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Flucht nach Europa

Migranten kapern Handelsschiff im Mittelmeer

Vor der libyschen Küste haben aus Seenot gerettete Migranten offenbar das Steuer eines Handelsschiffs übernommen. Die maltesische Armee ist in Bereitschaft. Italiens Innenminister Matteo Salvini spricht von "Piraten".

Libyen Migranten auf dem Mittelmeer (picture alliance/AP Photo/O. Calvo)

Ein aus Seenot vor der libyschen Küste geretteter Mann (Symbolbild)

Das Handelschiff "Elhiblu" ist in der Gewalt von Flüchtlingen, die es zuvor gerettet hatte. Das berichten die Regierungen Italiens und Maltas übereinstimmend. Sechs Seemeilen vor der libyschen Hauptstadt Tripolis änderte das Schiff seinen Kurs Richtung Norden, offenbar in Richtung Malta. Offenbar wollten die gut 100 Menschen nicht nach Libyen zurückgebracht werden und hätten daraufhin die Kontrolle übernommen, berichten italienische Medien. Nach maltesischen Angaben hat der Kapitän einen Alarm abgesetzt, das Schiff sei "auf See überfallen" worden. Der Inselstaat rechnet damit, dass das Schiff am Donnerstagmorgen maltesische Gewässer erreicht. Die Armee ist in Bereitschaft.

Italiens rechtsextremer Innenminister Matteo Salvini schrieb bei Twitter: "Es sind keine Schiffbrüchigen, es sind Piraten." Sie würden Italien nur aus dem Fernrohr zu Gesicht bekommen. Sowohl Italien als auch Malta wollen Bootsflüchtlinge nicht aufnehmen, solange es keinen gemeinsamen Verteilmechanismus der EU-Staaten gibt.

Keine Retter mehr

Im vergangenen Sommer haben Repressalien, vor allem von italienischer Seite, so gut wie alle zivilen Seenotretter aus dem zentralen Mittelmeerraum verscheucht. In dieser Woche hat die EU auch noch offiziell entschieden, ihren Marineeinsatz vor der libyschen Küste zu beenden. Die Anti-Schleuser-Operation "Sophia" soll künftig nur noch Luftaufklärung umfassen, außerdem werden weiterhin libysche Küstenwachen ausgebildet. Im Bürgerkriegsland müssen Migranten Misshandlung, Folter und Vergewaltigung befürchten. Immer wieder wehren sich Menschen deshalb, nach Libyen zurückgebracht zu werden.

ehl/rb (dpa, rtr, afp)