Migranten in Mexiko stoßen auf Rassismus | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 15.11.2018
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Mittelamerikaner in Mexiko

Migranten in Mexiko stoßen auf Rassismus

Die Binnenmigration in Lateinamerika schürt in vielen Transit- und Aufnahmeländern Rassismus. Auch Mexiko ist keine Ausnahme. Dort formiert sich nicht nur im Netz heftiger Widerstand gegen die Migranten.

"Ich bin kein Rassist, aber …", "Zuerst müssen wir uns selbst helfen", "Es gibt nicht für alle Arbeit", "Sie werden es nicht in die USA schaffen und alle hier bleiben", "Sie werden noch mehr Gewalt ins Land bringen": Das sind nur einige der Kommentare, die in Mexiko immer häufiger zu hören sind, wenn es um die Migranten aus Mittelamerika geht, die gerade das Land Richtung USA durchqueren.

Seit dem 19. Oktober sind mindestens 17.000 Migranten in Mexiko eingetroffen. Diese Zahl erscheint weniger alarmierend, wenn man bedenkt, dass jedes Jahr laut Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mehr als 450.000 Menschen durch Mexiko wandern, um die USA zu erreichen. Doch die Bilder von Mittelamerikanern, die an der Grenze zu Guatemala Grenzzäune einreißen, um nach Mexiko zu gelangen, stoßen bei vielen Mexikanern auf Ablehnung. "Wenn sie unsere Behörden nicht respektieren, dann respektieren sie auch nicht die Gesetze dieses Landes. Kein Land der Welt erlaubt diese Art der Einreise", sagt die 86-jährige Rentnerin Maria Preciado der DW.

Als die ersten 5000 Migranten die Hauptstadt Mexiko-Stadt erreichten, richtete die Regierung ein Auffanglager ein, inklusive medizinischer und psychologischer Versorgung. Eine der bekanntesten Rockband des Landes gab sogar ein Gratis-Konzert. Dies löste schnell eine Welle der Kritik in den sozialen Netzwerken aus. In Foto-Collagen wird die Unterstützung der Regierung für die Migranten mit der für notleidende Mexikaner verglichen. "Ich bin nicht gegen die Migranten, aber es gibt Opfer des Erdbebens vom Vorjahr, die immer noch auf der Straße und in Schulen leben. Die Regierung tut nichts für sie", sagt die 65-jährige Estela Ávila.

Nationalismus im Stile Trumps

Am vergangenen Sonntag gab es in Mexiko eine Demonstration gegen die neue Regierung. Dabei tritt diese ihr Amt erst im Dezember an. Im Internet fällt der Protest noch härter aus. In den sozialen Netzwerken kursieren Bilder mit der Aufschrift "Keine unerwünschten Einwanderer mehr". Diese extremen fremdenfeindlichen Äußerungen im Web werden meist von einer Gruppe namens "Nationalistische Bewegung Mexikos" verbreitet. Sie behauptet unter anderem, dass die Einwanderer mit den kriminellen Jugendgangs der Mara Salvatrucha (MS) in Verbindung stünden.

Mexiko Migranten aus Mittelamerika setzen Weg Richtung USA fort (picture-alliance/ZUMAPRESS/J.-C. Reyes)

Fußballstadion im Mexiko-Stadt: Die Versorgung der Migranten ist oft nicht so rosig wie im Internet dargestellt

Doch die Ablehnung beschränkt sich nicht auf Meinungen und Behauptungen. In Einzelfällen folgen auf die Online-Hetze Taten im echten Leben. "In Chiapas bilden sich Zivilgarden, die kontrollieren, wohin sich die Migranten marschieren und melden sie dann den Behörden", sagt René Sop, Mitglied des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes. Solche Aktionen kannte man bisher nur von rechtsextremen Gruppen aus den USA, sie werden aber zunehmend auch in Mexiko kopiert.

Rassismus und soziale Klasse

"Wenn diese Migranten alle Briten wären, würde niemand etwas sagen. Die weiße Hautfarbe wird privilegiert", meint die 20-jährige Studentin Alejandra Lozano. In Mexiko ist es nach Angaben der nationalen Kommission gegen Diskriminierung (Conapred) schwieriger eine Weiterbildung oder eine Arbeitsstelle zu bekommen, je dunkler die Hautfarbe ist.

"In Lateinamerika herrscht die 'Pigmentokratie'. Wenn du blond bist, wirst du mit Wohlstand, Glück und sogar Güte assoziiert. Viele Mittelamerikaner sind afrikanischer Abstammung und deswegen unerwünscht", sagt Guillermo Alfaro, Professor an der Universität Iberoamericana in Mexiko-Stadt. Während die Migranten ihren Weg durch Mexiko weiter fortsetzten, nähme die Ablehnung durch die mexikanische Bevölkerung zu. "Wir sind ein Volk von 120 Millionen Menschen. Da sollten ein paar Tausend Menschen nicht wirklich ein Problem sein. Wenn sich die Mexikaner wirklich um das Gemeinwohl sorgen, dann sollte es keine Ausgrenzungen aufgrund von Vorurteilen geben", meint Alfaro.

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