Merkel: ″Solidarität wird auf die Probe gestellt″ | Aktuell Deutschland | DW | 11.03.2020
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Coronavirus

Merkel: "Solidarität wird auf die Probe gestellt"

Zum ersten Mal äußerte sich Bundeskanzlerin Merkel ausführlich zur Coronakrise. Es gehe jetzt vor allem darum, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Merkel appellierte außerdem an die Verantwortung jedes einzelnen.

"Das Virus ist in Europa angelangt, es ist da. Das müssen wir alle verstehen", sagte Angela Merkel zu Beginn ihrer Pressekonferenz. Solange kein Impfstoff oder eine andere Therapiemöglichkeit gefunden sei, werde sich ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung mit dem Coronavirus anstecken. Experten gingen von rund 60 bis 70 Prozent der Menschen im Land aus. Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen seien besonders gefährdet. Daher müsse das Vorgehen "davon bestimmt sein, dass wir unser Gesundheitssystem nicht überlasten", sagte Merkel. In Deutschland sind aktuell mehr als 1200 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Drei Menschen sind bisher an der Lungenkrankheit COVID-19 gestorben.

Politisches Handeln müsse sich daran orientieren, was Wissenschaftler und Experten sagen, erklärte die Bundeskanzlerin in der Pressekonferenz

mit Gesundheitsminister Jens Spahn und dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler. Die Ausbreitung des Virus müsse zunächst verlangsamt werden. "Es geht also um das Gewinnen von Zeit", sagte Merkel. Es müsse vor allem sicher gestellt werden, dass medizinisches Personal arbeiten könne. Wichtig sei außerdem, dass alle staatlichen Ebenen arbeiten könnten. Es sei nicht das Schlimmste, wenn Fußballspiele nicht wie gewohnt stattfinden könnten. "Wir werden das, was notwendig ist, tun", versicherte Merkel.

"Auf die Probe gestellt"

Merkel berichtete vom EU-Gipfel am Vorabend, der wegen der Ausbreitung des Coronavirus zum ersten Mal als Videoschalte stattfand. Eine enge Abstimmung zwischen den Partnern in Europa sei nun besonders wichtig. Die EU-Kommission werde daher eine Expertengruppe aus Virologen zusammenstellen. Die EU-Staaten werden außerdem die Forschung und die Entwicklung eines Impfstoffes unterstützen. Die Regierung in Berlin wird knapp eine Milliarde Euro für den Kampf gegen das Coronavirus einsetzen. Dazu kommen 145 Millionen Euro als deutscher Anteil an dem Forschungsverbund Cepi - eine internationale Initiative zur Erforschung von Impfstoffen.

Das Virus gehe auch an der Wirtschaft nicht spurlos vorbei, sagte Merkel. Die Bundesregierung habe daher schnell gehandelt. Sie werde noch in dieser Woche Liquiditätshilfen für Unternehmen bereitstellen, insbesondere über die staatliche Förderbank KfW. Die Staats- und Regierungschefs der EU hätten vereinbart, sowohl den Stabilitäts- und Wachstumspakt wie auch die Beihilferegeln flexibel zu halten.

Merkel appellierte an die Verantwortung eines jeden Bürgers, für sich und seine Mitmenschen Sorge zu tragen. Mit Blick auf die besonders gefährdeten älteren und bereits erkrankten Bürger sagte sie: "Da sind unsere Solidarität, unsere Vernunft, unser Herz füreinander schon auf eine Probe gestellt, von der ich mir wünsche, dass wir diese Probe auch bestehen."

pgr/fab (dpa, rtr, afp)

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