Deutschland weitet Grenzkontrollen wegen Corona aus | Aktuell Europa | DW | 10.03.2020
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Coronavirus

Deutschland weitet Grenzkontrollen wegen Corona aus

Um die Verbreitung des Coronavirus zu bremsen, wird Deutschland die Kontrollen an den Grenzen verstärken. Die Zahl der Infizierten steigt derweil weiter. Und Italien meldet einen traurigen Rekord.

Deutschland Grenzkontrollen bei Aachen (picture-alliance/dpa/M. Becker)

Immer wieder verschärften die Behörden die Grenzkontrollen, wie hier 2016 nach Anschlägen in Brüssel

Der Krisenstab der Bundesregierung teilte mit, die Polizei werde die Kontrollen "insbesondere an den Südgrenzen noch einmal intensivieren". Der Krisenstab, dem Vertreter des Innenministeriums und des Gesundheitsministeriums angehören, unterstützte zudem die vorher bereits von Gesundheitsminister Jens Spahn geäußerte Empfehlung, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. Zahlreiche Bundesländer, darunter das am stärksten getroffene Nordrhein-Westfalen, verabschiedeten entsprechende Anweisungen.

Kanzlerin rechnet mit sehr hoher Zahl an Infizierten

Bundeskanzlerin Angela Merkel geht davon aus, dass sich rund zwei Drittel der Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus anstecken könnten. 60 bis 70 Prozent könnten sich infizieren, sagte sie nach Teilnehmerangaben in einer Fraktionssitzung. Die Zahlen hatten Experten wie der Berliner Virologe Christian Drosten bereits vor einiger Zeit genannt. Noch sei unbekannt, in welcher Zeit dies verlaufe, betonte der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin. "Das kann durchaus zwei Jahre dauern oder sogar noch länger." Mediziner arbeiten zudem an Medikamenten und Impfstoffen. Mit einem Einsatz von Impfstoffen rechnen sie in ein bis eineinhalb Jahren. 

Stetig mehr Infizierte

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland weiter aus: Binnen eines Tages kamen bis zum Dienstagnachmittag allein in den sechs am stärksten betroffenen Bundesländern mehr als 200 neue Infektionsfälle hinzu. Dies ergibt sich aus den Mitteilungen der Behörden in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen sowie Niedersachsen und Berlin - verglichen mit den Zahlen des Robert Koch-Instituts von Montagnachmittag. Allein im bevölkerungsreichsten Land Nordrhein-Westfalen kletterte die Zahl bis Dienstagvormittag demnach um knapp 100 auf 580 bestätigte Fälle.

Österreich Coronavirus (picture-alliance/EXPA/APA/picturedesk.com/J. Groder)

Auch an der Grenze zwischen Österreich und Italien wurden die Kontrollen verschärft

Vom Robert Koch-Institut gab es keine neuen Fallzahlen zur bundesweiten Entwicklung. Grund ist eine technische Umstellung, wie eine Sprecherin sagte. Neue Zahlen gebe es voraussichtlich erst am Mittwochmorgen. Die letzte Fallzahl stammt von Montagnachmittag und beträgt 1139.

Video ansehen 02:39

Ganz Italien im Ausnahmezustand

Starker Anstieg der Todesfälle in Italien

Italien meldet die bisher höchste Zahl an Verstorbenen aufgrund des Coronavirus an einem Tag. Es habe weitere 168 Todesfälle gegeben, erklärten die italienischen Behörden. Insgesamt starben damit in dem Land 631 Menschen an der durch das Virus verursachten Krankheit COVID-19.

Italien ist das am stärksten von der Epidemie betroffene europäische Land. Mehr als 10.000 Menschen haben sich innerhalb von etwas mehr als zwei Wochen infiziert. Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen stieg nach Angaben der Behörden von 144 auf 877. Italiens Regierung hat inzwischen das gesamte Land zur Schutzzone erklärt und die Bewegungsfreiheit eingeschränkt.

Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Toten außerhalb Chinas nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf 1115. China gilt als Ursprungsland der Coronavirus-Epidemie.

Infografik Verlauf der COVID-19-Epedemie DE 10.3.2020

Weltweit haben sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation inzwischen mehr als 114.000 Menschen nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert, die Dunkelziffer liegt Experten zufolge allerdings wesentlich höher. Es gibt weder eine schützende Impfung noch eine spezielle Therapie zur Behandlung der Erkrankung. Die meisten Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen, die binnen weniger Tage verschwindet - oder gar keine Symptome.

pgr/uh (dpa, rtr, afp)

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